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Gewässersedimente und die neue Wasserrahmenrichtlinie

27.05.2003 - (idw) Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Trotz Rückgang der Schadstoffeinleitungen sind Flusssedimente vielerorts noch in beachtlichem Maße mit Schadstoffen belastet, und Biotestergebnisse weisen eher auf eine Zunahme ihrer Giftwirkung hin. Das wurde auf der Jahrestagung der Wasserchemischen Gesellschaft, einer Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, vom 26. bis 28. Mai in Stade deutlich.
Die Verschmutzungen der Gewässersedimente stammen aus diffusen Lufteinträgen und Einleitungen von Abwässern, z.B. auch bei der Flutung von Bergwerken. Erinnert sei an die katastrophalen Deichbrüche in Bergbauregionen von Spanien 1999 und Rumänien 1999/2000. Bereits bei "normalen" Hochwässern, aber besonders intensiv bei großen Flutereignissen wie im August 2002 an der Elbe, werden hochbelastete Feststoffe aus dem Oberlauf flussabwärts verfrachtet. So lassen sich beispielsweise dioxinbelastete Feststoffe aus dem Bitterfelder Chemierevier bis in die Sedimente des Hamburger Hafens verfolgen.
Bislang befanden sich die Unterlieger in einem Einzugsgebiet - und dies gilt besonders für die großen Flusshäfen wie Hamburg - in einer wenig komfortablen Situation, da sie letztlich für alle früheren, heutigen und künftigen Fehlleistungen der Oberlieger aufkommen mussten. Diese ignorieren häufig die Probleme oder nehmen eine Methode in Anspruch, die sie "Sediment-Rückverlagerung" nennen; sie verschärfen damit die Probleme für die Wasserwirtschaft im Unterlauf der Flüsse und tragen wesentlich zur Verschmutzung der Küstenregionen bei.
Mit der neuen Europäischen Wasserrahmenrichtlinie wird nun eine flusseinzugsgebietsübergreifende Verantwortung für die Gewässerqualität immer mehr zur Realität. Das Ziel der EG-Wasserrahmenrichtlinie ist ein guter ökologischer und chemischer Zustand für die oberirdischen Gewässer, den es innerhalb von 16 Jahren zu erreichen gilt. Bislang fehlt in der EG-WRRL ein ausdrücklicher Bezug zu den Problemen, die bspw. durch die Umlagerung kontaminierter Sedimente entstehen können. Aber es wird immer deutlicher: Bei dem übergreifenden Ansatz der WRRL ist nicht nur die Immission in die Wasserkörper über diffuse oder Punktquellen zu berücksichtigen, sondern auch die Re-Immission durch das Sediment. Eine Vernachlässigung der Sedimente führt zu einer falschen Risikoanalyse bzgl. des - angeblich - guten Zustandes.
Sedimentuntersuchungen müssen deshalb eine Säule der Wasserwissenschaft bleiben. Alle vorhandenen Potentiale, besonders auch die entsprechenden Institute in den neuen Bundesländern, müssen erhalten und ihre Kompetenz genutzt werden. Die Wasserchemische Gesellschaft wird sich weiterhin zum Anwalt der Sedimentforschung in Theorie und Praxis machen.

Prof. Dr. Ulrich Förstner, Arbeitsbereich Umweltschutztechnik, TU Hamburg-Harburg
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