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Biomarker: Das individuelle Alter eines Menschen bestimmen können - Debatte über Ethik

14.09.2009 - (idw) Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Biomarker, mit denen das individuelle Alter eines Menschen und dessen Risiko für Alterserkrankungen festgestellt werden können, stehen im Mittelpunkt einer Alterstagung vom 18. bis 20. September 2009 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Neben den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen stellen sich die Teilnehmer einer Debatte über ihre ethische Verantwortung. Bereits zum vierten Mal findet in Halle eine internationale Alterstagung statt. Vom 18. bis 20. September 2009 treffen sich in der Saalestadt international renommierte Wissenschaftler und Ärzte, die auf diesem Gebiet forschen. Die hallesche Universitätsklinik für Herz- und Thoraxchirurgie (Organisator Professor Dr. Andreas Simm) richtet gemeinsam mit der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III (Kardiologie) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz-, und Gefäßchirurgie (DGTHG), der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) sowie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DKG) die Alternstagung mit dem Thema: "Biomarkers of Ageing: from Molecular Biology to Clinical Perspectives" aus. Es werden etwa 140 Wissenschaftler aus mehr als zehn Ländern teilnehmen, darunter aus Deutschland, USA, Großbritannien, Belgien, Frankreich, Dänemark, Kanada, Russland und Australien. Die Veranstaltung findet im Löwengebäude der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg statt.

In den vergangenen Jahrzehnten hat die Lebenserwartung in den Industriestaaten deutlich zugenommen - und damit auch die Zahl altersbedingter Erkrankungen, wie die des Herz-Kreislaufsystems bzw. Tumorerkrankungen. "Wir wissen über das Altern noch immer zu wenig", beschreibt Prof. Andreas Simm, Forschungsleiter der Universitätsklinik und Poliklinik für Herz- und Thoraxchirurgie, ein Anliegen der Veranstaltung. Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung der Gerontologie (Alternsforschung) sollen mit den Erfordernissen aus der klinischen Praxis verbunden werden.

Schwerpunkt dieser Tagung sind so genannte Biomarker, mit denen das biologische Alter eines Individuums festgestellt werden soll, denn allein chronologische Parameter wie das kalendarische Alter können keine Aussage über die Leistungsfähigkeit sowie das Krankheitsrisiko eines Menschen treffen. Solche Biomarker könnten, so die Hoffnung der Forscher, die individuelle Leistungsfähigkeit bzw. das Risikoprofil anzeigen und gegebenenfalls zugeschnittene Therapien oder Prophylaxen ermöglichen. Derzeit suchen weltweit Forscher nach diesen Biomarkern. Bisher konnten bereits einige Moleküle identifiziert werden, die als Marker für die Alterung dienen könnten.

Doch Professor Simm sieht das Streben der Forscher in einem engen gesellschaftlichen Zusammenhang. Daher ist ein Teil der Tagung ethischen Fragen gewidmet. So werden Soziologen, Philosophen und Geriater über die sozialen Konsequenzen der Erforschung von Biomarkern diskutieren: "Altersparameter könnten beispielsweise bei Versicherungsfragen oder Einstellungskriterien von Unternehmen einen bisher nicht zu kalkulierenden Einfluss nehmen", sagt der hallesche Forscher.

Anlässlich der Tagung erhält der Wissenschaftler Thomas E. Johnson (University of Colorado, Boulder/USA) den Karl-Ludwig Schober-Preis für seine Forschungen auf dem Gebiet der Biomarker. Mit dem Schober-Preis werden renommierte Alternsforscher geehrt. Professor Karl-Ludwig Schober war in den Jahren von 1966 bis 1972 der Direktor der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie in Halle. Er entwickelte 1961/62 die Herz-Lungen-Maschine in der ehemaligen DDR und brachte diese 1962 in der ersten Herz-OP in Halle zum Einsatz. Der Schober-Preis wird zum Auftakt der Tagung am Freitag, 18. September 2009, ab 18 Uhr vergeben. Die Laudatio hält mit Professor Dr. Thomas Rando von der Stanford University (USA) einer der weltweit bekanntesten Alternsforscher.

Zum zweiten Mal können Gymnasiasten aus Halle an der Tagung - die Kongress-Sprache ist Englisch - teilnehmen. Mehr als 50 haben ihr Kommen zur Eröffnungsveranstaltung zugesagt, 14 aus Halle (Latina, Cantor, Elisabeth) und Schulpforta besuchen alle drei Veranstaltungstage. "Sie können so ein neues Wissensgebiet kennen lernen, das die Bereiche Biologie und Medizin verbindet", erklärt Prof. Simm. Die Schüler könnten Eindrücke aus der aktuellen Forschung - von der Grundlagenforschung bis hin zur Arbeit in der Krankenversorgung - gewinnen. Dieser Einblick helfe ihnen bei der künftigen Berufsfindung.


Informationen zu diesem Kongress sind unter: www1.medizin.uni-halle.de/ageing zu finden.

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