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Horrornachrichten über Schmerzmittel mit Vorsicht zu genießen

05.05.2009 - (idw) Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)

DGSS-Experte kommentiert Studien zu Alzheimer- und Infarktrisiko

Die Horrormeldungen über Nebenwirkungen von Schmerzmitteln reißen nicht ab: Wurde den Zyklooxygenasehemmern wie Celecoxib und Refecoxib kürzlich noch eine Steigerung des Herzinfarktrisikos bescheinigt, sollen sie jetzt für einen früheren Ausbruch der Alzheimer'schen Krankheit sorgen. "Hier ist Deeskalation angesagt", sagt dazu Prof. Dr. Kay Brune (Universität Erlangen-Nürnberg) von der Kommission für Forschungsfragen der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS). Die Arbeit zum Infarktrisiko sei "wissenschaftlicher Unfug, da die Autoren unterschiedliche Gruppen ganz unterschiedlichen Alters miteinander vergleichen und dadurch zu vollkommen falschen Schlüssen kamen." Auch die neuen Meldungen zum Alzheimerrisiko sollten, wenn auch seriöser, kein Anlass zur Sorge für Patienten und Therapeuten sein.

Komplette Kommentare im Internet: http://www.dgss.org/index.php?id=98&tx_ttnews[tt_news]=91&cHash=4a416eca...

Gute Schmerztherapie ist ohne Angst vor Alzheimer möglich

"Eine erhöhte Inzidenz der Alzheimer'schen Krankheit im späten Leben trat nur bei denjenigen auf, die in den zehn Jahren vorher sehr intensiv Zyklooxygenasehemmer genommen hatten", begründet Prof. Brune. Es lasse sich zudem nicht ausschließen, dass die Einnahme der Medikamente das Auftreten der Krankheit in jüngeren Jahren verzögere. Das erhöhte Auftreten ist statistisch zwar signifikant, aber dennoch gering (50% bei Patienten, die intensiv Schmerzmittel eingenommen hatten). "Schließlich ist anzumerken, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, deren Aussagen, wie immer bei derartigen Studien, dadurch unsicher sind, dass Ärzte unterschiedliche Patienten unterschiedlich behandeln", erklärt Prof. Brune. "Dadurch kommt es zu Ungleichgewichtigkeiten (Confounder). Intensiv Zyklooxygenasehemmer brauchende Patienten haben typischerweise rheumatische Erkrankungen, bewegen sich weniger, leben ungesünder als solche ohne Gelenkschmerzen." Sein Fazit: Schmerzmittel schützen weder vor Alzheimer noch beschleunigen sie das Auftreten wesentlich. "Gute Schmerztherapie kann weiterhin ohne Angst vor der Alzheimer'schen Krankheit durchgeführt werden - vorausgesetzt, dass nicht unnötig hohe Dosen über unnötig lange Zeit verabreicht werden."

Ansprechpartner

Prof. Dr. Kay Brune, DGSS-Kommission für Forschungsfragen, Universität Erlangen-Nürnberg, Kay.Brune@pharmakologie.med.uni-erlangen.de

Titelaufnahmen der beiden zitierten Studien

Fosbol, E. et al.: Risk of Myocardial Infarction and Death associated with the Use of Nonsteroidal Anti-Inflammatory Drugs (NSAIDs) among healthy Individuals: A Nationwide Cohort Study. Clin. Pharmacol. Ther. 2009;85(2):190-7. Epub 2008 Nov. 5

Breitner, JC et al.: Risk of Dementia and AD with prior exposure to NSAIDs in an elderly community-based cohort. Neurology, 2009 April 22.
Weitere Informationen: http://www.dgss.org/index.php?id=98&tx_ttnews[tt_news]=91&cHash=4a416eca... - Kommentare im Internet
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