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"In allen Bereichen brauchen wir den Radiologen"

21.05.2009 - (idw) Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Aufgabe der Radiologie in der onkologischen Chirurgie In der chirurgischen Onkologie ist die Radiologie vor allem in der Diagnostik und Therapieplanung der wichtigste Partner in interdisziplinären Tumorboards. Prof. Dr. med. Dr. h.c. Werner Hohenberger, Leiter der Chirurgischem Klinik am Universitätsklinikum Erlangen und Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, erläutert die gewachsenen Anforderungen an die bildgebende Diagnostik.

Berlin im Mai 2009. Von der Diagnose über die Therapie bis zur Nachsorge - in allen Bereichen brauchen wir die Radiologen. Insbesondere ist die Bildgebung bei den soliden Tumoren gefordert. Zwar ist bei diesen Erkrankungen die Diagnosestellung eine Sache der Pathologie, aber der Hinweis auf einen Tumor kommt häufig von der Bildgebungsdiagnostik. Wenn die Primärdiagnose gestellt ist, ergibt sich die Frage, wie ausgedehnt eine Tumorerkrankung ist - das ist das Staging, welches festlegt, wie Tumore weiterbehandelt werden. Ob sie zunächst vorbehandelt werden, mit Bestrahlung oder Chemotherapie oder einer Kombination von beiden, oder ob sie sofort operiert werden können. Auch hier ist die Radiologie gefragt. Und wenn der Patient schließlich das Krankenhaus verlassen hat, dann beginnt die Nachsorge, d.h. die Überwachung, ob ein Tumor rezidiv auftritt oder nicht. Und auch dort sind die Radiologen tief involviert. Ohne Bildgebung wäre Nachsorge oft ein Kaffeesatzlesen. Auf allen Stufen der diagnostischen Behandlung und Nachsorge dieser Tumore ist die Radiologie unabdingbar.

Metastasen im PET/CT besser erkennen

Gerade bei Tumoren, die Metastasen streuen, konnten wir in den letzten Jahren die Heilungsraten auch mithilfe der Bildgebung signifikant verbessern. So liegt die Heilungsrate von Patienten mit kolorektalen Karzinomen, die bereits zum Zeitpunkt der Diagnose Fernmetastasen aufweisen, unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten derzeit bei 50 %. Aber auch bei anderen Tumoren bis hin zum malignen Melanom, welches im Fall der Fernmetastasierung in der Regel viele Organe betrifft, kann im Einzelfall eine Lebensverlängerung über sehr viele Jahre hinweg erreicht werden. Hierbei hat das PET/CT einen besonderen Stellenwert. Dieses Verfahren verbindet die Diagnose struktureller Veränderungen im Körper mit funktioneller Diagnostik. Das heißt, wir können auch Stoffwechselvorgänge im Körper sichtbar machen und Metastasen genauer aufspüren. Dies betrifft auch relativ kleine Fernmetastasen - mit der konkreten Fragestellung ob eine operative Entfernung sinnvoll ist oder nicht. Der Vorteil der Bildgeber ist, dass sie auf Mustererkennung trainiert sind. Der Chirurg hingegen weiß, wo das Problem sitzt. Wenn beides zusammengebracht wird, dann ist die Aussagefähigkeit am besten.

Radiologie und Chirurgie in 20 Jahren: Ein Ausblick

Die Fortschritte der Bildgebung in den letzten 20 Jahren wären vor 20 Jahren noch nicht vorstellbar gewesen. Und ich behaupte: Von jetzt an bis in 20 Jahren wird der Fortschritt noch einmal um einiges größer sein. Die nächsten paar Jahre wird man sich wahrscheinlich mit der Bildgebung von Stoffwechselvorgängen beschäftigen, etwa mit der Frage: Worauf spricht ein Tumor an? Man wird versuchen, diese Aussage früher treffen zu können, und dann auch eventuell zu einem Umdenken in der Therapie kommen. Zum Beispiel, dass man die Therapie eher beginnt, und sie weiter fortführt. Das Zweite ist: Wir haben noch Schwächen in der Diagnostik, z.B. bei den Lymphknoten. Da muss mehr getan werden. Die Bedeutung der Radiologie wird zunehmen. Kooperation wird die Zukunft prägen: Es ist wichtig, dass zwei Partner - der Radiologe und der Chirurg - miteinander etwas bewegen, ohne dass einer Angst hat, dass er etwas verliert. Das ist auch die Erfahrung, die ich gemacht habe. Man verliert keine Patienten, man gewinnt sie durch Kooperation.

Der 90. Deutsche Röntgenkongress - interdisziplinär und praxisbezogen
Der 90. Deutsche Röntgenkongress findet in diesem Jahr vom 20. bis 23. Mai in Berlin auf der Messe Süd statt. Die Deutsche Röntgengesellschaft e.V. als Ausrichter des Kongresses erwartet auch für diesen Kongress wieder mehr als 7.000 Teilnehmer aus ganz Deutschland und dem Ausland. Neben den wissenschaftlichen Präsentationen und Postern zum aktuellen Stand der Forschung erhalten die Teilnehmer die Möglichkeit, in Workshops, Refresherkursen und interdisziplinären Falldiskussionen ihre Kenntnisse zu den einzelnen Themengebieten zu vertiefen und Neues zu entdecken. Darüber hinaus präsentiert eine umfangreiche Industrieausstellung mit rund 130 Ausstellern neueste Entwicklungen der Medizintechnik.

Weitere Informationen: http://www.drg.de
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