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Krebsforschungszentrum spricht sich gegen Schließung des Krebsregisters Baden-Württemberg aus

22.05.2003 - (idw) Deutsches Krebsforschungszentrum

Seit 1994 dokumentiert das epidemiologische Krebsregister Baden-Württemberg neu auftretende Krebserkrankungen. Diese für die Krebsforschung unersetzliche Datenquelle wird nach den Plänen der Landesregierung Baden-Württemberg möglicherweise bald versiegen.

"Ein schwerer Schlag für die Krebsursachenforschung" sagt Privatdozent Dr. Nikolaus Becker, Epidemiologe im Deutschen Krebsforschungszentrum und Herausgeber des Deutschen Krebsatlas. "Außerdem sind wir besonders für die Qualitätssicherung von Früherkennungsprogrammen wie der geplanten bundesweiten Einführung der Mammographie auf die Daten des Krebsregisters angewiesen", betont der Wissenschaftler.
Während das Statistische Landesamt regelmäßig über die amtliche Todesursachenstatistik Daten zur Krebssterblichkeit aufbereitet, liegen bislang Zahlen zu Krebsneuerkrankungen nicht vor. Diese Lücke zu schließen, ist eine wesentliche Aufgabe des Krebsregisters Baden-Württemberg.
Voraussetzung für eine sinnvolle Nutzung der Daten des Krebsregisters durch die Forschung ist allerdings, dass Krebsneuerkrankungen möglichst vollzählig erfasst werden. Genau darin liegt aber nach Meinung der Kritiker der Schwachpunkt des baden-württembergischen Registers. Der angestrebte Erfassungsgrad von 90 Prozent werde nicht erreicht. Als wichtigen Grund für die schlechten Meldewerte nennt Nikolaus Becker, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Krebsregisters, das problematische Meldeverfahren: Ärzte und Kliniken sind nicht, wie etwa in skandinavischen Ländern und mehreren anderen deutschen Bundesländern, zur Meldung neu auftretender Krebsfälle verpflichtet.
Deshalb hat der wissenschaftliche Beirat des Krebsregisters dem Sozialministerium vorgeschlagen, für Krebserkrankungen eine Meldepflicht einzuführen und die Erfassungsquote nach einigen Jahren erneut zu prüfen. Die Experten hoffen, dass dadurch das angestrebte Ziel erreicht werden kann.
Das Deutsche Krebsforschungszentrum tritt nachdrücklich für den Erhalt des Krebsregisters ein und hat der Landesregierung dafür seine Unterstützung angeboten. "Es wäre bedauerlich, wenn die Landesregierung sich nicht den Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirats anschließen würde, ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wo die flächendeckende Einführung des Mammographie-Screenings eine präzise Erfassung der Krebsneuerkrankungen erforderlich macht", so Nikolaus Becker.

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