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"Homunculus" als Buch erschienen

12.06.2003 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

"Homunculus * Der Mensch aus der Phiole" hieß ein Symposium der Goethe-Gesellschaft mit zahlreichen Rednern aus der Universität Heidelberg - Edition Mnemosyne legt nun das Buch vor - Herausgeber: Letizia Mancino-Cremer und Dieter Borchmeyer

Die Idee, einen Menschen unter Umgehung des Geschlechtsakts herzustellen, gehört zu den ältesten Wunsch- und Angstträumen der Menschheit. Auch Goethes Dichtung kreist wiederholt um das Thema des künstlichen Menschen. Das gab die Anregung zu einem interdisziplinären Symposium, das von der Goethe-Gesellschaft Heidelberg im Februar 2002 anlässlich ihres fünfunddreißigjährigen Bestehens in der Heidelberger Akademie der Wissenschaften veranstaltet wurde. Jetzt liegt "Homunculus" als Buch vor.

Im Zeichen der Naturforschung Goethes, seiner ganzheitlichen Erfassung der Natur und des Menschen, sollte mit der "Homunculus"-Tagung ein Brückenschlag zwischen Natur- und Geisteswissenschaften versucht werden. Die Forschung am menschlichen Genom und ihre therapeutischen Anwendungen bildeten die Grundlage für die Erörterung ihrer religiösen, ethischen, sozialen und rechtlichen Implikationen. Der vorliegende Band dokumentiert die Vorträge dieser Tagung, die von Mitgliedern und Freunden der Heidelberger Goethe-Gesellschaft getragen wurde.

Das Symposium bot Gelehrten der Universität Heidelberg aus fünf Fakultäten ein interdisziplinäres Diskussionsforum - ein glückliches und dem Universalismus Goethes gemäßes Ereignis. Leider enthält dieser Sammelband nur die Vorträge, nicht aber die lebhaften, die Fachgrenzen immer wieder überschreitenden Diskussionen der Tagung. So stehen die einzelnen Beiträge als etwas isolierte Festungen ohne die kommunikativen Brücken da, welche die Podiums- und Publikumsdebatten zwischen ihnen legten. Nicht zuletzt daher - und um in dem veröffentlichten Band das ganze Spektrum von Positionen, die heute zur Frage der Humangenetik vertreten werden, deutlicher zu machen - wurden einige Wissenschaftler, die der Goethe-Gesellschaft und der Universität Heidelberg angehören oder besonders nahestehen, gebeten, ihre Stellungnahme zu den auf dem Symposium behandelten Problemen in einem zusätzlichen Beitrag vorzustellen, der jene kommunikativen Brücken der Tagung auch für den Leser dieses Bandes sichtbarer zu machen sucht.

Die Diskussion zwischen Natur- und Geisteswissen-schaftlern über die zentralen Fragen der Humangenetik steckt noch in den Kinderschuhen. Im Wintersemester 2001/2002, also zur gleichen Zeit wie die Tagung der Goethe-Gesellschaft, fand im Rahmen des Studium Generale der Universität Heidelberg eine (inzwischen veröffentlichte) Vorlesungsreihe unter dem Titel "Wider die Natur" statt, welche dem Missstand der Sprachlosigkeit zwischen den Fächern - zumal zwischen den beiden "Kulturen" der Natur- und Geisteswissenschaft - in unserem arbeitsteiligen, hoch spezialisierten Wissenschaftsbetrieb zu begegnen suchte. Eben das war auch das Ziel der Tagung der Goethe-Gesellschaft. Deren Dokumentation (mit den zusätzlichen Beiträgen) führt Wissenschaftler aus verschiedenen physikalischen, biologischen und medizinischen Disziplinen, aus Theologie, Philosophie, Soziologie, Psychologie, Jurisprudenz und Philologie zusammen, in der Hoffnung, damit eine wichtige Anregung für den interdisziplinären Dialog über eine zentrale Frage unserer Gesellschaft zu bieten.

Der Band, der von Letizia Mancino-Cremer und Dieter Borchmeyer herausgegeben wurde, enthält Beiträge von Manfred Osten (Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung), Antony D. Ho, Renato Paro, Christoph Cremer, Friedrich Vogel, Waldemar Schreckenberger, Adolf Laufs, Wolfgang Huber, Johannes Reiter (Uni Mainz), Ludwig Janus, Robert Weimar, Uta Gerhardt, Brigitta von Wolff-Metternich und Robert Spaemann (Karl-Jaspers-Preisträger der Universität Heidelberg).

Im Anhang des Buches finden sich ausführliche Kurzbiographien der beteiligten Autoren.

Inhaltsverzeichnis

Dieter Borchmeyer und Letizia Mancino-Cremer
Geleitwort

Manfred Osten
Goethes künstlicher Mensch
Zur Modernität des Goetheschen Homunculus

Antony D. Ho
Stammzellen: der Stoff, aus dem die Hoffnung wächst

Renato Paro
Das Formatieren des genetischen Textes

Christoph Cremer
Die Geometrie des Lebens
Zellkernstruktur und Genaktivität

Friedrich Vogel
Der Wirbel um die Sequenzierung des menschlichen Genoms

Waldemar Schreckenberger
Grenzen der Wissenschaft
Ein Beitrag zu der humangenetischen Forschung

Adolf Laufs
Die künstliche Reproduktion des Menschen und die Juristen

Wolfgang Huber
Darf der Mensch einen Menschen nach eigenem Bilde schaffen?

Johannes Reiter
"Geschaffen, nicht gezeugt": Kinder aus dem Labor

Ludwig Janus
Der psychologische Einfluß auf die Werdens-bedingungen des Kindes

Robert Weimar
"Menschenzüchtung"?
Psychologische und anthropologische Aspekte

Uta Gerhardt
Metapher Homunculus
Das gesellschaftliche und soziologische Bedeutungs-feld der Humangenetik

Brigitta-Sophie von Wolff-Metternich
"Mache dich vollkommener, als die bloße Natur dich schuf..."
Kants Rolle in der aktuellen bioethischen Debatte

Robert Spaemann
Die Herausforderung des ärztlichen Berufsethos

durch die medizinische Wissenschaft

Letizia Mancino-Cremer und Dieter Borchmeyer (Hg.):
HOMUNCULUS * Der Mensch aus der Phiole
Symposium der Goethe-Gesellschaft Heidelberg
Reihe 'GegenSatz', Band 6 Edition Mnemosyne, Neckargemünd und Wien 2003, ISBN 3-934012-17-5 288 Seiten Hardcover 29.- E


Rückfragen bitte an:
Edition Mnemosyne, Wolfgang M. Schwiedrzik
Tel. 06223 809360, Fax 06223 2108
edition@mnemosyne.de

Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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