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Darmkrebs: Präzisere Prognose mit Immunzellen?

27.03.2009 - (idw) Universitätsklinikum Heidelberg

Anzahl der T-Zellen beeinflusst Erfolg der Chemotherapie bei Darmkrebspatienten mit Lebermetastasen / Forscher des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg publizieren erste Ergebnisse in "Cancer Immunity" Darmkrebs-Patienten, bei denen der Tumor bereits Lebermetastasen gebildet hat, profitieren eher von einer Chemotherapie, wenn im Krebsgewebe eine erhöhte Anzahl von bestimmten Immunzellen vorhanden ist. Diesen Zusammenhang haben Wissenschaftler des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Heidelberg (NCT) im Rahmen einer ersten Analyse bei einer kleinen Anzahl von Patienten beobachtet. Die Ergebnisse geben Hinweise darauf, dass das körpereigene Abwehrsystem sowohl die Entwicklung des Tumors als auch den Erfolg einer chemotherapeutischen Behandlung beeinflusst.

Die Arbeit könnte dazu beitragen, Krankheitsverlauf und Behandlungserfolg bei Darmkrebs-Patienten zukünftig besser vorherzusagen sowie für den Patienten die optimale Therapieform zu wählen. Die Ergebnisse des Teams um Professor Dr. Dirk Jäger, Leiter des Bereichs Medizinische Onkologie im NCT Heidelberg, in Kooperation mit dem Institut für Pathologie am Universitätsklinikum und dem High-Tech-Imaging-Center TIGA der Universität Heidelberg sind jetzt in der amerikanischen Fachzeitschrift "Cancer Immunity" erschienen.

Eine der häufigsten Krebserkrankungen

Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen in den westlichen Ländern. Jährlich erkranken in Deutschland rund 73.000 Menschen an Darmkrebs und ca. 27.000 Menschen sterben daran. Neben den Lebens- und Ernährungsgewohnheiten tragen insbesondere genetische Faktoren zur Entstehung dieser Krebsart bei.

Wird Darmkrebs früh erkannt, kann er mit einer Chance von 90 bis 100 Prozent geheilt werden. Ergänzend zur Operation wird oftmals eine Chemotherapie oder Strahlentherapie durchgeführt. "Hat der Krebs bereits Metastasen entwickelt, z.B. in der Leber, sinken die Heilungschancen dramatisch auf meist weniger als 20 Prozent", sagt Professor Dr. Dirk Jäger. Viele Patienten leiden außerdem unter den starken Nebenwirkungen einer Chemotherapie. "Deshalb ist es wichtig, diejenigen Patienten zu identifizieren, die von einer solchen Therapie nicht profitieren würden und damit unnötige Behandlungen zu vermeiden. Biologische Marker, wie z.B. die Anzahl und Art bestimmter Immunzellen im Krebsgewebe, könnten uns hierbei helfen", erklärt der Onkologe.

Wie beeinflussen Abwehrzellen die Tumorentwicklung?

Die Heidelberger Wissenschaftler untersuchten Gewebeproben von 22 Patienten, bei denen der Darmkrebs bereits Metastasen in der Leber gebildet hat, nach so genannten T-Zellen. Diese Immunzellen werden vom Körper u.a. als Abwehrzellen gegen den Tumor gebildet. "Je mehr solcher Zellen im Darmtumor waren, desto erfolgreicher verlief die Chemotherapie", fasst Professor Dirk Jäger die Ergebnisse zusammen. "Die Metastasen bildeten sich deutlich zurück und der Therapieerfolg der Chemotherapie hielt länger an." Wie genau das Immunsystem den Tumor beeinflusst, ist noch nicht bekannt. Studien haben jedoch gezeigt, dass sportliche Aktivität, gesunde Ernährung und auch psychologische Unterstützung den Krebs-Patienten stärken und sich auch positiv auf das Immunsystem auswirken können.

Im Rahmen weiterer Studien, die eine größere Anzahl von Patienten einschließen, möchten die Krebsexperten jetzt genauer untersuchen, ob sich mit Hilfe der Quantifizierung von T-Zellen im Tumor eine präzisere Prognose stellen lässt und wie diese Immunzellen den Erfolg einer Chemotherapie und die Tumorentwicklung beeinflussen.

Literatur:
The localization and density of immune cells in primary tumors of human metastatic colorectal cancer shows an association with response to chemotherapy. Niels Halama, Sara Michel, Matthias Kloor, Inka Zoernig, Thora Pommerencke, Magnus von Knebel Doeberitz, Peter Schirmacher, Jürgen Weitz, Niels Grabe and Dirk Jäger. Cancer Immunity, Vol. 9, p. 1 (19 February 2009)

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Dirk Jäger,
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg (NCT)
Medizinische Onkologie
Tel.: 06221 / 56 72 29
E-Mail: Dirk.Jaeger(at)med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)

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Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
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