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Die neurologische Versorgung der Patienten sichern - Verdoppelung der Patientenzahlen

26.09.2009 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Neurologie

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie weist auf eine drohende Unterversorgung von Patienten mit Erkrankungen des Nervensystems hin - also Menschen mit Schlaganfall, Demenzen wie Alzheimer, mit Parkinson, Epilepsie, Multiple Sklerose und anderen chronischen Krankheiten. Dies geht aus einer erstmals erstellten Datensammlung hervor, die auf der DGN-Jahrestagung in Nürnberg vorgestellt wurde. Gleichzeitig kündigten die Neurologen eine Initiative zur Nachwuchswerbung an. Die Zahl neurologisch erkrankter Patienten steigt rasant an und die Therapiemöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Neurologen sind zudem in fast allen Notfallabteilungen unverzichtbar, weil sie heute als Spezialisten zum Beispiel für Schlaganfälle, epileptische Anfälle, unklare Bewusstseinsstörungen, Schmerz- oder Schwindelerkrankungen eingesetzt werden. In den Neurologien trifft heute jeder zweite Patient als Notfall ein, in einzelnen Kliniken beträgt dieser Anteil bereits 80 Prozent. Die Neurologie hat sich auf diese Weise von einer früher eher diagnostisch orientierten hin zu einer dynamischen und innovativen therapeutischen Fachdisziplin entwickelt.

Aber viele Kliniken suchen händeringend nach Personal, die Zahl der Stellenangebote hat sich im Bereich der Akutkliniken innerhalb von drei Jahren verdoppelt. "Im ambulanten Bereich müssen Patienten oft wochen- und monatelang auf Termine warten", betonte Prof. Dr. med. Heinz Reichmann, erster Vorsitzender der DGN. Gleichzeitig kündigte er eine Imagekampagne und Initiativen zur Nachwuchsförderung an. "Die Weichen müssen jetzt gestellt werden, denn alleine durch die Alterung der Bevölkerung wird die Zahl der neurologischen Erkrankungen in den kommenden Jahren weiter deutlich steigen", so Reichmann.

"Deutschland behält die Nerven"

Die Versorgung dieser Patienten ist damit eine Aufgabe, für die die Neurologie auch die Unterstützung der Gesellschaft benötigt. Die DGN kündigte an, ab kommendem Jahr mit einer Kampagne unter dem Motto "Deutschland behält die Nerven" selber aktiv den Nachwuchsmangel anzugehen. Das Profil der Neurologie soll in der Öffentlichkeit geschärft und der Nachwuchs - etwa durch eine "Campus Tour" und internetgestützte Wissensvermittlung - für diese Fachdisziplin begeistert werden.

Strukturdaten - erstmals als Sammlung veröffentlicht

In Deutschland arbeiteten Ende 2008 insgesamt 4238 Fachärzte für Neurologie, davon rund zwei Drittel im stationären Bereich, der 449 neurologische Kliniken umfasst. In diesen wurden im Jahr 2007 mehr als 900.000 Fälle behandelt, zehn Jahre zuvor waren es nur etwa 500.000 - ein Anstieg um rund 80 Prozent. Der größte Zuwachs an neurologischen Erkrankungen ist bei den über 65-jährigen Menschen zu erwarten, die heute etwa 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen, im Jahr 2050 aber voraussichtlich deutlich mehr als 30 Prozent. In dieser Altersklasse steigen auch die Kosten, die neurologische Erkrankungen verursachen, deutlich an.

Diese stark wachsenden Patientenzahlen und die nicht im gleichen Maße gestiegenen Bettenzahlen in neurologischen Einrichtungen führen dazu, dass die Verweildauer in den neurologischen Kliniken zurückgeht, wie beispielweise von 2003 bis 2005 um 17 Prozent von 11 auf 9,1 Tage pro Patient. Über alle Fachrichtungen hinweg betrug der Rückgang im gleichen Zeitraum lediglich 6,5 Prozent.

Die gängige Statistik verfälscht das Bild von der Neurologie

Die Bedeutung der Neurologie in der Medizin wird unterschätzt, betont die DGN. Die Leistungen des Fachgebiets seien in der Statistik versteckt. Nach dem üblichen Klassifizierungskatalog, dem ICD-10, verursacht der Bereich "Krankheiten des Nervensystems" pro Jahr 3,38 Mio. Arbeitsunfähigkeitstage. Tatsächlich aber finden sich allein im Bereich Krankheiten des "Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes" weitere rund 18 Mio. Arbeitsunfähigkeitstage pro Jahr, die von Krankheiten herrühren, die von Neurologen behandelt werden. Solche Unzulänglichkeiten bei der Analyse der aktuellen Lage hatte die DGN dazu veranlasst, eine eigene, spezifisch für die Neurologie aufbereitete Datensammlung anzufertigen.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 6000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist die Bundeshauptstadt Berlin.


Pressestelle der DGN: Tel: 089 46148622, E-Mail: presse@dgn.org, Pressesprecher: Hans-Christoph Diener, Essen

Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.:
Geschäftsstelle, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin, Tel: 030 531437930, info@dgn.org
Geschäftsführer: Prof. Dr. med. O. Busse
1. Vorsitzender Prof. Dr. med. Heinz Reichmann
Weitere Informationen: http://www.dgn.org Download der Broschüre "Strukturdaten Neurologie" auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
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