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Von Ursprung, Wachstum und Fall der Kunst

05.06.2003 - (idw) VolkswagenStiftung

"Geschichte der Kunst des Alterthums" von Winckelmann neu aufgelegt - seinerzeit erste deutsch-deutsche Förderung der VolkswagenStiftung

Wenngleich der 3. Oktober seit dem Jahr 1990 als Symbol der Wiedervereinigung Deutschlands gilt, so ist doch auch der 17. Juni als - bis dato - Tag der deutschen Einheit fest im Bewusstsein der Menschen dieses Landes verankert. Der 17. Juni 1953, der Tag des Aufstandes der DDR-Arbeiterschaft, jährt sich jetzt zum 50. Mal. In diesen Tagen nun wird mit Unterstützung der VolkswagenStiftung ein Werk neu vorgelegt, das mit Rückblick auf die DDR nicht nur für die Stiftung von besonderer Bedeutung ist: die Neuauflage des Klassikers "Geschichte der Kunst des Alterthums" von Johann Joachim Winckelmann. Sie geht zurück auf die seinerzeit erste direkte Förderung einer Institution in der DDR durch die VolkswagenStiftung, zugleich die erste von der Stiftung unterstützte deutsch-deutsche Wissenschaftskooperation. 330.000 Euro erhielten das Seminar für Klassische Archäologie der Freien Universität Berlin und die Winckelmann-Gesellschaft in Stendal 1988 für das Vorhaben, den Klassiker neu - und dabei erstmals in einer historisch-kritischen Ausgabe - aufzulegen. 15 Jahre später liegt das Werk nun vor.
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Kontakt: Winckelmann-Edition: Winckelmann-Gesellschaft, Telefon: 039 31/21 52 26, E-Mail: winckelmann-stendal@t-online.de oder max.kunze@t-online.de
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Das 1764 veröffentlichte Buch "Geschichte der Kunst des Alterthums" von Winckelmann war eine der bedeutendsten und einflussreichsten wissenschaftlichen Publikationen ihrer Zeit; eine, die zudem bis heute nachwirkt. Winckelmann schuf mit seinem Hauptwerk ein neues historisches Ordnungssystem für die Kunst der Ägypter, der orientalischen Völker, der Etrusker und Römer - vor allem aber prägte die Schrift ganz entscheidend das Griechenbild der Weimarer Klassik. Geistesgeschichtlich zwischen Aufklärung und Historismus angesiedelt, markiert die "Geschichte der Kunst des Alterthums" nicht weniger als den Beginn der Archäologie und Kunstgeschichte in Deutschland. Und sie war eines der ersten wissenschaftlichen Werke in deutscher Sprache, das sofort auch international hohe Aufmerksamkeit fand. Insgesamt beeinflusste Winckelmann mit seinen Werken nachhaltig die Literatur der deutschen Klassik und das Verständnis der europäischen Kunst.

Bei der jetzt veröffentlichten Ausgabe ging es jedoch nicht nur darum, den über 200 Jahre alten Text auf eine bessere sprach- und literaturwissenschaftliche Grundlage zu stellen. So kamen ein Kommentar und Sacherklärungen hinzu. Verweise auf Parallelstellen in Winckelmanns übrigen Schriften sowie in seinen Briefen und schließlich Erläuterungen zu Sprache und Terminologie, zu ästhetischen und historischen Urteilen und zu den angewandten Methoden führen in weitere Zusammenhänge. Neue Erkenntnisse zum besseren Verständnis des Originalwerkes lieferte auch eine Durchsicht des handschriftlichen Nachlasses Winckelmanns. Grundlage der kritischen Edition des Textes war im Übrigen ein genauer Vergleich der verschiedenen Fassungen seit der Erstauflage 1764. Denn als Winckelmann 1768 in Triest einem Mord zum Opfer fiel, hatte er schon einige Zeit an einer stark ausgeweiteten zweiten Auflage gearbeitet. Sie erschien erst postum 1776 in Wien auf Veranlassung des Kunsttheoretikers Friedrich Justus Riedel, herausgegeben von der kaiserlich-königlichen Akademie der bildenden Künste. Da Winckelmanns eigenhändige Aufzeichnungen ebenso verschollen sind wie das Manuskript Riedels, war unklar, wie stark dessen Anteil am Text ist. Und da die "Geschichte der Kunst des Alterthums" außerdem bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein als ein fortzuschreibendes wissenschaftliches Werk galt, das man in Neuauflagen dem jeweils aktuellen Stand der archäologischen Forschung meinte anpassen zu dürfen, glaubten sich auch die folgenden Herausgeber frei, Texte der ersten und zweiten Auflage nach Gutdünken zu kombinieren sowie Korrekturen und Zusätze anzubringen. So entstanden recht verwirrende Text-Kompilationen. Sie werden mit der jetzt vorgelegten Ausgabe überwunden.

