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RUB-Wissenschaftler holt den Hermann vom Sockel: Heldenschöpfer Ulrich von Hutten schrieb ironisch

01.10.2009 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Arminius entzaubert

Bisher galt der deutsche Humanist Ulrich von Hutten (1488-1523) als Urheber des Arminius-Kults und des Mythos vom deutschen "Nationalhelden". Der Bochumer Literaturwissenschaftler Prof. Reinhold Glei weist jetzt in einer Studie, die pünktlich zum 2000-jährigen Jubiläum der Varus-Schlacht erschienen ist, erstmals nach, dass Hutten ein eher ironisches Arminius-Bild gezeichnet hat. Nachzulesen ist die vollständige Argumentation in einem gerade erschienenen Sammelband eines Bochumer Kolloquiums über den Ironiebegriff. Nach dem Vorbild des Spötters Lukian

In seinem wohl zu Studentenzeiten in Italien (1515-17) verfassten Dialog "Arminius" lässt Hutten den Cheruskerfürsten in der Unterwelt auf die berühmten antiken Feldherren Alexander, Hannibal und Scipio stoßen. Die drei waren bereits Gegenstand eines Dialogs des von den Humanisten verehrten Sophisten Lukian (2. Jh. n. Chr.) gewesen, wo sie sich in komisch-ironischer Weise über den Vorrang gestritten hatten. Bei Hutten kommt nun Arminius hinzu und beansprucht seinerseits den ersten Platz unter den Feldherren.

Ungehobelter Machtmensch

Durch zahlreiche komische Elemente - Arminius wird z.B. als besonders unhöflicher und ungehobelter Barbar eingeführt - trifft Hutten sehr genau den Geist des Spötters Lukian, was auch zu einer deutlichen Ironisierung der Arminius-Gestalt führt. So lässt der Unterweltsrichter den römischen Historiker Tacitus als Zeugen aufrufen und aus den "Annalen" vorlesen, die 1515 erstmals im Druck erschienen waren. Peinlicherweise liest Tacitus die Stelle vor (Buch 2, Kap. 88), in der Arminius zwar als "Befreier Germaniens" erscheint, aber auch berichtet wird, dass er später wegen maßlosen Machtstrebens einer Intrige seiner eigenen Verwandten zum Opfer fiel. "Auch die antiken Feldherren rücken das aufgeblasene Selbstlob des Arminius gründlich zurecht", erklärt Prof. Glei: "Alexander z.B. wirft ihm vor, dass er als Römer mit germanischem Migrationshintergrund seine (neuen) Mitbürger nicht hätte verraten dürfen. Sieht so ein deutscher Nationalheld aus?"

Titelaufnahme

"Ironie. Griechische und lateinische Fallstudien", hrsg. von Reinhold F. Glei. Trier 2009 (Bochumer Altertumswissenschaftliches Colloquium, Bd. 80)

Weitere Informationen

Prof. Dr. Reinhold F. Glei, Seminar für Klassische Philologie der RUB, Tel. 0234/32-22761, reinhold.glei@rub.de

Redaktion: Meike Drießen

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