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Gesundheitswirtschaft - eine einmalige Chance für das Ruhrgebiet

22.05.2003 - (idw) Institut Arbeit und Technik

IAT: Regionales Zusammenspiel ist erforderlich, um großes Beschäftigungspotenzial zu realisieren

Mindestens 70.000 neue Arbeitsplätze könnten im Ruhrgebiet in der Gesundheitswirtschaft laut einer Studie des Instituts Arbeit und Technik geschaffen werden. Wie der Präsident des Instituts, Prof. Dr. Franz Lehner, in einem Vortrag in Oberhausen eindringlich mahnte, wird das jedoch nur klappen, wenn die Kommunen im Ruhrgebiet zusammenarbeiten und nicht jede versucht, dieses interessante Beschäftigungsfeld für sich allein zu entwickeln. Da Gesundheitswirtschaft auch eine neue Modewelle der Wirtschaftsförderung ist, will fast jeder Wirtschaftsförderer im Ruhrgebiet in diesem Bereich etwas für seine Stadt tun. Die Gefahr ist, so Lehner, dass dabei die Kommunen wieder einmal versteckt oder offen gegeneinander arbeiten, weil sie glauben, nur dadurch ein genügend großes Stück von der Torte zu kriegen. Wenn die Städte jedoch jede für sich und gegen alle anderen arbeiten, wird jedoch die Torte klein bleiben.

Die im Rahmen der Regionalpolitik des Landes ausgewiesen Kompetenzfelder für Medizintechnik in Bochum und für Biomedizin werden nach Lehners Einschätzung nicht die gewünschten Beschäftigungseffekte in den jeweiligen Kommunen erzielen, wenn sie nicht durch einen guten Marktplatz ergänzt werden. Er erläuterte, dass neue Technologien oft die meisten Arbeitsplätze nicht dort entstehen lassen, wo die Technologie entwickelt wird, sondern dort, wo sie zuerst auf den Markt kommt. Dort kann sich ein sogenannter Leitmarkt entwickeln, auf welchem die neue Technologie getestet und auf die Kundenwünsche zugeschnitten wird und wo wertvolles Know-how für Produktion und Vermarktung entsteht. Das schafft oft mehr als das technologische Wissen selbst nachhaltige Wettbewerbsvorsprünge.

Von der großen Bedeutung von Leitmärkten kann gerade Deutschland eine traurige Geschichte erzählen. Deutsche Erfindungen, wie das Mobiltelefon, das Fax und manche medizinischen Geräte und Verfahren, wurden zwar in Deutschland erfunden und entwickelt, kamen aber in Japan und den U.S.A. zuerst auf den Markt und haben dort auch für viele neue Arbeitsplätze gesorgt. In Deutschland, wo die Technologien entwickelt wurden, blieben die Arbeitsplatz-Effekte dagegen bescheiden.

Dieses Schicksal droht auch der Medizintechnologie und der Biomedizin, die in Bochum und Dortmund mit viel öffentlichen Mitteln im Rahmen des Ziel-2-Programmes gefördert werden sollen. Beide Städte haben aus Lehners Sicht nicht die notwendigen Voraussetzung für die Entwicklung von Leitmärkten vor Ort und sie können auch das Ruhrgebiet nicht als Leitmarkt entwickeln. Möglich ist das nur in Essen und Oberhausen. Essen kann mit seinen hervorragenden Kliniken der Leitmarkt für klinische Geräte, Technologien und Verfahren sein, Oberhausen mit dem CentrO und dem Projekt O.Vision der Leitmarkt für Geräte, Verfahren und Dienstleistungen für Endverbraucher.

Ein Leitmarkt "Gesundheitswirtschaft" kann vor allem dann hochinteressant werden, wenn Zielgruppe nicht Patienten sind, also Menschen die krank sind und geheilt werden wollen, sondern Konsumenten, die gesund sind und gesund bleiben wollen. Das sind 80 % der Menschen. Insbesondere die jüngeren und besser verdienenden Menschen geben bereits viel und in der nächsten Zukunft noch mehr Geld für Gesundheit und Wohlbefinden aus. Prävention, Wellness und Anti-Ageing heißen die Stichworte in modischen Neudeutsch. Die Vermeidung und Früherkennung von Krankheiten, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit und das Hinauszögern des körperlichen und geistigen Alterungsprozesses bewegt immer mehr Menschen dazu, auch ohne Versicherungsleistungen eigenes Geld auszugeben. Die Zahl dieser Menschen wird, so zeigen internationale Erfahrungen, noch mehr zunehmen, wenn die Leistungen der öffentlichen Versicherungen weiter eingeschränkt werden.

Das CentrO in Oberhausen zieht viele dieser Menschen an und bietet deshalb eine gute Basis für die Entwicklung eines einmaligen Marktplatzes zum Thema Gesundheit und Wellness. Um diesen Marktplatz, von dem die Beschäftigung im ganzen Ruhrgebiet profitieren kann, weiter auszubauen, hat der Oberhausener Oberbürgermeister, Burkhard Drescher, das Projekt O.Vision initiiert, das er gegenwärtig zusammen mit dem Institut Arbeit und Technik, dem Zentrum in Nordrhein-Westfalen für Innovation und Technologie (ZENIT) und anderen Partnern vorantreibt. O.Vision soll ein Zukunftspark werden, der viele CentrO-Besucher und andere, die an Gesundheit und Wellness interessiert sind, anzieht. Ein Marktplatz soll da entstehen, der Investoren und Kunden von weither nach Oberhausen und in das Ruhrgebiet bringt. Ganz nebenher entsteht auch noch ein zusätzlicher touristischer Anziehungspunkt, der den Tourismus im Ruhrgebiet weiter ankurbelt.

Bei der Vorstellung dieses starken Leuchtturmprojektes für eine starke Gesundheitsregion Ruhr appellierte Lehner an die Kommunen im Ruhrgebiet, die verschiedenen Aktivitäten zum Thema Gesundheit zu bündeln, um "eine möglichst große Torte Gesundheitswirtschaft für das ganze Ruhrgebiet zu backen". Die Landesregierung forderte er auf, im Rahmen des Ziel-2-Programmes nicht nur die technologische Seite der Gesundheitswirtschaft im Ruhrgebiet zu fördern, sondern auch und mit mindestens gleicher Priorität die für die Beschäftigung ebenso wichtige Marktseite. Sonst wird eine Chance, die es für das Ruhrgebiet nur ein Mal gibt, vertan, hier über 70.000 zukunftsträchtige Arbeitsplätze zu schaffen.

Für weitere Fragen steht

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Prof. Dr. Franz Lehner
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Pressereferentin
Claudia Braczko
Munscheidstraße 14
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Tel.: +49-209/1707-176
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