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Jung, weiblich und ausgezeichnet - Therese-von-Bayern-Preis für Dr. Zsuzsanna Major

13.02.2009 - (idw) Munich-Centre for Advanced Photonics (MAP)

Insgesamt erhielten neun Naturwissenschaftlerinnen gestern den Preis, der alle drei Jahre an herausragende Wissenschaftlerinnen während einer Feierstunde verliehen wird. Dr. Zsuzsanna Major arbeitet im Exzellenzcluster "Munich-Centre for Advanced Photonics" und ist Mitglied in der Nachwuchsforschergruppe von Prof. Dr. Stefan Karsch. Lesen Sie hier ein Interview mit der Preisträgerin: Sie haben gerade den Therese-von-Bayern-Preis bekommen, der von einer Stiftung der LMU an hervorragende Wissenschaftlerinnen vergeben wird. Was bedeutet dieser Preis für Sie?
"Die Namensgeberin dieser Stiftung und des Preises, Therese von Bayern, ist die erste Frau, der die Ehrendoktorwürde der Universität München verliehen wurde, und daher gilt sie als beispielgebende Vorreiterin für Frauen in der Wissenschaft. Ich freue mich sehr über diesen Preis, er ist eine unterstützende Bestätigung für mich."

Unterstützung wobei?
"Es ist eine Bestätigung dafür, dass ich "auf dem richtigen Weg" bin. In einer Forschungsgruppe, in der es fast nur Männer gibt, hat eine Frau schon oft eine "Sonderstellung" und kann dadurch manchmal nur schwer objektiv beurteilt werden. Deshalb fühle ich mich durch die Anerkennung, die dieser Preis bedeutet, unterstützt."

Wie kamen Sie auf die Idee, sich für diesen Preis zu bewerben?
"Prof. Ferenc Krausz hat mir die Ausschreibung zugeschickt und mich zur Bewerbung ermuntert."

Sie haben ja bereits als Schülerin an Wettbewerben teilgenommen ...
"Während meiner Schulzeit in Stuttgart habe ich erfolgreich am Landes- und Bundeswettbewerb Mathematik teilgenommen und dafür auch Preise bekommen. Im Auswahlverfahren für die Internationale Physikolympiade bin ich in mehreren Jahren unter die besten 50 in Deutschland gekommen, und habe beim IYPT (International Young Physicists' Tournament) mit der deutschen Mannschaft den ersten Rang erzielt."

Das heißt, Sie hatten schon in der Schule ein Faible für Mathematik und Physik?
"Nicht direkt. Die Teilnahme an den Wettbewerben waren außerschulische Aktivitäten, und daher von den Lehrern kaum wahrgenommen. Eigentlich fand ich andere Fächer, wie zum Beispiel Biologie und Sprachen in der Schule auch interessant. In die Physik bin ich eher hineingewachsen: Meine Eltern sind beide Physiker und sind am Max-Planck-Institut für Metallforschung (Stuttgart) tätig. Als kleines Kind war ich oft mit ihnen am Institut, meistens am Wochenende, wenn sie zum Beispiel Proben wechseln mussten."

Sie haben zwar Ihre ganze Schullaufbahn in Deutschland absolviert, sind aber dann zum Studium wieder nach Budapest gegangen. Warum?
"Das war eine Art Heimkehr. Die Ausbildung in Ungarn hatte einen guten Ruf - auch meine Eltern hatten dort studiert. Meine Großeltern und Verwandte, die ich von klein auf nur in den Schulferien besuchen konnte, waren auch eine große Anziehungskraft. Und schließlich wollte ich meine Wurzeln richtig kennenlernen und weiter stärken."

Ist dieser Wunsch dann in Erfüllung gegangen?
"Ja, auf jeden Fall! Ich habe auch außerhalb der Familie Kontakte und Freundschaften geknüpft, die mich in meinem Leben weiter begleiten."

Therese von Bayern war zu ihrer Zeit eine Seltenheit. Was würden Sie schätzen, wie viele Frauen in Ihrem Jahrgang unter den Studenten waren?
"In Budapest waren es vielleicht 10 % in meinem Semester. In Bristol, wo ich mein 4. Studienjahr verbracht hatte, waren es deutlich mehr Studentinnen, etwa ein Drittel. In England wurde aber auch viel dafür getan, es kamen regelmäßig und oft Aufrufe an die Doktorandinnen und Postdocs, dass sie sich an einem der zahlreichen Programme beteiligen sollten, mit denen speziell Schülerinnen für ein naturwissenschaftliches Studium gewonnen werden sollten. Diese Anstrengungen scheinen dort den erhofften Erfolg gebracht zu haben."

