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Neues Entree der Universität lädt ein zum Verweilen mit Kunst

21.05.2003 - (idw) Universität Dortmund

Die Universität Dortmund präsentiert sich ihren Besuchern mit einer neuen Eingangshalle. Das Glashaus an der Baroper Straße in Dortmund-Eichlinghofen führt in den Campus Nord und geradewegs zum Rektorat und zum Hörsaalgebäude I. Es lädt aber auch zum Verweilen ein. Mit der heutigen Eröffnung beginnt in der Galerie eine erste Ausstellung: Studierende der Bildenden Kunst haben "Tier-Park-Räume" erschlossen und aufgezeichnet.

Universitätsrektor Prof. Dr. Eberhard Becker freut sich, bei der heutigen (20.05.03) Eröffnung der neuen Eingangshalle zum Campus Süd, den Direktor des Dortmunder Zoos, Dr. Frank Brandstätter, sowie Prof. Bettina van Haaren vom Institut für Kunst und ihre Didaktik zu begrüßen, die das Ausstellungsprojekt mit den Studierenden realisiert haben.

Die Zeichnungen sind im Sommer 2002 im Rahmen einer Lehrveranstaltung von Bettina van Haaren entstanden. 19 Studentinnen und Studenten des Faches Kunst arbeiteten ein halbes Jahr lang direkt im Dortmunder Zoo. Die Zeichnungen sind auch in einem 60-seitigen Katalog zu sehen, kommentiert mit Beiträgen der Professorin und des Zoo-Direktors. Die Ausstellung der Originale ist ab heute bis zum 30. Mai täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Glashaus erschließt den Campus Süd

Der Rektor dankte bei der Eröffnung der Eingangshalle insbesondere Prof. Gunter R. Standke, der die Initiative für den neuen Zugang zur Universität ergriffen und die Ausführung in einem Projekt seines Lehrstuhls "Entwerfen und Bauko9nstruktion" vorangetrieben hatte.

Die Halle und ein großformatiges Eingangsschild erschließen nun von der Baroper Straße aus deutlicher als bisher den Haupteingang der Hochschule. Während die Mehrzahl der Universitätsbesucher den Campus Nord mit seinen großen Fachbereichs und Fakultätsbauten sowie dem zentralen Platz mit Bibliothek und Mensa als die Mitte der Universität wahrnehmen, wirkte der kleinere und ältere Campus Süd mit der Zentralverwaltung und den Fachbereichen Bauwesen und Raumplanung bislang eher unscheinbar. In der Aufbauphase wurde zunächst an die Gebäude für Forschung und Lehre gedacht. Die Hochschulspitze und ihre Verwaltung, anfangs im Zentrum der 1968 eröffneten Universität untergebracht, rückten mit dem Ausbau der Universität an den Rand. Dort, jenseits des Rahmkebachtals, ist der Zugang zur Hochschulleitung und den Fachbereichen des Campus Süd nun auch für auswärtige Gäste deutlicher erkennbar. Gleichzeitig lädt das neue Entree zum Verweilen und zur Kunstbetrachtung ein.

(Hinweis: Die erwähnten Personen sind um 17:00 Uhr für einen Fototermin anwesend.)

Gedanken zur Kunst im Zoo

Zur Ausstellung "Tier-Park-Räume" führt Bettina van Haaren aus:

Studierende der Bildenden Kunst im Zoo: Wie begründet sich das Interesse an diesem Ort, wenn anatomische Studien von einzelnen Tieren gerade nicht das Ziel waren. Der Tierpark war viel eher Anlass zum Zeichnen. Das dort Sichtbare - Tier-Park-Räume - wurde unterschiedlich direkt umgesetzt oder spielerisch verändert. Über das Machen entstanden Bildideen. Die Tiere in ihren Raumzusammenhängen führten zu komplexen Bildkompositionen oder reizvollen Bilderzählungen. Subjektive Anmutungen und der Ausdruckswille der dort Zeichnenden bestimmten die künstlerischen Lösungen.

