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Innovative Projekte trotz Sparzwang

15.05.2003 - (idw) Universitätsklinikum Heidelberg

Mit besserer Organisation und neuen Strukturen will das Universitätsklinikum Heidelberg Kosten reduzieren / Einrichtung eines "Comprehensive Cancer Centers" gemeinsam mit dem DKFZ


Irmtraut Gürkan. Kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Heidelberg. / Foto: Medienzentrum der Universitätsklinik Heidelberg.
Edgar Reisch. Pflegedirektor des Universitätsklinikums Heidelberg. / Foto: Medienzentrum der Universitätsklinik Heidelberg. Das Universitätsklinikum Heidelberg unterliegt wie andere Kliniken in Deutschland den allgemeinen Sparzwängen im Gesundheitswesen. Dennoch ist der Vorstand des Klinikums optimistisch, durch Neuorganisation von Abläufen und Strukturen die gesteckten Sparziele zu erreichen und gleichzeitig das hohe Niveau in Krankenversorgung, Forschung und Lehre zu halten. Darüber hinaus werden in den kommenden Jahren am Heidelberger Klinikum innovative Projekte eingeführt, die das hohe klinische und wissenschaftliche Niveau nachhaltig stärken. Dies erläuterten die Mitglieder des Klinikumsvorstandes heute bei einer Pressekonferenz in Heidelberg.

Der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg, Prof. Dr. Eike Martin, stellte das Vorhaben vor, gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg, ein "Comprehensive Cancer Center" einzurichten, dessen Modellphase bereits am 1. Juli 2003 beginnen wird. In diesem Zentrum nach amerikanischem Vorbild werden Patienten mit einer Krebserkrankung in einer Ambulanz gemeinsam von Experten verschiedener Disziplinen betreut, bevor sie ggf. in einer Klinikumsabteilung stationär behandelt werden. In der Modellphase, in der die Ambulanzeinrichtung des Otto-Meyerhof-Zentrums des Klinikums genutzt wird, sollen vor allem Patienten mit Blutkrebserkrankungen und bösartigen Tumoren der Bauchspeicheldrüse behandelt werden. Das Zentrum bietet die Chance, gemeinsam mit den Wissenschaftlern des DKFZ, neue Therapien zu entwickeln und einzuführen. Der Neubau des "Comprehensive Cancer Centers" auf dem Neuenheimer Klinikareal wird 2004 beginnen.

Kosten sparen durch Zentrallabor und "filmloses Krankenhaus" / Straffere Organisation der Abläufe auf Station und im OP

Die schlechte Finanzlage der Krankenkassen, steigende Tariflöhne sowie Sachkosten haben das Heidelberger Klinikum vor Sparzwänge gestellt. Das Sparziel sei für 2003 bei 24 Millionen Euro angesetzt worden, um sich die nötige Flexibilität u.a. für Kooperationsprojekte mit anderen Krankenhäusern oder Neuberufungen ärztlicher Direktoren zu bewahren, sagt Irmtraut Gürkan, Kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Heidelberg. Gespart werden könne durch langfristige Projekte wie eine Konzentration der Routinediagnostik in einem Zentrallabor oder die Einführung des "filmlosen Krankenhauses", das sämtliche bildgebende Verfahren digitalisiert und auf herkömmliche Röntgenfilme verzichtet. Darüber hinaus sei es in die Verantwortung der Ärztlichen Direktoren gestellt, fünf Prozent ihres Budgets bei Sachmitteln oder bei Personalkosten zu sparen. Zehn Prozent Einsparungen sind bei Logistik und Infrastruktur des Klinikums vorgesehen. "An der Qualität der Patientenversorgung wird nicht gespart", sagte Frau Gürkan und wies auf die begleitende Qualitätssicherung hin. Vielmehr müssten Strukturen und Abläufe in den klinischen Abteilungen überdacht und effektiver gestaltet werden.

"Einsparpotenzial biete beispielsweise die Zusammenlegung von kleinen Stationen", sagte Edgar Reisch, der Anfang April die Pflegedirektion des Klinikums übernommen hat. Darüber hinaus müsse man sich mit manchen liebgewordenen "Ritualen" im Stationsbetrieb befassen: Finden die Visiten erst am Abend statt und verursachen dadurch zahlreiche Überstunden? Wie lange dauern die Übergaben beim Schichtwechsel? Ist der Betrieb im Operationssaal so straff organisiert, so dass keine unnötige Wartezeiten auftreten? Reisch plädierte für ein Management, das sich nicht an den Einzelinteressen der Berufsstände im Krankenhaus orientiert, sondern an der jeweils zu lösenden Aufgabe.

Auch die Forschung und Lehre an der Medizinischen Fakultät Heidelberg und dem Universitätsklinikum ist von den Sparmaßnahmen mit einer Reduktion von 10 Prozent der Landesmittel im Jahr 2002/2003 betroffen, erklärte Prof. Dr. Hans-Günther Sonntag, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg. Klinikum und Fakultät gehörten nach dem Urteil des Wissenschaftsrates Anfang des Jahres zu den führenden hochschulmedizinischen Einrichtungen in Deutschland. Im vergangenen Jahr konnten 40 Millionen Drittmittel eingeworben werden. Sonntag führte diesen Erfolg nicht zuletzt auf die große finanzielle und planerische Eigenständigkeit der Medizinischen Fakultäten in Baden-Württemberg innerhalb der Universität zurück. Er wandte sich gegen eine Änderung des Hochschul-Medizinreform-Gesetzes, die diese Eigenverantwortung rückgängig machen wolle.

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