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Mit Fingerabdrücken erfasst VD 17 alle Barockzeit-Drucke des deutschen Sprachraums

08.03.2009 - (idw) Universität Augsburg

Universitätsbibliothek Augsburg neuer Parnter im Projekt"Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts" Augsburg/GH/KPP - Auf Grund der hohen Wertigkeit ihrer historischen Bestände ist die Universitätsbibliothek Augsburg seit dem 1. Februar 2009 Kooperationspartner im Projekt "Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts" (VD 17) und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit entsprechenden Personal- und Sachmitteln gefördert. Im Rahmen der Aktionslinie "Kulturelle Überlieferung" stellt die DFG darüber hinaus auch Fördergelder für die Volldigitalisierung der in diesem Verzeichnis nachgewiesenen Drucke zur Verfügung. Neben die Bereitstellung der Erschließungsdaten tritt damit künftig der digitale online-Zugriff auf das ganze Buch durch kooperative Massendigitalisierung.

Das "Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts" erschließt als online verfügbare retrospektive Nationalbibliographie Drucke des Zeitraums von 1601 bis 1700. Ziel des Projekts VD 17 ist die möglichst vollständige Erfassung aller deutschsprachigen Titel und - unabhängig von der Sprache - aller im historischen deutschen Sprachgebiet gedruckten und verlegten Werke dieses Jahrhunderts.

Bereits eine Million digitalisierte "Schlüsselseiten"

Die Verzeichnung der Drucke erfolgt nicht durch Retrokonversion von Altdaten, sondern ausschließlich nach Autopsie, d. h. an Hand der Originale. Zur Erleichterung der Ausgabendifferenzierung sind den bisher mehr als 250.000 erfassten Titeln mit über 500.000 Exemplarnachweisen bereits eine Million digitale Faksimiles von jeweils vier sogenannten "Schlüsselseiten" eines jeden Druckes (z. B. Titelblatt, Widmungsblätter, Textanfang) beigegeben.

Varianten innerhalb derselben Auflage

Die Erschließungssituation der Literatur der Barockzeit, die erst in den letzten Jahrzehnten vermehrt in den Fokus der Wissenschaft geraten ist, erfährt durch das Projekt eine erhebliche Verbesserung. Besondere Probleme bei der Erschließung von Drucken dieser Epoche ergeben sich vor allem aus den damaligen Usancen der Drucker, die vielfältig von den heutigen Standards abweichen. Häufig variiert z. B. die Gestaltung des Titelblatts innerhalb derselben Auflage, oder es kommt darin zu Satzvarianten. Oft gestaltet sich die saubere Trennung verschiedener Auflagen schwierig, ebenso die sichere und eindeutige Zusammenführung identischer Exemplare. Auch kann die Beigabe von Widmungsblättern und ähnlichen Kurztexten innerhalb derselben Auflage variieren.

Zeilenbrechung als "Fingerabdruck"

Um hier zu sicheren Ergebnissen zu kommen, muss jedes Exemplar detailliert beschrieben werden: Bei der Katalogisierung wird die Methode des "fingerprints" angewendet. Dabei geht man davon aus, dass im Zeitalter des Handsatzes bei mehrfachem Setzen selbst des gleichen Textes Abweichungen in der Seiten- und Zeilenbrechung auftreten, somit also unterschiedliche Zeilenenden produziert werden - im Allgemeinen sogar dann, wenn ein unveränderter Nachdruck beabsichtigt ist. Verschiedene Ausgaben eines Werks unterscheiden sich also in ihrer Zeilenbrechung. Zur Identifikation alter Drucke ist daher der Vergleich des Zeilenumbruchs an ausgewählten Stellen erforderlich: Vier definierten Seiten werden in jeweils zwei definierten Zeilen je zwei Zeichen entnommen. Ein solcher "Fingerabdruck" besteht damit aus einer Folge von 16 Zeichen, die - in Verbindung mit dem Erscheinungsdatum - geeignet ist, Druckausgaben unverwechselbar zu identifizieren.

Frei zugängliche GBV-Datenbank

Die Tiefenerschließung ist also ungleich aufwändiger als in den üblichen Katalogen, um den Besonderheiten der Materie gerecht zu werden. So sind z. B. sämtliche Beiträger zu einem Werk detailliert verzeichnet und nach Möglichkeit auch identifiziert bis hin zum Widmungsempfänger. Die geschilderten Besonderheiten führen freilich nicht nur zu einem erheblichen Mehraufwand bei der Katalogisierung, sie bedingen auch die Verzeichnung in einer speziellen, auf die besonderen Bedürfnisse zugeschnittenen Datenbank, die vom Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) gehostet wird und für Recherchen online frei zugänglich ist (http://www.vd17.de/).

Renommierte Projektpartner

Kooperationspartner der Universitätsbibliothek Augsburg im VD 17 sind:
o Staatsbibliothek zu Berlin
o Landesbibliothek Coburg
o Sächsische Landesbibliothek/Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
o Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen

o Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha
o Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt Halle
o Bayerische Staatsbibliothek München
o Stadtbibliothek Nürnberg
o Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar
o Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel
o Ratsschulbibliothek Zwickau
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Pressekontakt:

Dr. Günter Hägele
Universitätsbibliothek Augsburg
Leiter Abt. II: Handschriften, Alte Drucke, Sondersammlungen
telefon 0821/598-5350
guenter.haegele@bibliothek.uni-augsburg.de

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