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Ausstellung "KunsTechniKultur" wirft ihre Schatten voraus

07.06.2003 - (idw) Fachhochschule Aalen


Ute Sternbacher-Bohe, Prof. Peter Wippenbeck, Prof. Edgar Baeger und Martina Ebel (vlnr). Das gab es in der Region noch nie. Möglicherweise noch nicht einmal bundesweit. So kündigt Rektor Prof. Dr. Dr. Ekbert Hering die Ausstellung "KunsTechniKultur" an, die am Montag, den 16. Juni im Foyer der Fachhochschule Aalen um 18.30 Uhr eröffnet wird. Zu sehen sein werden Werke von Alfred Bast, Martina Ebel, Helmuth Mayer, Prof. Helmut Schuster, Georg Sternbacher und Ute Sternbacher-Bohe sowie Ausstellungsstücke, die in der Zusammenarbeit der FH mit Museen entstanden sind. "KunsTechniKultur" wird gefördert von Kultur Delta Süd e.V., Stiftung Landesbank Baden-Württemberg, Stiftung Württembergische Hypothekenbank und Weleda.

Die Ausstellung ist getragen vom fruchtbaren Austausch zwischen Kunst und Technik. Professoren übernahmen für vier Künstler der Region gewissermaßen die technische Patenschaft und eröffneten ihnen in ihren Labors neue Gestaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten. Alfred Bast sprach von einer großen Offenheit der Fachhochschule für Kunst trotz ihrer technischen Ausrichtung. Martina Ebel zeigte sich sehr angetan von der Unterstützung, die sie seitens der FH und ihrer Mitarbeiter bei der Realisierung ihres Projektes erfuhr. Ihren künstlerischen Ideen seien alle Beteiligten mit Achtung und Respekt begegnet. Einig waren sich Rektorat, Professoren und Künstler darin, dass in die Ingenieurausbildung verstärkt kreative Elemente eingebracht werden sollten. "KunsTechniKultur" deutet dies im Titel schon dadurch an, dass die Technik von Kunst und Kultur eingebunden ist.

Am Studiengang Elektronik/Technische Informatik entsteht "Wo sind die Soldaten?" von Martina Ebel. Die freischaffende Künstlerin hat eine Multimediale Installation entworfen, die sich mit der Thematik des Krieges auseinandersetzt. Was wegen der Aktualität im Golfkrieg nicht immer einfach war, wie Martina Ebel gesteht. Durch das Anlegen von bunter Tarnkleidung werden unterschiedliche Effekte ausgelöst, sobald man sich in einer bestimmten Weise bewegt oder in einen bestimmten Bereich der begehbaren Bühne gelangt. "Wir haben uns auch als Bühnentechniker verstanden", erklärt Prof. Edgar Baeger. Dort werde auf hohem technischem Niveau umgesetzt, was von Seiten der Kunst ästhetisch festgelegt wird. Sein Kollege Prof. Dr. Gerhard Seelmann pflichtet ihm bei: "Wir waren gefordert und haben im Rahmen unserer Möglichkeiten das technische Potenzial voll ausgeschöpft."

Von Ute Sternbacher werden Tonsäulen zu sehen sein, in deren Relief sich einerseits die Spuren der Witterung eingraben, andererseits aber auch ein metallischer Raureif aufgetragen ist. "Wichtig ist mir dabei stets, dass die Oberfläche des Tons sichtbar bleibt", sagte die Künstlerin aus Oberriffingen. Genau das stellte die Oberflächentechnik vor keine geringen Probleme. "Soll die Oberflächenschicht noch sichtbar sein, darf die aufgedampfte Schicht nicht dicker als 40 Nanometer werden", erklärt Prof. Peter Kunz vom Studiengang Oberflächentechnik/Werkstoffkunde.

Den Modellcharakter seiner Werke stellt Alred Bast heraus. Dieser füge sich geschickt in das Ambiente einer Hochschule ein. Der von ihm im Studiengang Fertigungstechnik gestaltete Tisch vermittelt eine Laboratmosphäre. Entscheidend ist, wie durch die Installationen auf dem Tisch Licht und Schatten fallen. "Licht ist für mich ein Dauerthema", sagte der Künstler vom Frauenhof bei Abtsgmünd. Die ausgestellten Formen sind aus Rhythmen der Natur hervorgegangen und in computerisierten Programmen fixiert worden, bevor sie mit einem Hochenergielaser geschnitten wurden. "Bei diesem Herstellungsprozess kommen für mich Spontaneität und Ratio zu einem kreativen Komplex zusammen", so Bast. "Mit unserem Laser können wir nahezu jedes Material schneiden", ergänzt Prof. Dr. Hans-Albrecht Schertel. Mit 106 Watt pro Quadratzentimeter ist die Leistung beim Laser 1.000 Mal höher als beim Schweißen.