Es ging also vorrangig um das Zeichnen: das Führen eines Stiftes, die Organisation der Blattfläche, die Raumordnung und in Allem die Intensität, die Notwendigkeit. Dies gelang ganz individuell und unterschiedlich. Zwischen netzartiger Struktur, kraftvoller Gestik, linearer Leichtigkeit, Kargheit und Konzeptionellem bewegen sich die Positionen der hier dokumentierten 19 Zeichnerinnen und Zeichner. In fast allen Arbeiten ist das Streben festzustellen, Striche, Linien möglichst mutig und direkt zu setzen, also ohne Absicherung der Eigenbewegung des Stiftes zu beobachten. Darin steckt immer die Möglichkeit der Überraschung, die dann Motor für die Weiterarbeit wird.

Daneben stand das Bemühen um Komposition und Rhythmik. Das Interesse galt der Pointierung und dem Austarieren von Spannungsfeldern zwischen den Zeichengegenständen. Die Papierränder wurden oft mit einbezogen und bewusst Leerflächen gelassen, also Leerraum aktiviert. Raum entwickelte sich vielfach durch Überzeichnen: eine weitere zeichnerische Ebene, manchmal mit stärkerer Dicke der Linien, ergibt Schichtung. Der klassisch durchkonstruierte Tiefenraum mit atmosphärischem Licht- und Schattenspiel reizte selten.

Wenn zeichnerische Problemstellungen vorrangig waren, dann bleibt die Frage nach dem Ort. Warum wurde der Zoo ein halbes Jahr lang zeichnerisch untersucht? Er ist Wirklichkeitsausschnitt und so kann dem Zeichnenden hier exemplarisch im Prozess der Formfindung Erkenntnis erwachsen. Er muss sein Interesse sichtbar machen und mit Intensität vortragen. Entgegen ursprünglichen Erwartungen waren es doch vor allem die Tiere, die faszinierten. Nicht in klassischen Posen, die aus Fotobänden bekannt sind, sondern eher ungewohnt im Ausschnitt, von hinten, ohne Blickkontakt, im Gehegezusammenhang. Zu den Tieren bestand (ironische) Distanz. Die Bildobjekte gaben nicht den Eindruck von Freiheit in der Wildnis vor. Fast alle Zeichner beobachteten unmittelbar vor Ort und konnten so direkt auf neue Konstellationen reagieren. Die Arbeit nach Fotos hätte wohl eher Klischees reproduziert.

Viele gewonnenen künstlerischen Einsichten sind sprachlich nicht zu vermitteln. Die wissenschaftliche, zoologische Sicht auf die Zeichnungen ist ausgesprochen bereichernd, erklärt auch verschiedene Inhalte, berührt den Wert der Zeichnungen aber kaum. Hier handelt es sich ja nicht um Illustrationen von Wissenschaften. Da bleiben Geheimnisse von widergespiegelter Körperlichkeit, von Energie und Skepsis, von Spielfreude und auch Einbettung in einen künstlerischen Kontext. Alles Umstände, die es dem ungeübten Betrachter von Zeichnungen sehr schwer machen!

Es ist mir ein Bedürfnis zu danken: Dr. Frank Brandstätter, dem Direktor des Dortmunder Zoos, der das Projekt von Anfang an förderte und uns den Eintrittspreis erließ. Der Dortmunder Volksbank, die durch ihre finanzielle Unterstützung den vorliegenden Katalog erst ermöglichte. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Professionalisierung der Kunststudentinnen und -Studenten. Der Gesellschaft der Freunde der Universität Dortmund, die ebenfalls zur Realisierung der Ausstellung und des Katalogs beigetragen hat.

Fotodatei kann angefordert werden:

03-147 - Zeichnung Stefanie Kath - Ameisenbär
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Ansprechpartner:
Prof. Bettina van Haaren,
Ruf 0231-7552977, Mail vanhaare@pop.uni-dortmund.de
Prof. Gunter R. Standke,
Ruf 0231-7552512, Mail weber@popserver.uni-dortmund.de
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