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Lehren und Forschen an der Uni und bei Hans Knöll

17.04.2009 - (idw) Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut (HKI)

FSU-Professor für Pharmazeutische Biologie bezieht Labor am Hans-Knöll-Institut

Jena. Prof. Dirk Hoffmeister stärkt ab sofort die Pharmazie in Jena. Als neu an die Friedrich-Schiller-Universität Jena berufener Professor für Pharmazeutische Biologie wird er künftig die Ausbildung von Apothekerinnen und Apothekern mit prägen und gleichzeitig neue Impulse in der Forschung setzen. Das Labor wird zunächst am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut - angesiedelt sein, dessen wissenschaftliches Profil von Hoffmeisters Forschungsthemen erweitert und abgerundet wird. Pilze sind sein Lieblingsthema. Es geht ihm jedoch weniger um kulinarische Leckerbissen. Vielmehr treibt Dirk Hoffmeister die Frage um, wie Pilze bestimmte Inhaltstoffe, darunter auch die hochwirksamen Pilzgifte produzieren und vor allem, warum sie dies überhaupt tun. Es ist ja sehr unwahrscheinlich, dass sich Pilze durch ihre Gifte vor dem menschlichen Appetit schützen wollen. Meist sind es Insekten oder Schnecken, die den Fruchtkörpern zusetzen, kurz nachdem sie ihre Hüte aus dem Waldboden strecken. Und denen können die meisten Gifte gar nichts anhaben. So ergibt sich dann die Frage, welchen Vorteil ein Pilz eigentlich davon hat, mit großem Energieaufwand solche biologisch hochwirksamen Verbindungen zu synthetisieren. Um hier Licht ins Dunkel zu bekommen, wird Hoffmeister mit seinem Team untersuchen, wie diese Synthesen überhaupt vonstatten gehen und welche Gene und Enzyme daran beteiligt sind. Ein Nebeneffekt von höchst praktischem Nutzen wäre es, diese Enzyme in die Hand zu bekommen. Man könnte damit zielgerichtet Moleküle verändern und neue oder besser wirksame Substanzen erzeugen, die als Arzneistoffe verwendbar sind. Auf dem klassischen chemischen Weg sind solche Reaktionen oft extrem aufwendig oder gar nicht durchführbar.
Außerdem arbeitet Hoffmeister in einem Forscherkonsortium an der Entschlüsselung der kompletten genetischen Information zweier Pilze mit, die als Schädlinge auch in Thüringen von Bedeutung sind: Der Wurzelschwamm Heterobasidion annosum ruft in der Fichte die Rotfäule hervor und ist damit ein Forstschädling. Serpula lacrymans dagegen - der berüchtigte Hausschwamm - zerstört ausschließlich Holz in Gebäuden und kann deren Tragfähigkeit gefährden.
Der erst 36jährige Dirk Hoffmeister kann bereits auf eine beachtliche akademische Karriere zurückblicken. Er studierte an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen Biologie. Nach seiner Promotion ging er als Postdoc an das pharmazeutische Institut der University of Wisconsin in Madison, USA, und sammelte dort wertvolle Auslandserfahrungen. Es folgte eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent in Freiburg, die er mit der Habilitation auf dem Gebiet Pharmazeutische Biologie abschloss. Die USA lockten ihn schließlich erneut, so dass er vor zwei Jahren die Professur für Mykologie im phytopathologischen Institut der University of Minnesota in Saint Paul übernahm. Dann jedoch erreichte ihn ein Ruf aus Jena, dem er nicht zu widerstehen vermochte.
Nach intensiven, zielführenden Verhandlungen fiel die Entscheidung für die Saalestadt, die so einige Gemeinsamkeiten mit Hoffmeisters Herkunftsort am Neckar aufzuweisen hat. Die am Berufungsverfahren beteiligten Partner Universität, Hans-Knöll-Institut und Hoffmeister selbst sind gleichermaßen froh über das gefundene Konstrukt. Da an der Universität geeignete Laborkapazitäten erst durch Sanierung leerstehender Gebäude geschaffen werden müssen, sprang das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut - kurzerhand mit einem Angebot ein. Dessen Direktor Axel Brakhage: "Dirk Hoffmeister ist ein exzellenter Wissenschaftler, dessen Forschungsthemen unser Profil ideal ergänzen. Wir sind uns sicher, dass die gefundene Lösung die bestehende Kooperation mit dem Institut für Pharmazie weiter verstärken wird. Gemeinsam mit der Universität bauen wir damit die Mikrobiologie als Schwerpunkt in Jena zielstrebig aus." Die Universität konnte Hand in Hand mit dem Hans-Knöll-Institut ein attraktives Angebot vorlegen und Dirk Hoffmeister profitierte von der Kreativität und Flexibilität der Verhandlungspartner. Die berühmten kurzen Entscheidungswege in Jena führten damit zu einem Erfolg für den Wissenschaftsstandort im internationalen Ringen um die besten Köpfe.
Dirk Hoffmeister wird zunächst mit einem Team aus zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern und zwei technischen Angestellten starten. Sobald das Labor fertig eingerichtet ist, sollen weitere Doktorandenstellen ausgeschrieben werden. Auf Grund der wissenschaftlichen Ausrichtung wird Hoffmeister in die Exzellenz-Graduiertenschule Jena School for Microbial Communication aufgenommen und im Netzwerk mit anderen Jenaer Mikrobiologen der Frage nachgehen, wie Mikroorganismen untereinander, mit anderen Lebewesen und mit der unbelebten Umwelt in Kontakt stehen.
Die nunmehr besetzte Professorenstelle gehört zu dem von Prof. Thomas Winckler geleiteten Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie mit Stammsitz in der Semmelweisstraße. Dirk Hoffmeister tritt die Nachfolge von Hochschuldozent Dr. Bernd Liebermann an, der sich seit Neugründung des Instituts für Pharmazie im Jahre 1992 unermüdlich beim Aufbau des Instituts und in der studentischen Ausbildung engagiert hatte und im Vorjahr in den Ruhestand ging. Dirk Hoffmeister wird im Studiengang Pharmazie die Fachgebiete Botanik, Mikrobiologie und Allgemeine Biologie lehren.