Ebenfalls im Studiengang Fertigungstechnik ist das "Ballett der Roboter" von Prof. Helmut Schuster entstanden. Pate stand Prof. Dr. Dietmar Schmid. Die Roboter sind in einer 3,5 Meter hohen Stellage angebracht und werden über verschiedene Excenter von Scheibenwischermotoren angetrieben. Die Roboter bewegen sich nach einer Musik, können aber auch per Internet in ihren Bewegungen beeinflusst werden. Schuster, der gewöhnlich in Öl malt, fertigte eine miniaturisierte Skulptur an, die im Roboterlabor der Fachhochschule vermessen, verrechnet und anschließend großformatig reproduziert wurde. Die fünf tanzenden Roboter wurden letztlich von einem Industrieroboter gefräst.

Als Pionier der Begegnung von Technik und Kunst bezeichnete Prof. Peter Wippenbeck den Künstler Georg Sternbacher. Bereits 1973 entstanden im Labor des Studiengangs Kunststofftechnik der FH Aalen auf rund 30 Objekte aus Polyurethan nach den Vorstellungen des Künstlers. "Die Schwierigkeit künstlerischer Verarbeitung von Polyurethan liegt darin, dass der Schaum binnen weniger Minuten aushärtet", erklärt Prof. Wippenbeck. Georg Sternbacher sei aber stets so spontan und schnell wie souverän auf die Technik eingegangen. 15 Jahre später schuf er weitere 20 Plastiken aus tiefgezogenem Kunststoff.

Helmuth Mayer hat hauptberuflich mit Kunststoff zu tun. Der Absolvent des Studiengangs Kunststofftechnik arbeitet als Laboringenieur an der FH Aalen und ist in seiner Freizeit als Kunstfotograf aktiv. Von ihm werden Ensembles von Fotografien zu sehen sein, die sich einmal der Fachhochschule als fotografisches Objekt annehmen. Aber auch Kunstaufnahmen, die ihren Reiz aus der Technik des Entwickelns der Filme beziehen, gehören zum Repertoire Mayers.

Außerdem zeigt der Studiengang Mechatronik das Werk eines anonymen Künstlers aus der Region. Vor 32.000 Jahren schnitzte dieser im Lonetal aus einem Mammutzahn den Löwenmenschen, der heute im Ulmer Museum ausgestellt wird. Dieses Kunstwerk ist so einzigartig, dass es häufig auf Reisen zu diversen Ausstellungen musste. Nun hat Prof. Dr. Uwe Berger von der FH Aalen berührungslos eine Replik hergestellt, die dem steinzeitlichen Werk die Reisestrapazen erspart. Die originale Vorlage lässt sich am Computertomographen mikroskopisch so genau erfassen, dass selbst Experten Schwierigkeiten haben den echten Löwenmenschen von seiner Nachahmung zu unterscheiden. Neben dem Exponat demonstriert Prof. Dr. Berger auch den Replikationsprozess archäologischer Kulturgüter.

Schließlich werden auf "KunsTechniKultur" die Früchte weiterer Kooperationen mit Museen zu sehen sein. Für das Alamannenmuseum in Ellwangen entstand im Studiengang Technischer Redakteur die Rekonstruktion eines Alamannendorfes. Der von Constance Schulz, Assistentin im Medienlabor, programmierte Rundgang durch das Dorf kann über einen Touchscreen betreten werden. Für das Urweltmuseum in Holzmaden erstellte Prof. Dr. Michael Bauer eine Computeranimation, die filmisch das Leben der Saurier zeigt. "Die Schwierigkeit der am Computer erstellten Animationen liegt darin, dass die Wissenschaftler sehr exakte Vorstellungen im Kopf haben, wie die Welt in der Vorzeit ausgesehen hat", erläutert Prof. Dr. Bauer und ergänzt: "Bis diese aus deren Köpfen auf den Schirm so gebracht sind, dass die Wissenschaftler zufrieden sind, braucht man nicht nur Programmierkenntnisse, sondern auch viel Geduld." Zusätzlich zur virtuellen Reanimierung der Vorzeit werden die Computerinstallationen umrahmt von einer prähistorischen Versteinerung und einem Stuhl aus der Alamannenzeit.

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