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Die erste Pilotanlage von Total für die Kohlendioxid-Abscheidung und -Speicherung

08.07.2009 - (idw) Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Nach einer Projektausschreibung der europäischen Union für die Durchführung von 12 Pilotanlagen in Originalgröße, wird die Energiegruppe Total [1] in Kürze eine komplette integrierte Prozesskette für die Abtrennung und Speicherung von CO2 (CCS, [2]) testen. "Wir können noch nicht genau sagen, wann die CCS-Technik das Stadium der industriellen Reife erreichen wird. Sie muss sich zuerst noch in wirtschaftlichen und technischen Bereichen bewähren", so François Moisan, Strategie- und Forschungsleiter der ADEME [3]. Sie stellt jedoch eine bedeutende Möglichkeit dar, sowohl für die Industrieländer, die ihreihre Treibhausgasemissionen bis 2050 um 25 % senken müssen, als auch für die Schwellenländer, deren Emissionswerte in die Höhe schnellen.
Theoretisch ist die CCS-Idee ganz einfach und birgt viel Potential. Neben der Reduzierung des Energieverbrauchs und dem Ausbau der erneuerbaren Energien, geht es darum, die Emissionen des Haupt- Treibhausgases zu senken.

Zunächst wird das CO2 aus den Abgasen der Kohle-, Gasturbinen- und Heizölkraftwerke, der Ölraffinerien und der Zement- und Stahlwerke abgeschieden [4]. Anschließend wird das CO2 komprimiert, um danach auf dem Seeweg oder über Rohrleitungen transportiert zu werden. Zum Schluss muss das CO2 in tiefe Gesteinsschichten [5] gepumpt werden. Diese Verfahren sind kompliziert, energieintensiv und sehr teuer. Des Weiteren könnte die geologische Speicherung lokale Widerstände auslösen. "Neben den Problemen der Kosten und der wissenschaftlichen Validierung, muss sich die Branche auch um die Gesellschaftsakzeptanz kümmern", unterstreicht François Moisan.

Der Präfekt der Region Pyrénées-Atlantiques hat Total kürzlich die Genehmigung erteilt, CO2 im Untergrund von Béarn zu speichern. Eine industrielle CO2 -Abscheidungspilotanlage wird in den Erdgasvorkommen von Lacq betrieben. Das Gas wird über Rohrleitungen von Lacq bis Jurançon transportiert, wo es in geologischen Gesteinsschichten gespeichert wird. Die Pilotanlage in Lacq besteht aus einem Dampfkessel, der Gas oder Methan verbrennt und Dampf erzeugt. Anstatt der normalen Luft wird hier Sauerstoff eingeführt, wodurch der entstandene Rauch und das Kohlendioxid durch Sauerstoffverbrennung (Oxy-Combustion) separiert werden. Dieses gereinigte und entwässerte Gas wird durch die bestehenden unterirdischen Rohrleitungen zum ehemaligen Gasfeld Rousse transportiert. Die in 4.500 Meter Tiefe gelegenen porösen Gesteinsschichten, in denen früher Erdgas lagerte, sind hinreichend dicht, um dort CO2 zu speichern, ohne das es in die Atmosphäre austreten kann.

Der Dampfkessel wurde am 26. Mai 2009 in Betrieb genommen, und die erste Einspeisung war für Ende Juni vorgesehen. "Während dieses Versuchs sollen innerhalb von 2 Jahren 50.000 Tonnen CO2 gespeichert werden. Des Weiteren soll mit dieser Pilotanlage geprüft werden, ob dieses Verfahren geeignet ist", so Jean-Michel Gires, Direktor für Nachhaltige Entwicklung und Umwelt der Total Gruppe. "Verläuft der Versuch wie erhofft, so wäre diese Möglichkeit bis 2017 industriell umsetzbar". Die aktuell betriebene Pilotanlage nimmt nur etwa ein Zehntel der Fläche ein. Vor ihrer Inbetriebnahme wurde eine öffentliche Abstimmung durchgeführt. "Unser Versuch erfährt ebenfalls große Aufmerksamkeit im Ausland, zum Beispiel in Kanada, Russland oder dem Mittleren Osten", erklärte M. Gires. Positive Ergebnisse in Béarn könnten zu Nachahmungen an anderen Standorten führen, wie zum Beispiel in den Niederlanden oder im Großraum Paris, wo das CO2 in tiefen Schichten, in denen sich die salzhaltigen Aquiferen befinden, aufgelöst werden könnte. Die Genehmigung wurde für 2 Jahre erteilt, mit einem Kontrollzeitraum der Standorte von 3 Jahren. Diese Tatsache beunruhigt insbesondere die Gesellschaft zur Untersuchung, Schutz und Gestaltung der Natur im Süd-Westen Frankreichs (Sepanso, [6]), da es noch keine rechtlichen Rahmenbedingungen für die CO2-Speicherung gibt.

Kontakte:
- [1] Total ist der weltweit viertgrößte, internationale Öl- und Gaslieferant und gehört zu den wichtigsten Akteuren im Bereich Chemie - http://www.total.com
- [2] CCS: Carbon Capture and Storage
- [3] ADEME: Französische Organisation für Umwelt- und Energiewirtschaft
- [4] Es gibt drei Verfahren: Nachverbrennung, Vorverbrennung und Sauerstoffverbrennung. Weitere Informationen über die CCS-Technik auf der Wikipedia Website: http://de.wikipedia.org/wiki/CO%E2%82%82-Abscheidung_und_-Speicherung
- [5] Drei geologische Formationen werden analysiert: erschöpfte oder betriebene Öl- oder Erdgaslagerstätten, salzige "Aquifere"(poröse Gesteinsschichten) oder ungenutzte Kohleadern.
- [6] Sepanso: Société pour l'étude, la protection et l'aménagement de la nature dans le Sud-Ouest - http://www.sepanso.org
Quellen:
- Le Monde - http://www.lemonde.fr/planete/article/2009/06/10/ballons-d-essai-pour-le-captage... - 10/06/2009

- Le Monde - http://www.lemonde.fr/planete/article/2009/06/10/dans-le-bearn-total-experimente... - 10/06/2009

Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr

Reproduktions- und Verbreitungsrechte
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