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Auch Männer leiden unter Borderline-Syndrom. Einmalig in BRD: Uniklinikum eröffnet eigene Station

23.05.2003 - (idw) Freie Universität Berlin

Bislang galt das Borderline-Syndrom als eine typisch weibliche psychische Erkrankung, die sich vor allem in chronischer Suizidalität und selbstschädigendem Verhalten bis zur Selbstverletzung zeigt. Männliche Borderline-Patienten waren eine vernachlässigte Patientengruppe. An der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Benjamin Franklin (UKBF) wird deutschlandweit nun erstmals eine eigene Gruppe für männliche Patienten gegründet, die nach dem Dialektisch-Behavioralen Therapieansatz arbeitet.

"Männer mit einer Borderline-Störung zeigen weniger autoaggressives Verhalten", erzählt Oberarzt Dr. Claas-Hinrich Lammers und fügt hinzu, dass Männer häufiger zu Gewalt gegen andere sowie zu dissozialen Zügen neigen. Bevor männliche Patienten psychiatrisch behandelt werden, sind sie häufig schon mit dem Gesetz in Konflikt gekommen oder befanden sich sogar im Gefängnis. Die für Bordeline-Störungen typischen Spannungszustände bauen Männer häufig durch die Einnahme von illegalen Drogen und Alkohol ab, weshalb bislang häufig in der klinischen Behandlung dieser Patienten die Suchtproblematik im Vordergrund stand. Viele therapeutische Einrichtungen haben sich bislang gescheut, ein eigenes Programm für männliche Borderline-Patienten anzubieten, da die gesteigerte Fremdaggressivität, die Drogenproblematik und das dissoziale Verhalten an Ärzte und Pflegepersonal besondere Anforderungen stellt.

"Bei der Therapie und der Erkennung von Borderline-Störungen bei Männern besteht ein riesen Nachholbedarf", sagt Lammers und ergänzt, dass diese lange Zeit als schwer therapierbare Krankheit aufgrund des deutlichen Rückgangs der Impulsivität gute Prognosen habe. Borderline-Patientinnen wurden in ihrer Kindheit und Jugend zu einem großen Teil sexuell missbraucht. "Dabei wurde aus einem gesellschaftlichen Tabu heraus übersehen, dass oft auch Jungen Opfer von physischer und psychischer Gewalt werden", erklärt er.

Wie bei Frauen sind auch bei Männern die Ursachen für das Borderline-Syndrom vielfältig und setzen sich aus dem Zusammenwirken sozialer Faktoren - wie frühe Traumatisierung und Vernachlässigung sowie neurophysiologischen Faktoren - zusammen. Da die Psychiater am UKBF gute Erfahrungen mit dem Dialektisch-Behavioralen Therapieansatz gemacht haben, wird dieser Ansatz auch bei männlichen Patienten angewendet werden.

"Letztlich geht es in der Therapie darum, die emotionale Belastbarkeit zu erhöhen und den Patienten im Vorfeld von Spannungszuständen andere Lösungen anzubieten, als beispielsweise seine Frau zu verprügeln", so Lammers. Bei den Borderline-Patienten wird der bisherige Therapieansatz durch eine spezifische Suchtprävention und durch eine Therapie der Aggression ergänzt. "Außerdem legen wir einen stärkeren Aspekt auf dissoziale Tendenzen wie mangelndes Einfühlungsvermögen, rücksichtsloses Verhalten und egozentrierte soziale Kontakte", sagt Lammers.

In der zwölf-wöchigen stationären Therapiephase steht die Reduzierung von suizidaler und therapiegefährdender Tendenzen im Mittelpunkt. Das typische Wochenprogramm auf der Station umfasst Gruppentherapie, Einzelsitzungen, Co-Therapeutengespräche, Gesundheitsgruppen, Patientengruppen, Körpertherapie, Ausflüge etc. Ziel ist es, den Patienten durch eine zunehmend bessere Selbstwahrnehmung in die Lage zu versetzen, Selbstmordgedanken und Fremdverletzungen durch andere, weniger schädigende Verhaltensweisen zu ersetzen.

Interessierte Patienten können sich zu einem Vorgespräch in der Poliklinik (Tel.: 030 / 8445-8665) anmelden. In dem Vorgespräch wird die derzeitige Behandlung, der bisherige Krankheitsverlauf und eventuelle Abhängigkeiten besprochen. Bei Eignung und Interesse am DBT-Programm kommt der Patient auf eine Warteliste für eine zehn bis 14-tägige stationäre Vorbereitungsphase.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gerne:

Dr. Claas-Hinrich Lammers, Psychiatrische Klinik und Poliklinik der Freien Universität Berlin, Eschenallee 3, 14050 Berlin, Tel.: 030 / 8445-8796, E-Mail: Claas-Hinrich.Lammers@medizin.fu-berlin.de
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