Zu den Autoren: Johann Joachim Winckelmann, Kunstschriftsteller, Begründer der Archäologie und modernen Kunstgeschichte, wurde am 9. Dezember 1717 in Stendal geboren und starb am 8. Juni 1768 in Triest. Er studierte Griechisch, Latein, Mathematik und Medizin an den Universitäten Halle (1738 bis 1740) und Jena (1741/42). In den folgenden Jahren arbeitete er als Hauslehrer und Konrektor, ab 1748 als Bibliothekar beim Grafen Heinrich von Bünau in Nöthnitz bei Dresden. 1755 ging Winckelmann nach Rom, wo ihm ein Stipendium des Dresdner Kurprinzen zunächst ein unabhängiges Gelehrtenleben ermöglichte. Der Ausbruch des Siebenjährigen Krieges nötigte ihn 1757, als Bibliothekar in die Dienste Kardinal Archintos zu treten. Nach dessen Tod begann er 1759 als Bibliothekar bei Kardinal Alessandro Albani, dem größten Antikensammler Roms, bei dem er bis zu seinem Tod blieb. Von 1763 an war Winckelmann Präsident aller Altertümer in und um Rom.
Professor Dr. Adolf H. Borbein ist am Institut für Klassische Archäologie an der Freien Universität Berlin tätig. Der Kunsthistoriker Professor Dr. Thomas W. Gaethgens lehrt an der Freien Universität Berlin, er ist Direktor des Deutschen Forums für Kunstgeschichte in Paris. Dr. Johannes Irmscher war bis zu seinem Tod im Mai 2000 Honorarprofessor an der Humboldt-Universität Berlin. Professor Dr. Max Kunze ist Präsident der Winckelmann-Gesellschaft in Stendal.
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Kontakt Winckelmann-Edition: Prof. Dr. Adolf H. Borbein, Institut für Klassische Archäologie, FU Berlin, Telefon: 0 30/83 85 37 12, E-Mail: borbein@zedat.fu-berlin.de

Prof. Dr. Thomas W. Gaethgens, Kunsthistorisches Institut, FU Berlin, Telefon: 0 30/83 85 38 43, E-Mail: thogae@zedat.fu-berlin.de
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- Winckelmann, Johann Joachim; Borbein, Adolf H.; Gaethgens,

Thomas W.; Irmscher, Johannes; Kunze, Max: Geschichte der Kunst des Alterthums. Text: Erste Auflage Dresden 1764. Zweite Auflage Wien 1776. Verlag Philipp von Zabern, Mainz, 2002, 859 Seiten. ISBN 3-8053-2935-0

Der Text der Presseinformation steht im Internet zur Verfügung unter http://www.volkswagenstiftung.de/presse-news/presse03/04062003.htm
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Kontakt: VolkswagenStiftung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Dr. Christian Jung, Telefon: 0511/ 83 81 - 380, E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de
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