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Die schwarze Liste des Vatikans

01.04.2009 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Münsterscher Kirchenhistoriker bei ZDF-Dokumentation zur Indexkongregation Langsam fährt der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Hubert Wolf von der WWU Münster den handgeschriebenen Katalog entlang. Doch von Karl Marx fehlt jede Spur. Der Autor des "Kommunistischen Manifestes" musste sich niemals der Prüfung der Indexkongregation im Vatikan unterziehen. Anders dagegen Heinrich Heine: Seine Schriften galten als besonders gefährlich, weil sein literarisches Genie sie so überzeugend machte. Die ZDF-Dokumentation "Index - Die schwarze Liste des Vatikan", deren erster Teil am 7. April um 22.45 Uhr und deren zweiter Teil am 8. April um 22.15 Uhr ausgestrahlt wird, beleuchtet, wie und warum vom Vatikan zensiert wurde.

Mit der Erfindung des Buchdrucks begann der Kampf um die Deutungshoheit über die Welt. Waren die Gläubigen zuvor darauf angewiesen gewesen, was ihnen von der Kanzel herab gepredigt wurde, konnten sie nun selbst die - relativ - billig zu druckenden Bücher lesen. Der Vatikan versuchte deshalb, das neue Wissen einzudämmen und in seinem Sinne zu beeinflussen und erfand die Liste der verbotenen Bücher, den Index. Erst nach dem zweiten Vatikanischen Konzil wurde diese Liste aufgegeben.

Doch die Archive blieben noch viele Jahre geschlossen. Erst der münstersche Krchenhistoriker Prof. Dr. Hubert Wolf durfte ab 1992, nioch vor der offiziellen Öffnung im Jahr 1998, in den Archiven der für die Buchzensur zuständigen Indexkongregation arbeiten. Dabei kam erstaunliches ans Licht: Intensiv untersucht wurde beispielsweise Harriet Beecher-Stowes "Onkel Toms Hütte", doch schließlich kamen die Zensoren zum Schluss. dass der Aufruf zur Aufhebung des Sklaverei im Sinne der christlichen Nächstenliebe sei. Unberührt blieb auch Kants "Kritik der reinen Vernunft", publiziert in der "Barbarensprache" Deutsch, die die Zensoren nicht interessierte.

In der ZDF-Dokumentation führt der Katholik Wolf den evangelischen Journalisten Wolf von Lojewski durch die Archive. Im Streitgespräch zwischen den beiden Männern entwickelt sich die Diskussion um die Rolle des Vatikan, dessen Handeln vor allem während der Zeit des Nationalsozialismus weiter rätselhaft bleibt. So wurden die Schriften von Hitler, Mussolinie, Stalin immer wieder genauestens untersucht. "Mein Kampf" wurde bis in jede Einzelheit analysiert, doch niemals verboten. "Die Verfahren wurden auf unbestimmte Zeit vertagt", so Wolf. "Manchmal macht es die Heilige Schrift dem Gläubigen wirklich schwer, sie zu verstehen", seufzt von Lojewski an dieser Stelle als Kommentar zum Römer-Brief, in dem es heißt, dass der Gläubige sich der weltlichen Macht unterzuordnen habe, da diese stets von Gott eingesetzt sei.

Der Film, der neben dem Gespräch zwischen Wolf und von Lojewski auch Spielszenen bietet, bleibt nicht in der Vergangenheit stehen, sondern stellt auch Fragen, die auf die heutige Welt zielen. Könnte Zensur nicht auch hilfreich bei der Bekämpfung von Kinderpornographie sein? Im Kampf gegen Rassismus oder Terror? Soll wirklich jedes Wissen, jede Idee weltweit verbreitet werden? Antworten gibt es darauf am 7. und 8. April nicht, aber spannende Einblicke in die Denk- und Arbeitsweise des Vatikan.
Weitere Informationen: http://egora.uni-muenster.de/fb2/mnkg/aktuelles.shtml Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte
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