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BIG: "Bundesinformationssystem Genetische Ressourcen" ist freigeschaltet

28.05.2003 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

BIG ist online: Das "Bundesinformationssystem Genetische Ressourcen" mit Beteiligung der Ruhr-Universität Bochum ist die neue Datenbank im Internet mit Informationen zu über 150.000 Pflanzenvarietäten. Ob Koch, Gärtner, Naturschützer, Botaniker oder Biologe im Labor: Unter http://www.big-flora.de finden alle Antworten zu Obst- und Gemüsepflanzen, Blumen, Sträuchern oder Bäumen.

Gemeinsame Pressemitteilung der BIG-Partner BfN, IPK, ZADI, RUB


Bochum, Bonn, 27.05.2003
Nr. 166


Verzeichnis mit über 150.000 Pflanzen
Datenbanken von vier Partnern vereint
www.big-flora.de jetzt freigeschaltet


Duftend, goldgelb, heiß und fettig: Haben Sie sich schon einmal in der Schlange am Imbiss gefragt, welche Kartoffelsorten am besten für Pommes geeignet sind? Das schnell herauszufinden, ist jetzt kein Problem mehr. Die "Pommes-Frites-Eignung" einer Kartoffel ist unter "Zuchteigenschaften" eines der Suchkriterien von BIG. Die neue Datenbank im Internet mit Informationen zu über 150.000 Pflanzenvarietäten ist jetzt freigeschaltet. Ob Koch, Gärtner, Naturschützer, Botaniker oder Biologe im Labor: Unter http://www.big-flora.de finden alle Antworten zu Obst- und Gemüsepflanzen, Blumen, Sträuchern oder Bäumen.

Vier Partner

Hinter den drei Buchstaben BIG verbirgt sich das Bundesinformationssystem Genetische Ressourcen. Das Internetportal http://www.big-flora.de ermöglicht dem Nutzer, seine Suchanfrage gleichzeitig an mehrere Datenbanken zu senden, die Ergebnisse aber in einer Maske abzurufen. Ihre umfassenden Informationsbestände haben dafür das Bundesamt für Naturschutz (BfN), das Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK), der Botanische Garten der Ruhr-Universität Bochum als Mitglied des Verbandes Botanischer Gärten und das Informationszentrum Biologische Vielfalt (IBV) der Zentralstelle für Agrardokumentation und -information (ZADI) virtuell verknüpft. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung förderte die Entwicklung dieser neuen Suchmaschine für Wild- und Kulturpflanzen in den vergangenen fünf Jahren. Dabei wurden die sieben großen Datenbanken der Initiatoren nicht nur vereint in einem Portal zugänglich, sondern jeweils auch inhaltlich ausgebaut und überarbeitet.

Funktionen von BIG

Die Partner von BIG wollen es den Nutzern ermöglichen, mit verschiedenen Suchkriterien und Ausgangswissen Informationen zu finden. Deshalb bietet BIG mehrere Funktionsweisen an. Mit BIGTAX werden Pflanzen durch ihre Namen aufgespürt. Dabei ist es egal, ob der Suchende den Volksnamen Löwenzahn, die botanische Bezeichnung Traxacum sect. Ruderalia oder ein Synonym des lateinischen Begriffes eingibt. Die so gefundenen Daten werden mit dem BIGThesaurus nach Stichworten geordnet, so dass sich der Nutzer gezielt Informationen zu einzelnen Merkmalen heraussuchen kann. Zur Zeit gibt es 120 Suchbegriffe. Der Thesaurus erlaubt damit auch, eine Pflanze nach bestimmten Eigenschaften wie Verbreitung, Ernteertrag oder Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten zu ermitteln. Geht es um die räumliche Verbreitung der Flora, ist das integrierte Geografische Informationssystem GIS die geeignete Suchmethode. GIS hilft, wenn Nutzer beispielsweise gefährdete Pflanzenarten in einem bestimmten Land oder Gebiet finden wollen. Zusätzlich bieten Karten Informationen zu Temperatur, Niederschlägen oder Höhenlage der Fundorte von Pflanzen.

Fern und nah

BIG, das fortlaufend aktualisiert wird, enthält Pflanzen, die in heimischen Gärten, auf Feldern oder in der freien Natur wachsen. Auch exotische Gewächse, die in Deutschland in Botanischen Gärten gedeihen oder in Genbanken lagern, gehören zum Datenbestand. Interessant ist BIG deshalb sowohl für Wissenschaftler, die eine Probe bestimmen wollen, wie für Züchter, die auf der Suche nach seltenen Samen sind, als auch für Hobbygärtner, die wissen wollen, ob die neue Sorte Tomaten in ihrer Schrebergartenerde wächst. Zum Stichwort Artenvielfalt in der Pflanzenwelt: Auch für den Naturschutz kann BIG einen Beitrag leisten, da es online gebündelt Angaben zur Gefährdung einzelner Gewächse eröffnet. "Besonders herausragend sind die Datenbestände der deutschen Florenkartierung, die mit der Gesamtzahl von ca. 14 Millionen Einzelangaben einen umfassenden Überblick über die Bestandssituation, Vorkommen und Verbreitung der Wildpflanzen in Deutschland ermöglichen", sagt Dr. Uwe Schippmann vom BfN. "So kann mithilfe des BIG ermittelt werden, wo bereits Erhaltungskulturen von stark in ihrem Bestand gefährdeten Arten betrieben werden und wo noch Nachholbedarf ist."

"Meilenstein" für Züchtung

In der Zucht wird die Widerstandsfähigkeit gegen Wettereinflüsse, Schädlinge und Krankheiten wichtig. Diese Eigenschaften verschiedener Sorten Getreide und anderer Nutzpflanzen können Züchter in der BIG-Datenbank nachschlagen. Zumindest für Deutschland. Interessant sind aber auch Informationen über Saatgut aus dem Ausland. Ein Beispiel dafür ist der Winterweizen. Die Pilzerkrankung Ährenfusariose befiel in den vergangenen Jahren häufig die Getreidesorte. Untersuchungen an Pflanzen aus China und Südamerika zeigten, dass diese den Pilz wesentlich besser tolerierten und deshalb auch die Anbau in Deutschland verbessern können. Dr. Reinhard von Brook vom Pflanzenzucht-Unternehmen Lochow-Pektus GmbH hofft, dass BIG auch international von Züchtern und Wissenschaftlern verwendet wird, da die Daten im Internet frei zugänglich sind. "Wenn dies keine Einbahnstraße bleibt, andere Länder also ähnliche Informationssysteme bereitstellen, werden wir deutschen Züchter von denen profitieren. Auf dem Weg zu solch einem breiten internationalen Informationsverbund stellt BIG einen Meilenstein dar", so von Broock. Egal, ob die Nutzer aus Wirtschaft, Politik, Forschung kommen oder BIG für den Hausgebrauch besuchen, die Anwendung ist kostenlos. Das mühsame Blättern durch Spezialliteratur kann BIG in vielen Bereichen von Pflanzenkunde, -anbau und -schutz ersetzen.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Thomas Stützel, Direktor des Botanischen Gartens der Ruhr-Universität Bochum und Lehrstuhl für Spezielle Botanik, Tel. 0234/32-25575/-24491, E-Mail: thomas.stuetzel@ruhr-uni-bochum.de, Internet: http://www.big-flora.de;

Sabine Roscher, Zentralstelle für Agrardokumentation und -information (ZADI), Tel. 0228/9548-212, E-Mail: roscher@zadi.de
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