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Mit Nachhaltigkeit gegen die Finanzkrise

27.02.2009 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Soziologin siedelt Schumpeter-Fellowship der VolkswagenStiftung an der Uni Jena an Jena (27.02.09) Seit Monaten beschäftigt uns die Finanzkrise - die Medien berichten von gierigen Fondsmanagern und betrogenen Anlegern. Staatliche Finanzhilfen fließen, doch ein Weg aus der Krise scheint indes nicht in Sicht zu sein. Dr. Stefanie Hiß wirft einen ungewöhnlichen Blick auf die Finanzmisere, indem sie die Beziehung zwischen Finanzmärkten und Vorstellungen von Nachhaltigkeit untersucht. Für diesen unkonventionellen Ansatz erhält die Soziologin eines der diesjährigen vier Schumpeter-Fellowships der VolkswagenStiftung. Das mit 559.300 Euro dotierte Fellowship wird Stefanie Hiß ab Oktober für die kommenden fünf Jahre am Lehrstuhl für Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie des Instituts für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena ansiedeln.

Profitmaximierung auf der einen Seite und Nachhaltigkeit als Entscheidungsgrundlage für eine Kapitalanlage auf der anderen Seite - zwei Ansätze, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. "Auf dem Finanzmarkt dominieren zumeist kurzfristige Strategien der Profitmaximierung. Der Gedanke der Nachhaltigkeit stammt dagegen aus dem umweltpolitischen Diskurs und hat den langfristigen Erhalt unserer Lebensgrundlagen zum Ziel", erklärt die 34-jährige Soziologin. Wie diese so unterschiedlichen Konzepte zusammen passen, wird Hiß aus soziologischer Perspektive und im internationalen Vergleich auf den Grund gehen.

Welchen Mechanismen unterliegen Instrumente wie "Rating", "Accounting" und "Aktenindizes" einerseits im nachhaltigen, andererseits im konventionellen Finanzmarktsegment? Wie positionieren sich Unternehmen und Investoren im Spannungsfeld zwischen kurzfristiger Profitsteigerung und nachhaltigem Wirtschaften? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, wird die Wissenschaftlerin verschiedene Methoden heranziehen: Expertenbefragungen, Medienanalysen sowie Auswertungen von Parlamentsdebatten in Deutschland und Großbritannien. Zudem plant Stefanie Hiß Forschungsaufenthalte in den USA und Großbritannien, um das Verhältnis von Finanzmarkt und Nachhaltigkeit vor dem Hintergrund unterschiedlicher Varianten des Kapitalismus vergleichen zu können. "Die Ergebnisse sollen", so Hiß, "ein umfassendes Bild der institutionellen Arrangements sowie der gesellschaftlichen Wahrnehmung dieser neuen Konzepte geben."

Stefanie Hiß hat sich bewusst für eine Ansiedlung ihres Fellowships an der Universität Jena entschieden. Das Institut für Soziologie baut derzeit die Finanzmarktforschung zu einem neuen Schwerpunkt aus. "Indem mein Forschungsvorhaben Finanzmarkt und Nachhaltigkeit systematisch verbindet, ergänzt es hervorragend die Forschung zum Thema Finanzmarkt und Finanzmarktkapitalismus am Jenaer Institut", weiß Stefanie Hiß. "Gerade in der Soziologie sind Forschungen zum Finanzmarkt noch nicht sehr weit verbreitet", meint die Wissenschaftlerin, die zuvor an der Universität Bamberg und am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln tätig war. Ihre Diplomabschlüsse in Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft und die Promotion in Soziologie, die sie im Graduiertenkolleg "Märkte und Sozialräume in Europa" an der Universität Bamberg abgeschlossen hat, kommen ihr bei der interdisziplinären Herangehensweise zugute.

Die VolkswagenStiftung fördert seit 1962 Forschungsvorhaben aller Disziplinen und stellt in diesem Jahr rund 2,2 Millionen Euro für vier Schumpeter-Fellowships bereit. Exzellente junge Wirtschafts-, Sozial- und Rechtswissenschaftler, die mit ihren Projekten Neuland erschließen, werden durch die Förderinitiative unterstützt, die nach Joseph Alois Schumpeter benannt ist, einem der renommiertesten Nationalökonomen des 20. Jahrhunderts.


Kontakt:
Dr. Stefanie Hiß
Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiß-Straße 2, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945520
Weitere Informationen: http://www.uni-jena.de
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