Der Aufenthalt in England hat Ihnen also unter mehreren Gesichtspunkten gut getan!
"Mein "Auslandsjahr" in England war sehr motivierend. Ich habe dort zum ersten Mal richtig forschen dürfen. Auf dem Gebiet der Festkörperphysik habe ich das so genannte "Final Year Project" gemacht. Das ist ein kleines Forschungsprojekt, ähnlich einer Diplomarbeit, allerdings hat man dafür nur ungefähr 9 Monate Zeit. Zwar konnte das in Ungarn nicht als Diplomarbeit anerkannt werden, aber durch meine Kontakte in Bristol hatte ich dann die Möglichkeit, als Diplomarbeit an einem Thema zu arbeiten, das direkt an meine in Bristol begonnene Forschung anknüpfte und diese vervollständigte. Zur Promotion bin ich dann wieder nach Bristol zurückgekehrt.

Noch etwas: In England haben die Professoren im Grundstudium nur wenige Zyklen die gleiche Vorlesung gehalten, dann wurde gewechselt, was ich sehr gut fand. Dadurch hält nicht derselbe Professor 20 Jahre lang die gleiche Vorlesung und es kehrt nicht die Routine ein. Das ist natürlich sehr viel Arbeit für den Einzelnen, aber es lohnt sich meiner Meinung nach."

Sie haben mit 26 Jahren bereits promoviert. Sind Sie ein Überflieger oder wie haben Sie das geschafft?
"In dieser Hinsicht hatte ich schon Glück mit meiner Wahl des Studien- und Promotionsortes. In Ungarn hatten wir einen festen Stundenplan, in dem jede Vorlesung und jedes Praktikum genau festgelegt war. Dadurch ist man nach 5 Jahren mit dem Diplom fertig.
In England dauert die Promotion auch nicht so lange wie hier in Deutschland. In der Regel gibt es ein Stipendium für 3 Jahre und die meisten werden in weniger als 4 Jahren fertig. Auch drängt die Universität darauf, dass die Doktoranden so schnell wie möglich fertig werden, denn sie bekommt Minuspunkte für jeden, der länger als vier Jahre braucht. Ich habe es in weniger als 3 ? Jahren geschafft."

Und 2005 bekamen Sie dann ein Marie-Curie-Stipendium gegen große Konkurrenz aus den EU-Staaten?
"Nach meiner Promotion in England hatte ich vor, wieder zurück aufs europäische Festland zu kommen und ich wollte auch mein Forschungsthema wechseln. Ich wollte mich nicht auf ein Thema festlegen, wo ich später dann nie mehr etwas anderes machen kann. Einen solchen Orts- und Themawechsel unterstützt das Marie-Curie-Stipendium der EU und deshalb war die Ausschreibung ideal für mich.
Nur 16 % aller Bewerbungen wurden bewilligt, und unser gemeinsamer Antrag mit dem Max-Planck-Institut für Quantenoptik gehörte dazu. So bin ich also in Garching im "Laboratory for Attosecond and High-Field Physics" gelandet und beschäftige ich mich jetzt mit der Wechselwirkung von ultrakurzen Laserpulsen mit Materie unter extremen Bedingungen (Hochfeldphysik)."

Vielen Dank für das Interview! Letzte Frage: Wie werden Sie das Preisgeld verwenden?
"Da ich ja nach meinem Themenwechsel mir noch nicht so richtig einen Namen als Laserphysikerin machen konnte, würde ich es deshalb gerne dazu benutzen, um internationale Konferenzen zu besuchen und Kontakte zur "Community" zu schließen. Diese sind in der Forschung sehr stimulierend und begründen oft wissenschaftliche Zusammenarbeit."

Weitere Informationen: http://www.munich-photonics.de - Homepage des Exzellenzclusters "Munich-Centre for Advanced Photonics" http://www.attoworld.de/ - Arbeitsgruppe von Prof. Stefan Karsch (LMU)
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