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Europas Osten im 20. Jahrhundert

24.09.2009 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Bundesforschungsministerium fördert neues internationales Kolleg der Universität Jena Jena (24.09.09) Die Geisteswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena werden durch eine aktuelle Förderzusage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) weiter gestärkt. Das Ministerium finanziert im Rahmen der "Käte Hamburger Kollegs" das Projekt der Jenaer Historiker "Europas Osten im 20. Jahrhundert. Historische Erfahrungen im Vergleich", wie das BMBF heute (24.09.) bekannt gab. In den nächsten sechs Jahren werden dem internationalen Verbund dafür rd. 7,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt - eine Verlängerung um weitere sechs Jahre ist möglich.

"In der Zeitgeschichte sind wir hier in Jena nun mit dem neuen Kolleg, dem ,Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts' und der Gedenkstätte Buchenwald bundesweit herausragend aufgestellt", freut sich Prof. Dr. Joachim von Puttkamer. Der Lehrstuhlinhaber für Osteuropäische Geschichte wird Direktor des neuen Kollegs und hat gemeinsam mit seinem Warschauer Kollegen Prof. Dr. Wlodzimierz Borodziej, der Co-Direktor und Vorsitzender des internationalen Kuratoriums wird, den grenzüberschreitenden Antrag vorbereitet. Grundlage des Kollegs - und damit des Erfolgs - sind die langjährigen engen Verbindungen, die die Friedrich-Schiller-Universität zu Partneruniversitäten in Osteuropa pflegt. "Das hat sich jetzt wieder ausgezahlt", sagt von Puttkamer, der seit 2003 u. a. eng mit Prof. Borodziej zusammenarbeitet.

"Das neue Kolleg wird einen Ort vergleichender Forschung schaffen und so das wissenschaftliche Gespräch über die historische Erfahrung des östlichen Europas im 20. Jahrhundert auf neue Grundlagen stellen", erläutert von Puttkamer. "Wir wollen zur Versachlichung beitragen, wenn über osteuropäische historische Ereignisse gestritten wird, wie beispielsweise in der letzten Zeit über den Hitler-Stalin-Pakt oder Katy?, und der Mythenbildung entgegentreten", nennt er ein Ziel des Großprojekts. Denn bisher beherrscht die zeithistorische Forschung oft ein "Duktus nationaler Opfererfahrung, der längere historische Entwicklungslinien verzerrt und einen einordnenden Vergleich verweigert, da die jeweils eigenen Erfahrungen paradigmatisch für die gesamte Region gesehen werden", weiß Prof. von Puttkamer.

Das Kolleg wird sich vor allem mit vier Themenbereichen beschäftigen: Diktatur, Krieg, Gewalt; Ausprägungen von Staatlichkeit; Umbrüche zur Moderne sowie Selbst- und Fremdwahrnehmung in Europa. Die Ergebnisse wollen die bis zu zehn Fellows des Kollegs - renommierte Zeithistoriker aus aller Welt, die im Kolleg große Freiräume für ihre Forschung erhalten - nicht nur auf den gängigen Wegen, wie Fachartikel und Tagungen, in die Öffentlichkeit bringen. Das neue Kolleg plant ein Handbuch zum Thema und ein Forschungsportal im Internet, auf dem die Ergebnisse alle Interessierten erreichen und von ihnen diskutiert werden können. Gerade diese öffentlichen Diskussionen sind den Jenaer Historikern wichtig, "da nur durch das Wissen über und die Akzeptanz der anderen historischen Erfahrungen im östlichen Europa endlich der Schritt zu einer europäischen Einigung gelingen kann", ist sich Joachim von Puttkamer sicher.

Von dem neuen Kolleg "werden auch die Friedrich-Schiller-Universität und unsere Studierenden profitieren", verspricht der Historiker. Es soll öffentliche Veranstaltungen zu den Kollegthemen und mit den Fellows geben. Auch das Graduiertenkolleg "Kulturelle Orientierungen und gesellschaftliche Ordnungsstrukturen in Südosteuropa" der Universität Jena wird mit dem neuen Kolleg verknüpft.

Das BMBF hat nun neun von zwölf geplanten "Käte Hamburger Kollegs" in den Geisteswissenschaften bewilligt. Die Namenspatronin des Programms wurde 1896 in Hamburg geboren. Käte Hamburger wurde im Fach Philosophie an der Universität München promoviert, emigrierte 1934 nach Schweden und kehrte 1956 aus dem Exil nach Stuttgart zurück, wo sie sich 1956 mit dem Werk "Die Logik der Dichtung" habilitierte. Mit diesem Werk schuf Käte Hamburger ein Standardwerk der deutschen Literaturwissenschaft, das national und international große Resonanz erzeugte.


Kontakt:
Prof. Dr. Joachim von Puttkamer
Historisches Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fürstengraben 13
07743 Jena
Tel.: 03641 / 944461
E-Mail: joachim.puttkamer[at]uni-jena.de
Weitere Informationen: http://www.uni-jena.de
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