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Stratmann: "Bologna weiterentwickeln - Bachelor- und Masterstudiengänge zum Erfolg führen" - Bologna-Initiat

17.08.2009 - (idw) Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur

"Der Bologna-Prozess befindet sich in einer entscheidenen Phase. HANNOVER. "Der Bologna-Prozess befindet sich in einer entscheidenen Phase. Nachdem die deutschen Hochschulen in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen haben, um nahezu alle Studiengänge auf die neuen Bachelor- und Masterstrukturen umzustellen, müssen die Wirkungen analysiert und wo nötig Korrekturen vorgenommen werden", sagte der Niedersächsische Minister Wissenschaft und Kultur, Lutz Stratmann.

Es mache keinen Sinn, so Stratmann, mögliche Schwachstellen in der Umsetzung zu ignorieren und die Errungenschaften in der Verbesserung der Lehre aufs Spiel zu setzen. "Ich begrüße es ausdrücklich, dass Diskussionen über die Qualität der Studiengänge und die zu vermittelnden Inhalte und Kompetenzen mit bisher nicht gekannter Intensität geführt werden. Die Aufwertung der Lehre und ihrer Verbesserung ist der Rohdiamant des Bologna-Prozesses, der nunmehr zum Strahlen gebracht werden muss", führte Stratmann weiter aus.

Stratmann hat einen Katalog mit Forderungen ausgearbeitet, der als Grundlage der Diskussion für die notwendige Fortentwicklung des Bologna-Prozesses dienen soll.

Mit seiner Bologna-Initiative will Stratmann eine deutliche Reduzierung der Prüfungsbelastung in den Bachelorstudiengängen erreichen. So sollten zum Beispiel veranstaltungsübergreifende Prüfungen von Studienmodulen die Regel sein.

Weitere Eckpunkte der Bologna-Initiative:

o Die Hochschulen sollen den - in Niedersachsen von Anfang an - gegebenen Spielraum für die Dauer der Bachelorstudiengänge (6, 7 oder 8 Semester) für eine breite wissenschaftliche Qualifizierung und die Praxis- und Berufsorientierung der Studiengänge nutzen.

o Für die Hochschulen ist es dabei von zunehmender Bedeutung, Studieninhalte und zu erwerbende Kompetenzen mit den künftigen Arbeitgebern zu diskutieren, ihre Alumni systematisch in die Weiterentwicklung der Studiengänge einzubinden und Absolventen auch auf die Option der beruflichen Selbstständigkeit vorzubereiten. So kann auch die zunehmende Akzeptanz des Bachelors als eigenständiger wissenschaftlicher und berufsbefähigender Hochschulabschluss durch die Wirtschaft weiter verbessert werden.

o Die Hochschulen müssen differenzieren zwischen dem studierbaren Studienangebot, das anzubieten eine Verpflichtung der Hochschulen ist, und dem tatsächlichen Studium der Studierenden. Deshalb ist das Verhältnis zwischen Pflichtveranstaltungen und Wahlveranstsaltungen angemessen zu definieren.

o Angesichts der Geschwindigkeit der Entwicklung in allen Wissenschaften müssen sich insbesondere die Bachelor-Studiengänge auf die Vermittlung und den Erwerb von Bildung, Grundlagenwissen und Methodenkenntnis sowie Problemdefinitions- und -lösungskompetenz konzentrieren und dem Grundsatz des exemplarischen Lernens Rechnung tragen. Ziel des Studiums ist die Berufs- und Weiterbildungsbefähigung, die mit dem Bachelor-Abschluss bestätigt wird.

o Grundlagenwissen, Methodenkenntnisse und exemplarisches Lernen müssen auch Maßstab für die gegenseitige Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen in und zwischen den Hochschulen im In- und Ausland sein. Es geht nicht um gleichartige, sondern um gleichwertige Studienergebnisse, denn die Spezialkenntnisse werden in Master- und Weiterbildungsangeboten der Hochschulen oder im "training on the job" während der Berufstätigkeit erworben.

o Jedes Studienprogramm muss bei der Reakkreditierung daraufhin geprüft werden, ob die den Studierenden zu vermittelnden Kompetenzen sinnvoll definiert sind, der Studiengang für die Studierenden auch in zeitlicher Hinsicht studierbar ist und ob die Ziele des Studiengangs tatsächlich erreicht werden.

o Beratungs- und Betreuungsangebote für die Studierenden sollen enger vernetzt werden, um einen optimalen Studienablauf zu gewährleisten.

o Die altersbezogene Fördergrenze beim BAföG ist auf 35 Jahre anzuheben und die entstandene Diskrepanz zwischen der hochschulrechtlichen und förderrechtlichen Situation zu klären. Auch die Förderung von Teilzeitstudiengängen ist zu prüfen.

o Ein zentraler Schwerpunkt der künftigen Entwicklung der Hochschulen und des Arbeitsmarktes liegt in der Öffnung der Hochschulen für neue Zielgruppen. Die Steigerung von Teilzeit- und berufsbegleitenden Studienangeboten gehört hier genauso dazu wie die vermehrte Entwicklung von kürzeren Studien- und Weiterbildungsangeboten, deren erfolgreicher Abschluss in Zertifikaten bestätigt wird.

o Um ein dauerhaft effizientes Qualitätsmanagement einzurichten und die Autonomie der Hochschulen zu stärken, unterstützt Stratmann ausdrücklich die Einführung der so genannten Systemakkreditierung an Hochschulen und fordert die niedersächsischen Hochschulen auf, sich darum zu bemühen.

In Niedersachsen waren zu Beginn des Sommersemesters 2009 mehr als 94 Prozent aller Studiengänge auf die neuen Studienstrukturen umgestellt, deutschlandweit waren es lediglich 76 Prozent. Dieser Vorsprung Niedersachsens verpflichte jedoch auch zu einer frühzeitigen Auseinandersetzung mit den unbeabsichtigten Nebenwirkungen. Stratmann stellte abschließend klar: "Die Bologna-Reform darf nicht für Probleme verantwortlich gemacht werden, die es bereits in den alten Studienstrukturen gab. Hochschulen und Hochschulpolitik haben mit der Bologna-Reform bereits viele positive Veränderungen erreicht. Das gemeinsame Anliegen von Wissenschaft und Politik muss sein, die Studierenden noch stärker in den Mittelpunkt zu stellen und ihnen die bestmögliche Ausbildung anzubieten. Damit werden wir gleichzeitig unserer gemeinsamen Verantwortung für die Ausbildung von Fachkräften und die wirtschaftliche Entwicklung gerecht."


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