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Wissenschaft angewandt: Erneuerbare Energien im Exzellenzcluster an der Universität Trier

24.04.2009 - (idw) Universität Trier

Zum "Tag der erneuerbaren Energien" am 25. April 2009

Klimawandel und erneuerbare Energien gehören zu den interdisziplinären Themen an der Universität Trier, die eine über lange Geschichte haben. Wie erneuerbare Energien zum Thema wurden
Was hat die Soziologie mit Energie zu tun? Diese bundesweit und international eher ungewöhnliche Verknüpfung hat an der Universität Trier eine mehr als zehnjährige Geschichte. Schon um die Mitte der 1990er Jahre setzte der damalige Universitätspräsident, Prof. Dr. Rainer Hettich, einen "Arbeitskreis Ökologie" ein. Aufgabe war es, Alternativen für die erneuerungsbedürftige Heizzentrale der Universität vorzuschlagen. Das damals vorgelegte Konzept, ein Blockheizkraftwerk zu bauen und mit einem Nahwärmenetz nicht nur die Uni, sondern auch das naheliegende Wohngebiet zu versorgen, wurde zwar viel gelobt, aber nie realisiert. Die Arbeitsgruppe wurde nach Hettichs Tod nicht weiter geführt. Ihr Leiter, der Soziologe Prof. Dr. Bernd Hamm, erhielt kurz darauf den Auftrag der Regionalen Planungsgemeinschaft Trier, ein "Regionales Energiekonzept als Beitrag für eine Nachhaltige Entwicklung" zu erarbeiten. Im August 2001 wurde das Ergebnis veröffentlicht und seither in der Region vielfach diskutiert. Dort enthalten war unter anderem der Vorschlag, eine Regionale Energieagentur zu gründen - eine Empfehlung, die jetzt gerade praktisch umgesetzt wird.

Zum Thema
Seit der Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 hat die Politik nur sehr zögerlich begriffen, dass die Menschheit mit der globalen Erwärmung auf dem Weg in ein gigantisches Problem ist, das - wenn wir es nicht entschlossen angreifen - gewaltige Opfer fordern wird. Inzwischen kann es keinen Zweifel mehr daran geben, dass dafür in erster Linie die Nutzung fossiler Primärenergien - Öl, Kohle, Erdgas - verantwortlich ist, und damit vorab der Konsum der wohlhabenden Länder. Alternativen stehen mit den erneuerbaren Energien aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse in ausreichendem Umfang zur Verfügung. Würde auch nur ein Bruchteil der Mittel, die in die fossilen und nuklearen Energien fließen, zur Energieeinsparung, zur Verbesserung der Effizienz und zum Einsatz erneuerbarer Energien genutzt, dann würden wir nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sondern uns auch unabhängiger vom Import aus Krisenregionen machen und zudem Wertschöpfung und Beschäftigung in den Regionen halten.

Forschung und Praxis eines zentralen Themas
An dieser Stelle setzte ein Forschungsprojekt an, das an der Universität Trier im Rahmen des Exzellenzclusters "Gesellschaftliche Abhängigkeiten und soziale Netzwerke" zum Thema "Strategien zur Stabilisierung peripherer Regionen" von Sabine Kratz und Bernd Hamm durchgeführt wurde. Mit Methoden der teilnehmenden Beobachtung und der Handlungsforschung sind sie dem Phänomen nachgegangen, wie kleine zivilgesellschaftliche Netzwerke sich für erneuerbare Energien und gegen die Interessen mächtiger Energiekonzerne einsetzen. Mit zahlreichen Gruppen wurden Interviews durchgeführt, eine Datenbank mit den wichtigsten Profil- und Kontaktdaten wurde aufgebaut. Dem Thema "Energie der Zukunft - Bausteine einer nachhaltigen Energieversorgung" waren eine Vorlesungsreihe und ein Buch gewidmet. Am wichtigsten sollte jedoch die Beteiligung an der Initiative "100 % Erneuerbare Energie Region Trier" werden. Sie wurde an der Mitgliederversammlung des Lokale Agenda 21 e.V. im November 2007 zur Energieagentur des Vereins umgewandelt. Diese Initiative verstand sich in erster Linie als Motor, um die Gründung einer Regionalen Energieagentur voranzutreiben. Ihr spezifischer Beitrag dazu liegt in den Bereichen der Bürgerbeteiligung, in der Schul- und Erwachsenenbildung, der Vermittlung zwischen Bürgern, Sozial- und Umweltverbänden und kommunalen Körperschaften. Mit diesen Themen will sich die Lokale Agenda 21 auch in der Regionalen Energieagentur engagieren. Das Forschungsprojekt ist abgeschlossen. Ein umfangreicher Forschungsbericht dokumentiert, auf welche Weise, mit welcher Motivation und gegen welche Hindernisse sich Bürger dafür engagieren, um das nachvollziehbar Vernünftige auch praktisch durchzusetzen. Die Regionale Energieagentur wird dafür ein wichtiges Instrument sein - aber es braucht die Lokale Agenda 21, den Solarverein, Greenpeace, es braucht die Aufmerksamkeit und das Engagement der Zivilgesellschaft, um solche Erfolge zu sichern und zu verstetigen.


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