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Neuerscheinung im SFB 600: Ausschluss durch Konsens?

20.04.2009 - (idw) Universität Trier

Ergebnisse zu der Frage: Wie gut sind Fremde und Arme durch die Politik vertreten? Arme und Migranten gelten als Hauptbetroffene von Exklusionsprozessen. Politikwissenschaftler des Sonderforschungsbereichs 600 (SFB) an der Universität Trier gehen der Frage nach, ob der drohende gesellschaftliche Ausschluss mit politischen Repräsentationsproblemen einhergeht oder darauf sogar zurückzuführen ist.

Im "Superwahljahr 2009" ist diese Problematik von besonderer Bedeutung: Die Aufsplitterung des deutschen Parteiensystems, die vielbeschworene Krise der Volksparteien und der besonders auf Landes- und kommunaler Ebene zu verzeichnende Rückgang der Wahlbeteiligung werden nicht zuletzt auf die zunehmende Entfremdung marginalisierter Bevölkerungsschichten von der demokratischen Politik zurückgeführt.

Jetzt ist eine aktuelle Publikation zur Frage der politischen Interessenvertretung von Fremden und Armen im Nomos-Verlag Baden-Baden erschienen. Markus Linden und Winfried Thaa liefern als Herausgeber in dem Band "Die politische Repräsentation von Fremden und Armen" erstmals eine umfassende Bestandsaufnahme des Forschungsstands. So werden der Wandel von Repräsentationsbeziehungen, neuere theoretische Sichtweisen politischer Repräsentation, die advokatorische Repräsentation von Interessen im Sozialbereich und in Stadtverwaltungen sowie die formellen und informellen Einflussmöglichkeiten Fremder und Armer analysiert.
Neben Gastbeiträgen renommierter Autoren werden in dem Buch originäre Ergebnisse des Trierer SFB-Projekts präsentiert. Die Forschungen belegen unter anderem, dass die Auslagerung politischer Entscheidungsfindung in rational beratschlagende Expertengremien für die Träger sogenannter schwacher Interessen mit Nachteilen verknüpft ist. Demgegenüber findet in der oftmals diskreditierten parlamentarisch-parteipolitischen Auseinandersetzung eine umfassendere Interessenrepräsentation statt. Gerade der offene Konflikt zwischen unterschiedlichen politischen Lagern erscheint demnach als Garant für die vielgeforderte Einbindung benachteiligter Gruppen. Daraus folgt im Umkehrschluss, dass die seit längerem beobachtbare Konsensualisierung des politischen Systems als ein zentrales Krisensymptom anzusehen ist.
In der Veröffentlichung wird deutlich, welch weitreichende Folgen die sich abzeichnenden Veränderungen politischer Repräsentation nach sich ziehen könnten. Die unter Stichworten wie Konsensualisierung, Informalisierung, Vermarktlichung, sinkende Milieubindung, Partizipationsdefizit und Output-Orientierung diskutierten generellen Trends stellen besonders für die Repräsentation von Migranten und sozial Schwachen eine Herausforderung dar.

Neuerscheinung im SFB 600
Markus Linden/Winfried Thaa (Hg.), Die politische Repräsentation von Fremden und Armen, Baden-Baden, Nomos-Verlag, 2009, 261 Seiten.

Weitere Informationen :
Dr. Markus Linden
Universität Trier/SFB 600
DM 258, 54286 Trier
Tel.: 0651/201-2109
E-Mail:lindenm@uni-trier.de

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