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Er liebte das Leben, die Menschen und seine Arbeit wie kein anderer: Oestergaard ist verstorben

16.05.2003 - (idw) Fachhochschule Pforzheim

Er liebte das Leben, die Menschen und seine Arbeit wie kein anderer: Heinz Oestergaard, Professor für Mode an der Hochschule Pforzheim, starb am 10.05.2003


Andrea Baudendistel, Elisabetta Birmelin, Professor Oestergaard, Ingrid Mejer, Ursula Bienneck (v.l.n.r.) Heinz Oestergaard war an der Hochschule Pforzheim von 1978 bis 1984 Professor für Mode. Auch nach seiner Pensionierung hielt er gelegentlich Vorträge und beteiligte sich in Jury's. Professor Heinz Oestergaard war ein Professor mit Leidenschaft. Er verlangte viel von seinen Studierenden. - Heute sind viele seiner "Kinder" in Berlin, München, Paris und London als selbständige Modedesigner aktiv oder für große Konfektionsfirmen tätig. Heinz Oestergaard war einer der bedeutendsten Modedesigner Deutschlands. Seine Aktivitäten schienen wie ein Spiel - alles mit leichter Hand arrangiert. Seine Ausstrahlung war perfekt und glamourös auf der Bühne und warm und aufmerksam im Gespräch mit jedem Einzelnen.

Heinz Oestergaard wurde 1916 in Berlin geboren. Das Multitalent studierte Kunst und Zeichnen bei Professor Breuhaus de Groot und Professor Otto Arpke und besuchte anschließend die Hirsch'sche Zuschneideakademie in Berlin. 1936 trat er eine Lehre im damals berühmten Modehaus "Schröder-Eggeringhaus" an. In seine zerbombte Heimatstadt Berlin kehrte er aus russischer Gefangenschaft 1946 zurück und war wie Frau Professorin Ingrid Loscheck es formuliert "besessen" den Trümmerfrauen in ihren Militärhosen und Kopftüchern wieder Mode und Eleganz zu geben. Die Haute Couture Oestergaards war sowohl damenhaft als auch jugendlich. Obwohl Paris das Design seiner Mode beeinflusste, behielt er seine eigene Note und zog die deutschen Stars der 50er Jahre an.

Als Heinz Oestergaard 1978 an die damalige Fachhochschule für Gestaltung kam, bewirkte er, dass der Studiengang Mode ins internationale Medieninteresse rückte. Frau Professorin Ingrid Loscheck beschrieb Oestergaard als einen Gestalter mit drei Karrieren: der exklusiven Haute Couture Berlins der 50er Jahre, der Mode für Millionen (z.B. das Versandhaus Quelle oder den Miederwarenhersteller Triumph). Mit bewundernswerter Kraft und Energie verstand Oestergaard es, seine weltweit gesammelten Erfahrungen den Studierenden praxisnah weiterzugeben. Neben seinen Erfahrungen war es das "Kreative-vorweg-Erspüren" von Modetrends das den renommierten Modedesigner auszeichnete. In seinen Vorlesungen verdeutlichte er u.a. die Zusammenhänge zwischen Allgemeinwissen, Musik, Reisetrends, Politik und deren Wechselbeziehungen zur Mode. Mit nicht unerheblichen finanziellen Mitteln umging er Etat-Engpässe und unterstützte die Studierenden, bei der geforderten perfekten Organisation und Präsentation. Seinen Studierenden war er nicht nur auf fachlicher Ebene ein vorbildlicher Professor. "Seine menschliche große Würde", erklärt Professor Jablonski, seinerzeit Rektor der Fachhochschule für Gestaltung, "wurde spürbar erkannt und selbst die in allen Bereichen vertretenen Querdenker mussten seiner Art mit jungen Menschen zu sprechen, stille Achtung zollen." Heinz Oestergaard war ein außergewöhnlicher Mensch. "Selten ist mir ein so toleranter Mensch begegnet wie Heinz Oestergaard", so Prorektorin Gerda Maria Ott aus dem Hochschulbereich Gestaltung. "Seine Offenheit war seine Stärke und seine Liebe der Schutz gegen Einsamkeit. Er war bescheiden und trotzdem eitel bis ins hohe Alter: er trug nur helle Farben, bevorzugt Weiß, und mit seinem jugendlichen Lachen und dem dichten weißen Haar, erweckte er fast den Eindruck eines "Gurus". Es war nicht leicht nach "Oesti" den Studiengang Mode zu übernehmen, aber er hat mich liebevoll und tröstend unterstützt, ja er ist sogar extra angereist, um mit mir noch einmal zum Defilée auf die Bühne zu springen. Ich bewunderte seinen Charme und seine Herzlichkeit und verdanke ihm viele spannende Gespräche."

Wer heute an die Hochschule nach Pforzheim kommt, wird auf viele Spuren von Oestergaard stoßen, die noch lange erkennbar sein werden. Neben zahlreichen Anekdoten, die von Semester zu Semester weitergegeben werden, sind inzwischen auch "Schüler" und "Schülerinnen" von Oestergaard als Lehrbeauftragte aktiv.

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