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Junger Informatikforscher aus Saarbrücken zählt laut MIT zu den 35 besten der Welt

24.08.2009 - (idw) Universität des Saarlandes

Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA ist eine der international führenden Universitäten für technologische Forschung und Lehre. Seit 2005 kürt das Elite-Institut jedes Jahr die besten 35 Forscher und Erfinder unter 35 Jahren auf der ganzen Welt. Zum ersten Mal ist ein deutscher Wissenschaftler dabei: Der 31-jährige Michael Backes, Informatik-Professor der Universität des Saarlandes, wird am 23. September die hohe Auszeichnung am MIT in Cambridge (USA) entgegen nehmen. Er ist einer der "TR35", die in der vom MIT herausgegebenen "Technology Review" präsentiert werden. Mit dem "TR35" zeichnet das MIT jedes Jahr weltweit 35 junge Forscher aus, die besonders herausragende Forschungsarbeiten oder Erfindungen vorweisen können und die nach Meinung des MIT damit die Welt verändern werden. Die Forschungsprojekte stammen aus ganz verschiedenen Fachgebieten, von der Medizin über die Informatik und Kommunikationsbranche bis hin zur Elektronik und Nanotechnologie. Die 35 Preisträger, die diesmal unter rund 300 Kandidaten ausgewählt wurden, werden im Rahmen der "Emerging Technologies Conference" vom 22. bis 24. September am MIT der Öffentlichkeit präsentiert.

Michael Backes ist seit 2006 Professor für Informationssicherheit und Kryptographie an der Universität des Saarlandes. Seit zwei Jahren ist er zudem Fellow der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und leitet eine Arbeitsgruppe am Max-Planck-Institut für Softwaresysteme am Standort Saarbrücken. Im Mittelpunkt der Forschungen von Prof. Michael Backes stehen die Informationssicherheit und moderne Kryptographie. Dazu gehört zum Beispiel die Frage, wie neuartige kryptographische Verfahren und Beweistechniken das Internet und die mobile Datenübertragung sicherer machen können. Backes Forschungsarbeiten dazu bewegen sich auf einem äußerst abstrakten Niveau, haben aber Auswirkungen auf fast alles, was jeder heutzutage im Internet nutzt.

Professor Backes betrachtet es als oberstes Gebot, dass man im Internet so wenig persönliche Daten wie möglich preisgeben muss, aber dennoch den optimalen Nutzen erhält. Wenn zum Beispiel ein Videoverleih wissen will, ob der Nutzer eines Gruselfilms schon über zwölf Jahre alt ist, so muss dieser bisher eine Kopie des Personalausweises einsenden. Dort stehen aber noch viele Informationen, die einen Videoverleih nichts angehen. Michael Backes forscht daher an Systemen, die mit dem so genannten "Zero Knowledge Proof" arbeiten. Dieser Beweis besagt, dass man im Internet dem Partner seine Identität glaubwürdig vermitteln kann, ohne dass der Gegenüber weiß, wer man ist. Damit kann man dann zum Beispiel der Videoverleihfirma glaubhaft versichern, dass man als Kunde älter als zwölf Jahre ist, ohne aber seinen Namen oder das genaue Geburtsdatum preiszugeben.

Der Saarbrücker Wissenschaftler hat diese Verfahren, die auf dem "Zero Knowledge Proof" basieren, weiter entwickelt und eine Art "Black Box" entworfen, in der jeder Internetnutzer seine persönlichen Angaben verschlüsselt hinterlegt. Je nach Anforderungen gibt diese Blackbox dann nur genau die Details preis, die für die Anwendung benötigt werden. Das Abgleichen von Daten läuft vollautomatisch und funktioniert auch mit großen industriellen Internetprotokollen. Ein weiteres Anwendungsszenario für seine Verfahren sind die elektronischen Wahlen, die mittlerweile in verschiedenen Ländern angewendet werden. Dort besteht die Herausforderung, ein System zu schaffen, in dem anonym gewählt werden kann, trotzdem aber klar wird, dass man seine Stimme abgegeben hat. Für die Stimmabgabe sollte man wiederum keinen schriftlichen Beleg erhalten, da dieser von Parteien gekauft werden könnte, um über Geldzahlungen möglichst viele Stimmen zu erhalten. Mit den von Professor Backes entwickelten Verfahren soll es künftig möglich werden, Anonymität zu wahren und dennoch gültige Wahlergebnisse zu erzielen.

Erst vor kurzem hat Michael Backes das hoch dotierte "ERC Starting Grant" des Europäischen Forschungsrates erhalten. Damit möchte er neue Methoden und Werkzeuge entwickeln, die dabei helfen, dass man informationstechnische Produkte von den ersten Ideen, über Entwürfe "auf dem Reißbrett" bis hin zur Entwicklung und dem Test des lauffähigen Programms sicher gestaltet. In der jüngeren Vergangenheit erregte Backes Aufsehen damit, dass er vor ungewöhnlichen Spionagemethoden warnte. Zum einen konnte er zeigen, dass man aus den Geräuschen von Nadeldruckern die geschriebenen Texte rekonstruieren kann. Außerdem erforschte er mit seinem Team die Möglichkeit, über Reflektionen in Kaffeetassen, Teelöffeln oder auch dem menschlichen Auge die Inhalte von Bildschirmen abzulesen.

Michael Backes stammt aus dem Saarland und hat in Saarbrücken Informatik und Mathematik studiert und über ein Thema der Informationssicherheit promoviert. Anschließend forschte er drei Jahren lang auf diesem Gebiet im IBM-Forschungslabor in Zürich. Dort war er verantwortlich für die Forschung im Bereich der Sicherheit von Web Services sowie der Verknüpfung der maschinell durchführbaren Analyse von Sicherheitsprotokollen mit der zugrunde liegenden Kryptographie. Der junge Informatikforscher ist Mitverfasser von mehr als 80 internationalen Veröffentlichungen in diesen Bereichen. Außerdem war er Mitglied und Vorsitzender von Programmausschüssen verschiedener internationaler Konferenzen und Workshops der Informationssicherheit und der Kryptographie.


Hinweis für Journalisten: Prof. Backes wird nach der Pressekonferenz zum Helmholtz-Institut für Pharmazie in Saarbrücken mit Dr. Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung, heute um 12:30 Uhr (Campus der Universität, Geb. A 2.3, Senatssaal) für Interviews zur Verfügung stehen. Telefoninterviews in Studioqualität sind über Rundfunk-ISDN-Codec möglich: MPEG Layer 2, 48 KHz, 64 KBit/s, mono (CDQ-1000-Modus).

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