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Altersvorsorge: Hindernisse beseitigen statt Zwangsrente einführen

28.05.2003 - (idw) Bertelsmann Stiftung

Bertelsmann Stiftung legt Maßnahmenpaket zur Vorsorgeförderung vor

Gütersloh, 27. Mai 2003. Die Politik sollte die geförderte Altersvorsorge für alle öffnen, die staatliche Förderung vereinfachen und die automatische Aufnahme in eine freiwillige betriebliche Altersvorsorge als Standard setzen - diese Schritte stehen im Mittelpunkt eines Maßnahmenpa­ketes, mit dem die Bertelsmann Stiftung der Altersvorsorge in Deutschland neuen Schwung ver­leihen will. Weitere Kernpunkte sind eine Informationsoffensive zur Vorsorgenotwendigkeit und die Verbesserung der Transparenz bei Vorsorgeprodukten.

Die "Riester-Rente" war nach Ansicht der Stiftung ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, allerdings seien weitere Reformen dringend notwendig. Nach den Analysen der Stiftung ist die Bereitschaft der Bürger, für das Alter vorzusorgen, in den vergangenen Monaten spürbar gesun­ken. Ohne weitere Reformen seien daher selbst langfristig höchstens 7,5 Millionen "Riester-Ver­träge" zu erwarten. Eine obligatorische Altersvorsorge als Antwort auf den schleppenden Ausbau der Altersvorsorge sei allerdings verfehlt. Vielmehr müssten die vielfältigen Hindernisse abge­baut werden, die der erforderlichen Altersvorsorge bislang noch entgegenstehen. Dies sei der Ansatzpunkt des Maßnahmenpaketes, erläutert Johannes Leinert von der Bertelsmann Stiftung: "Altersvorsorge wird nur dann betrieben, wenn die Bürger dies wollen, können und auch tun. Die aktuellen Regelungen bauen hier viel zu hohe Hürden auf".

Um die Vorsorgebereitschaft zu stärken, fordert die Stiftung daher, die Bürger offen und ver­ständlich darüber zu informieren, welche Leistungen sie aus der gesetzlichen Rentenversicherung erwarten können. Dazu hat sie Vorschläge entwickelt, wie die Renteninformationen der Sozialversicherung unter realistischeren Annahmen ausgewiesen und um Inflationseffekte bereinigt werden sollten. Für private und betriebliche Anbieter solle Vergleichbares gelten. Außerdem müsse allen Bürgern der Zugang zur geförderten Altersvorsorge ermöglicht werden. So sei zum einen die "Riester-Förderung" formal für alle zu öffnen. Zum anderen seien Förderregeln und Produktregulierung so flexibel zu gestalten, dass Geringverdiener nicht faktisch ausgeschlossen würden.

Ein großes Vorsorgehindernis sieht die Stiftung auch darin, dass viele Bürger komplexe finan­zielle Angelegenheiten immer wieder vor sich herschieben. "Gerade Ende Mai wird dies deutlich, wenn sich viele noch kurz vor Ablauf der Abgabefrist mit der Steuererklärung quälen", so Lei­nert, "die Altersvorsorge ist ähnlich komplex und unbeliebt. Hier gibt es aber keine Frist, man kann sich bis zur Rente um die notwendigen Entscheidungen drücken." Ein wahrer Förder­dschungel und schwer durchschaubare Vorsorgeprodukte schreckten viele Bürger davon ab, sich rechtzeitig um die Altersvorsorge zu kümmern. Nach den Vorschlägen der Stiftung sollen daher die Förderung vereinfacht und die Vorsorgeprodukte transparenter werden. Dazu gehört eine An­gleichung der verschiedenen steuerlichen Fördermöglichkeiten. Auch die Zulagenförderung soll deutlich vereinfacht werden: Die komplizierte Berechnung der Beiträge, die man für die volle staatliche Förderung zahlen muss, soll entfallen. Stattdessen sollen Pauschalen eingeführt werden, die nur noch nach Kinderzahl gestaffelt sind. Die Vergleichbarkeit von privaten und betrieblichen Vorsorgeprodukten soll durch einheitliche und präzisierte Anforderungen an ihre Transparenz verbessert werden.

