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Gesprächsreihe POLIS EUROPA Peinliche Jubiläen - Vom Nutzen und Nachteil der Gedenktage

13.10.2009 - (idw) Klassik Stiftung Weimar

Antje Vollmer und Adolf Muschg im Gespräch mit Irina Liebmann und Jens Reich am 18.10.09
Anregende und unterhaltsame Diskussionsrunden bietet seit November 2006 die vom Deutschen Nationaltheater Weimar und der Klassik Stiftung Weimar gemeinsam veranstaltete politisch-kulturelle Gesprächsreihe POLIS EUROPA. Der Umgang mit Jubiläen und Gedenktagen sowie ihre Bedeutung für die Gesellschaft ist Gegenstand der ersten Gesprächs¬runde am kommenden Sonntag, 18. Oktober 2009, um 11 Uhr, im Foyer I des DNT Weimar. Auch in dieser Spielzeit werden Antje Vollmer und Adolf Muschg wieder mit prominenten und eloquenten Gästen aus Politik, Kultur und Medien zu gesellschafts- und zeitbezogenen Themen in den Dialog treten.
20 Jahre Mauerfall, 60 Jahre Grundgesetz, 90 Jahre Weimarer Nationalversammlung. Das Jahr 2009 ist reich an Jubiläen. Überhaupt scheinen Gedenktage und Gedenkreden, Denkmäler und Gedenkstätten hoch im Kurs zu stehen. Nicht alles gelingt, nicht alles wird dauerhaft mit Leben erfüllt. Trotzdem sind Gedenkzeremonien ein Seismograph für die gesellschaftliche Selbstver¬ständigung zwischen Vergangenheit und Zukunft. Was erfahren wir über uns selbst bei all diesen Erinnerungsritualen? Darüber diskutieren Antje Vollmer und Adolf Muschg an diesem Vormittag mit der Schriftstellerin Irina Liebmann und dem Bürgerrechtler Jens Reich.

Irina Liebmann wurde 1943 als Tochter des emigrierten deutschen Journalisten Rudolf Herrnstadt und der russischen Germanistin Valentina Herrnstadt in Moskau geboren. Nach der Rückkehr ihrer Familie 1945 nach Deutschland verbrachte sie ihre Kindheit und Jugend in Ostberlin, Merseburg und Halle/Saale. Von 1991 bis 1966 studierte sie in Leipzig Sinologie und arbeitete nach dem Abschluss ihres Studiums als Redakteurin für die Zeitschrift Deutsche Außenpolitik im Ressort Entwicklungsländer. Seit 1975 ist Irina Liebmann freie Schriftstellerin und schrieb bis 1979 für die Ost-Berliner Zeitschrift Wochenpost zahlreiche Alltagsreportagen. Im Jahr 1988 siedelte sie mit ihrer Familie nach Westberlin über. Ihr erstes Buch Berliner Mietshaus erschien bereits 1982. Neben Erzählprosa und Reportagen darunter die Romane "Mitten im Krieg" (1989), "In Berlin" (1994) und "Die freien Frauen" (2004) sowie "Letzten Sommer in Deutschland" (1997) veröffentlichte sie auch Kinderbücher, Theaterstücke, Lyrik und Hörspiele. Für ihr literarisches Schaffen wurde Irina Liebmann u.a. mit dem Aspekte-Literaturpreis (1989), dem Förderpreis zum Bremer Literaturpreis (1990), der Ehrengabe der Deutschen Schillergesellschaft (1996) und dem Berliner Literaturpreis (1998) ausgezeichnet. Für die Biographie ihres Vaters "Wäre es schön? Es wäre schön! Mein Vater Rudolf Herrnstadt" erhielt sie 2008 zudem den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch.

Der Naturwissenschaftler und Radikaldemokrat Jens Reich, geboren 1939 in Göttingen, war führender Vertreter der Bürgerbewegung der ehemaligen DDR. Nach seinem Medizinstudium an der Berliner Humboldt-Universität Medizin arbeitete er in der Forschung und wurde 1979 zum Professor berufen. In den frühen 80er Jahren schloss er sich der politischen Oppositionsbewegung an. Aufgrund seines Kontakts zu Oppositionsgruppen in Polen, der CSSR und der Sowjetunion

verlor er 1984 die Leitung seiner Forschungsabteilung. Unter dem Pseudonym Thomas Asperger veröffentlichte er in "Lettre international" und im "Osteuropa-Forum" kritische Artikel zur politischen Lage der DDR. Im September 1989 gehörte Jens Reich zu den Mitbegründern des "Neuen Forums" und war von März bis Oktober 1990 Abgeordneter der Oppositionsgruppen in der letzten (frei gewählten) Volkskammer der DDR. 1994 kandidierte er parteiunabhängig für das Amt des Bundespräsidenten. Von 1998 bis 2004 war er neben seiner Forschungsarbeit Universitätspro¬fessor an der Medizinischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin, Universitätsklinikum (Charité). Gegenwärtig arbeitet er am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin. Darüberhinaus ist er Mitglied des Deutschen Ethikrates. Jens Reich verfasste über 70 wissen¬schaftliche Publikationen, zahlreiche Essays über die Genforschung und veröffentlichte mehrere Bücher darunter "Rückkehr nach Europa" (1991), "Abschied von den Lebenslügen" (1992) und "Es wird ein Mensch gemacht - Möglichkeiten und Grenzen der Gentechnik" (2003). Für seine publizistische Arbeit und sein demokratisches Engagement wurde Jens Reich u.a. mit dem Theodor-Heuss Preis (1991), der Lorenz-Oken-Medaille der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (1996) und dem Nationalpreis der Deutschen Nationalstiftung (2000) ausgezeichnet.

Die Gesprächsreihe POLIS EUROPA ist eine Veranstaltung des Deutschen Nationaltheaters Weimar und der Klassik Stiftung Weimar mit freundlicher Unterstützung des Förder- und Freundeskreises Deutsches Nationaltheater & Staatskapelle Weimar e.V. sowie des Hotel Elephant Weimar.


Weitere Veranstaltungen der Reihe in dieser Spielzeit:
13.12.2009: Kritik der zynischen Vernunft
18.04.2009: Zukunft von Bild und Schrift
Weitere Informationen: http://www.nationaltheater-weimar.de http://www.klassik-stiftung.de
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