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Das Immunsystem als Ziel für neue Therapiestrategien

09.09.2009 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Immunologie

Die chronische Entzündung gilt als Schlüsselfaktor für die Entstehung vieler Krankheiten, z. B. für rheumatische Autoimmunerkrankungen wie Psoriasis, für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Asthma, multiple Sklerose, Arteriosklerose und andere. Die konventionelle Therapie führt bei vielen dieser Krankheiten nicht zur Heilung der Entzündung, ist häufig nur begrenzt wirksam und mit schweren Nebenwirkungen verknüpft. Professor Joachim R. Kalden, Abteilung für Molekular Immunologie, Nikolaus-Fiebiger-Zentrum für Molekulare Medizin, Universität Erlangen-Nürnberg, stellt Therapieprinzipien auf der Basis monoklonaler Antikörper vor. "Die Entwicklung neuer Therapiestrategien basiert auf unserem gewachsenen Verständnis der Mechanismen der Krankheitsentstehung bei verschiedenen Gruppen chronisch-entzündlicher Erkrankungen", betont Kalden, der auch Direktor Emeritus der Abteilung für Innere Medizin 3 (Rheumatologie und Klinische Immunologie) der Medizinischen Universitätsklinik Erlangen-Nürnberg ist.

Ein großer Teil des Fortschritts der vergangenen Jahre bei der Behandlung von chronisch-entzündlichen und Autoimmunerkrankungen basiert auf der Methode der Herstellung monoklonaler Antikörper, die 1975 von Köhler, Milstein and Jerne veröffentlicht und 1984 mit dem Nobelpreis geehrt wurde. Heute zählen auf der Basis dieser Methode hergestellte therapeutische Antikörper zu den essentiellen Waffen, mit denen Ärzte Krebs, Entzündungen und Infektionen bekämpfen.
"Krankheiten, bei denen monoklonale Antikörper unsere Therapieoptionen signifikant verändert haben, sind z. B. Erkrankungen des rheumatische Formenkreises wie rheumatoide Arthritis, Spondylitis ankylosans oder Morbus Bechterew, Psoriasisarthritis, juvenile idiopathische Arthritis, Psoriasis and chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn", so Kalden. Der Einsatz von monoklonalen Antikörpern oder ihrer Abkömmlinge, so genannter Fusionsproteine, konnte bei vielen dieser Krankheiten nicht nur die fortschreitende Gewebezerstörung aufhalten und die Krankheitsaktivität anhaltend unterdrücken, sondern manchmal sogar die Krankheitszeichen völlig beseitigen. Vor der Einführung dieser neuen Therapieprinzipien führten diese Krankheiten in der Regel sehr frühzeitig zu einer deutlichen Behinderung des Patienten mit der Folge der Arbeits- und Berufsunfähigkeit.

Haupt-Angriffsziel der monoklonalen Antikörper sind proinflammatorische, also entzündungsfördende, Zytokine wie Tumor-Nekrose-Faktor-alpha oder Interleukin-12/Interleukin-23. Erst kürzlich wurde gezeigt, dass auch die B- oder T-Zellen des Immunsystems als potenzielles Ziel für die wirksame Bekämpfung chronisch-entzündlicher Erkrankungen in Frage kommen. Da von den bereits verfügbaren neuen Medikationen nur bis zu 70 % der Patienten profitieren und der Erfolg teilweise begrenzt ist, werden jedoch dringend weitere und noch spezifischere Therapien benötigt. Neue Versuche zielen auf die Interferenz mit intrazellulären Signalwegen, aber auch auf neu zu definierende Moleküle aus der Gruppe der Zytokine und Chemokine sowie auf B- und T-Zellen, die nicht nur als mögliches Angriffsziel von Interesse sind, sondern auch wegen ihrer immunmodulatorischen Fähigkeiten, z. B. als regulatorische T-Zellen.

"Die Einführung monoklonaler Antikörper in die Therapie chronisch-entzündlicher Erkrankungen ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung übertragen werden", betont Kalden.

Neben einem Symposium in Kooperation mit der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und EFIS werden neue Aspekte der Immunintervention in einer Vielzahl von Workshops und Symposien während des Kongresses vorgestellt. "Wir hoffen, dass neue und wirksame Therapiestrategien bald nicht nur für chronisch-entzündliche Erkrankungen verfügbar sein werden, sondern auch für die Behandlung von Krebserkrankungen, insbesondere von Lymphomen und Leukämien, und für Erkrankungen wie Asthma oder Sepsis", so der Wissenschaftler.

EFIS (European Federation of Immunological Societies) ist der Dachverband der nationalen immunologischen Fachgesellschaften in Europa. Zu EFIS zählen 28 nationale Fachgesellschaften in 31 europäischen Ländern mit insgesamt 13.000 Mitgliedern. Gemeinsame Plattform ist der European Congress of Immunology, der all drei Jahre stattfindet - in diesem Jahr unter dem Motto: "Immunity for Life - Immunology for Health" vom 13. bis 16. September in Berlin. Der Kongress bietet über vier Tage ein umfassendes Programm zum aktuellen Wissensstand in der Immunologie. Das Themenspektrum in den mehr als 30 Symposien und 60 Workshops reicht von der Grundlagenforschung bis zur angewandten Immunologie. Im Mittelpunkt stehen die Erkenntnisse zur angeborenen und erworbenen Immunität, die verschiedenen Aspekte immunologischer Erkrankungen sowie die neuesten Möglichkeiten von Immun-Interventionen. Kongresspräsident Professor Reinhold E. Schmidt, Klinik für Immunologie und Rheumatologie der Medizinischen Hochschule Hannover, lädt Journalisten sehr herzlich dazu ein.

Ansprechpartner für Rückfragen:

Prof. Dr. med. Drs. h. c. Joachim R. Kalden

Abteilung für Molekulare Immunologie
Nikolaus-Fiebiger-Zentrum für Molekulare Medizin
Glückstraße 6
91054 Erlangen
Tel: +49 (0)91 31 85 29 314
Email: jkalden@molmed.uni-erlangen.de

Prof. Dr. med. Reinhold E. Schmidt

Klinik für Immunologie und Rheumatologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
Tel: +49-511-532-6656
Fax: +49-511-532-9067

E-Mail: immunologie@mh-hannover.de
Internet: www.mh-hannover.de/kir.html

Dr. med. Julia Rautenstrauch
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