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Helmholtz-Vorlesung "Gibt es einen freien Willen? Die Perspektiven der Hirnforschung"

07.06.2003 - (idw) Humboldt-Universität zu Berlin

In Zusammenarbeit mit der Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft
Deutscher Forschungszentren

Helmholtz-Vorlesung an der Humboldt-Universität im Sommersemester 2003

Im Rahmen der Helmholtz-Vorlesungen an der Humboldt-Universität spricht am 12. Juni 2003, um 18.30 Uhr im Kinosaal des Hauptgebäudes Unter den Linden 6 Professor Dr. Dr. Gerhard Roth, Direktor des Instituts für Hirnforschung an der Universität Bremen, zum Thema

GIBT ES EINEN FREIEN WILLEN?
DIE PERSPEKTIVE DER HIRNFORSCHUNG

Gerhard Roth, 1942 in Marburg geboren, studierte zunächst in Münster und Rom Germanistik, Musikwissenschaft und Philosophie - worin er 1969 promovierte. Im Anschluss daran ging er nach Berkeley, um sich in einem zweiten Studium der Biologie zu widmen. Auch hier schloss er mit der Promotion im Fachgebiet Zoologie ab. Seit 1976 hat er die Professur für Verhaltensphysiologie und Entwicklungsneurobiologie an der Universität Bremen inne und ist Direktor des dortigen Instituts für Hirnforschung.
Unter seinen rund 180 Publikationen auf dem Feld der experimentellen und theoretischen Neurobiologie und der Neurophilosophie finden sich zahlreiche Schriften, die die öffentliche Diskussion angeregt haben: so die beiden, bei Suhrkamp erschienenen Bücher Das Gehirn und seine Wirklichkeit sowie Fühlen, Denken, Handeln - wie das Gehirn unser Verhalten steuert. Dabei gilt Roths besonderes Interesse dem interdisziplinären Brückenschlag zwischen den Neurowissenschaften, der Psychologie und den Sozialwissenschaften.
Zwischen den Disziplinen steht auch das Thema seines Vortrags im Rahmen der Helmholtz-Vorlesungen: Die Frage nach der Freiheit des menschlichen Willens, die lange dem Philosophen vorbehalten war, stellt sich nun dem Hirnforscher - der meint sagen zu können: das ist pure Illusion. Ob sie also von freien Individuen geführt wird oder nicht; die anschließende Diskussion verspricht in jedem Fall spannend zu werden:

Wir haben bei unseren Handlungen in der Regel das Gefühl, dass wir als bewusstes, denkendes Ich diese Handlungen durch unseren Willen frei entscheiden und steuern und dass wir auch anders handeln könnten, wenn wir nur wollten. Hieraus ergibt sich die Vorstellung von der Verantwortung für unser Tun, und wir akzeptieren, für dessen Folgen gegebenenfalls zur Rechenschaft gezogen zu werden. Erkenntnisse der Hirnforschung und der Persönlichkeits- und Handlungspsychologie glauben hingegen zeigen zu können, dass dies eine Illusion ist: Das Gehirn entscheidet unbewusst; bewusste Planungen und Entscheidungen haben nur einen beratenden, aber nicht bestimmenden Charakter.
Im Vortrag werde ich prüfen, inwieweit diese Erkenntnisse empirisch zutreffen und philosophisch überzeugend sind, und fragen, was für unser Selbstverständnis und die Verantwortung für unser Tun folgt, wenn dies der Fall ist.

Ausgewählte Veröffentlichungen

- Gerhard Roth: Fühlen, Denken, Handeln. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert. Frankfurt am Main 2001 (5. Aufl. 2002).
- Gerhard Roth: "Hat die Seele in der Hirnforschung noch einen Platz?" Universitas 663, S. 905-920 (2001).
- Gerhard Roth und Michael Pauen (Hg.): Neurowissenschaft und Philosophie. Eine Einführung. Paderborn/München 2001.

Weitere Informationen: www2.hu-berlin.de/helmholtz-vlsg/
Dr. Cornelia Weber, Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik, Telefon: 030/2093-2563, Fax: 2093-1961, e-mail: weber@mathematik.hu-berlin.de

Mit freundlicher Unterstützung der Berliner Zeitung
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