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Mehr als 100 Orthopädische Kliniken beteiligen sich an Hilfsaktion

12.06.2003 - (idw) Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Vor einem Jahr wurde in Magdeburg an der Orthopädischen Universitätsklinik bundesweit die erste polnische Patientin im Rahmen der Initiative deutscher Orthopäden "Aktive Solidarität - Hilfe für ehemalige Zwangsarbeiter" kostenlos behandelt. Etwa einhundert Kliniken aus Deutschland haben sich bislang bereit erklärt, diese Hilfsaktion zu unterstützen, auch Kliniken in Österreich haben sich angeschlossen. In den vergangenen Monaten konnte im Rahmen dieser Initiative bereits über einhundert Menschen geholfen werden.

Professor Wolfram Neumann, Direktor der Orthopädischen Uni-Klinik Magdeburg, hatte im Oktober 2001 als damaliger Kongresspräsident auf dem Deutschen Orthopädenkongress in Berlin die Aktion "Aktive Solidarität" ins Leben gerufen: "Damit wollten auch wir uns als Ärzte mit einer ganz konkreten Hilfe an der Entschädigung der ehemaligen Zwangsarbeiter des NS-Regimes beteiligen." Die Initiatoren möchten mit dieser Aktion als Zeichen der Solidarität etwas zur Versöhnung mit den Völkern Mittel- und Osteuropas und vor allem zur Abtragung der Schuld gegenüber den Menschen, denen im Dritten Reich so viel Leid zugefügt wurde, beitragen können.

Mit der Initiative "Aktive Solidarität" sind ehemalige Zwangsarbeiter des NS-Regimes angesprochen, die nachweislich bedürftig sind und sich in einer wirtschaftlichen Notlage befinden. Ihnen wird im Rahmen dieser Initiative die Möglichkeit gegeben, sich kostenlos in deutschen Kliniken operieren und bei entsprechenden Verschleißerscheinungen künstliche Gelenke, wie beispielsweise Knie- oder Hüftendoprothesen, einsetzen zu lassen. Die Prüfung der Hilfsbedürftigkeit erfolgt jedoch grundsätzlich über Partnerorganisationen vor Ort und auf Empfehlung zur Operation durch Fachkollegen des Heimatlandes.

Doch bevor Ende Juni vergangenen Jahres die erste Patientin, eine 78-jährige Polin, im Rahmen der Initiative "Aktive Solidarität" an der Magdeburger Uni-Klinik operiert werden konnte, galt es, Partner zu finden und eine Vielzahl rechtlicher, finanzieller und organisatorischer Fragen zu klären. Dank der Unterstützung vieler Verbündeter geht die Hilfsaktion seitdem mit großem Erfolg voran. Etwa 150 ehemaligen Zwangsarbeitern aus Mittel- und Osteuropa wurde in den vergangenen Monaten in Deutschland oder Österreich bereits eine Hüft- oder Knieendoprothese implantiert bzw. eine Operation steht unmittelbar bevor. Zahlreiche Anfragen liegen noch vor.

Vom Koordinierungszentrum an der Orthopädischen Uni-Klinik Magdeburg erfolgt die Auswahl und Weiterleitung der Patienten an die einladende deutsche Klinik. Drei bis fünf Patienten wollen die Kliniken, die sich an dieser Initiative beteiligen, im Jahr behandeln. Alle Kosten der Operation werden auf Grundlage eines Solidarpaktes zwischen Implantat-Herstellern, den Ärzten und Schwestern der Orthopädischen Kliniken, die außerhalb ihres vereinbarten Operationsumfanges zusätzlich diese Operation durchführen werden, sowie den Krankenhausträgern, die den Aufenthalt unterstützen, getragen.

Vor kurzem hat Agata Brzoza die Stelle der Projektkoordinatorin der Aktion "Aktive Solidarität" im Koordinierungszentrum übernommen. In dieser Funktion ist sie verantwortlich für die ganze organisatorische und weitgehend auch verwaltungstechnische Abwicklung des Projektes. Dazu gehört vor allem der Ausbau der Kontakte zu den Partnerorganisationen, wie Initiativkliniken, Stiftungen in den jeweiligen Heimatländern der Kandidaten für orthopädische Operationen und die Zusammenarbeit mit der Bundesstiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft", aber auch die Unterstützung der Patienten.
Die gebürtige Polin hat in ihrer Heimat ein Germanistikstudium absolviert und lebt seit 2001 in Magdeburg. Ihre berufliche Erfahrung in Deutschland hat sie im Verein Miteinander e. V. gesammelt, wo sie anfangs als Praktikantin und später als wissenschaftliche Referentin tätig war. Künftig möchte die 26Jährige ihr ganzes Engagement, ihre Kenntnisse und bislang gesammelten Erfahrungen als Projektkoordinatorin im Rahmen der Aktion "Aktive Solidarität" einbringen.

Bei Rückfragen:

Agata Brzoza
"Aktive Solidarität" (Projektkoordinatorin)
Orthopädische Universitätsklinik
Leipziger Straße 44
D-39120 Magdeburg
Tel.: 0049/391/67 14007
Fax: 0049/391/67 14028
e-mail: Agata.Brzoza@medizin.uni-magdeburg.de

Prof. Dr. med. Wolfram Neumann
Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Leipziger Str. 44
D-39120 Magdeburg
Tel. 0391/67 14000
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