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FH Jena fertigte Stadtteilanalyse an: Im Winzerlaer Neubaugebiet ist Nachbarschaftssinn ausgeprägt

12.06.2003 - (idw) Fachhochschule Jena

Nach den Untersuchungen über Lobeda West und Ost hat Prof. Dr. Ulrich Lakemann von der Fachhochschule Jena gemeinsam mit der Diplom-Sozialpädagogin Annette Elsner nun eine neue Stadtteilanalyse vorgelegt. Diesmal geht es um Winzerla.
Die Studie basiert auf einer flächendeckenden, in Alter und Geschlecht mit geringen Einschränkungen repräsentativen Befragung von insgesamt 337 Bewohnern Winzerlas. Diese quantitativen Daten wurden ergänzt durch 21 qualitative Expertengespräche.
Trotz aller auch zukünftig sicherlich stattfindender sozialstruktureller Veränderungen ist für Winzerla ein großer Vorteil, dass mehr als die Hälfte der Befragten seit mindestens zehn Jahren dort lebt. Dies hat zahlreiche positive Entwicklungen zur Folge:
· In Winzerla gibt es kaum Hinweise auf eine Anonymisierung sozialer Beziehungen. Zahlreiche Kontakte in unterschiedlichem Ausmaß von gegenseitigem Grüßen bis vielfältigen Unterstützungen konnten zwischen Nachbarn festgestellt werden. Vor allem im "Altneubaugebiet" sind diese stark ausgeprägt. Vereinzelte Konflikte liegen im Bereich des Normalen und der weitaus größte Teil der Befragten ist mit seinen Nachbarschaftsbeziehungen zufrieden.
· Eine weitere Stärke Winzerlas liegt im Selbsthilfepotenzial. Immerhin mehr als ein Viertel kann sich vorstellen, gemeinsam mit anderen etwas für Winzerla zu tun. Für die Zukunft gilt es, mittels geeigneter Methoden diese Selbsthilfeabsichten in reale Selbsthilfeaktivitäten zu überführen.
· Eine dritte grundsätzliche Stärke des Wohngebiets ist die insgesamt hohe Identifikation mit Winzerla. Die folgende Grafik zeigt, dass fast 60 % auch in Zukunft in Winzerla leben möchten und nur knapp 7 % "so schnell wie möglich weg" wollen. Ein Umzugswunsch ist allerdings schwerpunktmäßig bei jüngeren Bewohnern und Familien festzustellen. Sollten diese ihre Wünsche realisieren, zeichnen sich problematische Tendenzen zu einer bevölkerungsstrukturellen Entmischung ab.
· Eine vierte Stärke des Wohngebiets liegt in den Potenzialen seiner Freiflächen. Der größte Teil der Bewohner ist der Ansicht, dass Winzerla über genügend Grünflächen verfügt. Auch die "Wasserachse" wird vom allergrößten Teil der Bevölkerung grundsätzlich angenommen.
Probleme bestehen allenfalls in der Freiflächennutzung. Verschmutzung und Zweckentfremdung der öffentlichen Anlagen, Spielplätze und Grünflächen wurden in verschiedensten Facetten immer wieder beklagt. Klar geworden ist auch das immense Defizit an Parkplätzen im Stadtteil, wobei echte Lösungen nicht erkennbar sind.
Auch mit Blick auf die Freizeitsituation im Stadtteil zeigen die Daten eher Schwächen des Wohngebiets, die allerdings von den Bewohnern aufgrund der verkehrstechnisch vorteilhaften Anbindung an das Stadtzentrum nicht grundsätzlich problematisch gesehen werden.
Mit Blick auf die Situation von Kindern und Jugendlichen im Stadtteil nennen Bewohner und Experten allerdings klare Probleme. Die Zahl und Qualität von Freizeitflächen für Kinder und Jugendliche reichen nicht aus. Hierzu wurden detaillierte Verbesserungswünsche formuliert. Die Winzerlaer zeigen sich grundsätzlich gegenüber den Kindern und Jugendlichen des Stadtteils aufgeschlossen. Nur wenige Jugendgruppen verursachen Angst. Die Stadtteilanalyse konnte in diesem Zusammenhang auch die Dimensionen der Furcht vor Kriminalität in Relation zu einzelnen Teilregionen des Stadtteils aufzeigen. Sicherlich sind nicht nur in dieser Hinsicht flankierende politische Entscheidungen erforderlich. Grundsätzlich zeigte sich eine gewisse Unsicherheit in der Einschätzung von Kommunalpolitik und Ortschaftsrat, wobei dem Ortschaftsrat vergleichsweise mehr zugetraut wurde.

Insgesamt zeigt die Studie Winzerla als einen Stadtteil mit vielen Stärken aber auch Schwächen. Es wird in Zukunft wesentlich von grundsätzlichen kommunalen und gesellschaftlichen Entwicklungen abhängen, ob sich eher die Stärken oder die Schwächen durchsetzen werden. Angesichts der zahlreichen Potenziale, die der Stadtteil hat, können heute noch viele drohende Fehlentwicklungen aufgefangen werden. Hier bewusst gegenzusteuern und mit den Stärken Winzerlas zu arbeiten ist eine wichtige Zukunftsaufgabe.

Die Stadtteilanalyse ist gegen einen Selbstkostenpreis in Höhe von 4,- Euro im Stadtteilbüro Winzerla zu bekommen oder kostenlos im Internet unter www.lakemann.com.
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