Außerdem schlägt die Stiftung vor, Arbeitnehmer bei Abschluss eines neuen Arbeitsvertrages automatisch in eine freiwillige betrieblicheAltersvorsorge einzubeziehen. Bis zum Ende der Pro­bezeit hätte demnach jeder die Wahl, den Vorschlag des Arbeitgebers für die Altersvorsorge abzulehnen oder abzuändern. Danach würde der jederzeit kündbare Vorsorgevertrag automatisch abgeschlossen. Ähnliche Modelle sind in amerikanischen Betrieben sehr erfolgreich. In Deutschland liegt nach einer repräsentativen Befragung der Bertelsmann Stiftung die Zustim­mungsquote für ein solches Modell bei 65 Prozent - höher als für eine Regelung wie bei der Riester-Rente oder für eine verpflichtende Altersvorsorge.

Darüber hinaus sieht das Maßnahmenpaket auch zu den Verrentungsregeln Reformvorschläge vor. Zum einen sollen demnach künftig einheitliche Verrentungsregeln für Banksparpläne, Fondssparpläne und Rentenversicherungen gelten. Zum anderen soll eine größere Freiheit bei der Verwendung des Vorsorgekapitals gelten, wenn keine Bedürftigkeit im Alter droht. Nach den Vorschlägen der Stiftung soll eine Einmalzahlung bis zur Hälfte des angesparten Kapitals mög­lich sein, wenn die Summe aus gesetzlicher und privater/betrieblicher Rente das Niveau der Grundsicherung erreicht.

Das Maßnahmenpaket basiert auf den Ergebnissen umfangreicher Analysen und Recherchen im In- und Ausland, die von der Bertelsmann Stiftung, dem Institut für Finanzdienstleistungen, Hamburg, dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Mannheim, Infratest Sozialfor­schung, München, und der Universität Magdeburg vorgenommen wurden. Sie sind unter www.vorsorgestudien.de veröffentlicht. Die Reformvorschläge wurden in enger Zusammenarbeit mit einem Expertenteam erarbeitet. Dazu gehören: Prof. Dr. Axel Börsch-Supan (MEA Mann­heim), Prof. Dr. Gisela Färber (DHV Speyer), Prof. Dr. Robert Holzmann (Weltbank, Washing­ton), Prof. Dr. Udo Reifner (iff Hamburg), Prof. Dr. Gert Wagner (TU Berlin und DIW Berlin) und Prof. Dr. Dietmar Wellisch (Universität Magdeburg).

Das "Maßnahmenpaket Altersvorsorge" dient gleichzeitig als erster Baustein innerhalb des neuen Schwerpunktprojektes "Demographischer Wandel" der Bertelsmann Stiftung. Ziel dieses Schwerpunktes ist es, den Wohlstand in einer alternden und schrumpfenden Gesellschaft sichern zu helfen.

Über die Bertelsmann Stiftung:

Die Bertelsmann Stiftung versteht sich als Förderin des Wandels für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Sie will Reformen in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Soziales, Gesundheit, Demokratie und Bürgergesellschaft sowie Internationale Verständigung voranbringen. Die 1977 von Reinhard Mohn gegründete, gemeinnützige Einrichtung hält die Mehrheit der Kapitalanteile der Bertelsmann AG. In ihrer Projektarbeit ist die Stiftung unabhängig vom Unternehmen und parteipolitisch neutral.

Rückfragen an: Johannes Leinert, Telefon: 0 52 41 / 81-81 273

Das Maßnahmenpaket Altersvorsorge finden Sie zum Download unter www.vorsorgestudien.de
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