Informationen zum HKI http://www.hki-jena.de
Das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut - wurde 1992 gegründet und gehört seit 2003 zur Leibniz-Gemeinschaft. Die Wissenschaftler des HKI befassen sich mit der Infektionsbiologie human-pathogener Pilze. Sie untersuchen die molekularen Mechanismen der Krankheitsauslösung und die Wechselwirkung mit dem menschlichen Immunsystem. Neue Naturstoffe aus Mikroorganismen werden auf ihre Wirksamkeit gegen Pilzerkrankungen untersucht und zielgerichtet modifiziert.
Das HKI verfügt derzeit über fünf wissenschaftliche Abteilungen, deren Leiter gleichzeitig berufene Professoren der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) sind. Hinzu kommen fünf Nachwuchsgruppen und fünf Querschnittseinrichtungen mit einer integrativen Funktion für das Institut, darunter das anwendungsorientierte Biotechnikum als Schnittstelle zur Industrie. Zur Zeit arbeiten etwa 280 Menschen am HKI, darunter 93 Doktoranden.

Informationen zur Leibniz-Gemeinschaft http://www.leibniz-gemeinschaft.de
Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesamtgesellschaftlich relevante Fragestellungen strategisch und themenorientiert. Dabei bedienen sie sich verschiedener Forschungstypen wie Grundlagen-, Groß- und anwendungsorientierter Forschung. Sie legen neben der Forschung großen Wert auf wissenschaftliche Dienstleistungen sowie Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Sie pflegen intensive Kooperationen mit Hochschulen, Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Das externe Begutachtungsverfahren der Leibniz-Gemeinschaft setzt Maßstäbe. Jedes Leibniz-Institut hat eine Aufgabe von gesamtstaatlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 14.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 6.500 Wissenschaftler, davon wiederum 2.500 Nachwuchswissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,1 Mrd. Euro, die Drittmittel betragen etwa 230 Mio. Euro pro Jahr.

Weitere Informationen: http://www.hki-jena.de http://www.uni-jena.de/Prof__Dr__Dirk_Hoffmeister.html
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