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"Bildung braucht Gesundheit"

14.10.2009 - (idw) Fachhochschule Jena

Erfolgreiche 1. Fachtagung an der FH Jena (14. Oktober 2009) Zum ersten Mal fand am 8. Oktober eine interdisziplinäre Fachtagung zum Thema "Bildung braucht Gesundheit" in Thüringen statt. Der Studiengang Augenoptik/ Optometrie der Fachhochschule Jena hat in Zusammenarbeit mit dem Hessischen und Thüringischen Kultusministerium Interessierte eingeladen, die sich mit Kindern, Bildung und Gesundheit beschäftigen. Mit über 160 Teilnehmern verschiedener Fachdisziplinen aus ganz Thüringen und darüber hinaus war die 1. Fachtagung ein voller Erfolg. Der Teilnehmerkreis setzte sich aus Pädagogen, Erziehern, Therapeuten, Ärzten und Studierenden der Optometrie sowie Kollegen und Mitarbeitern der FH Jena zusammen.

Ein attraktives und praxisnahes Vortrags- sowie Workshopprogramm weckten ein großes Interesse unter den Teilnehmern. Außerdem wurde die Tagung für einen regen interdisziplinären Erfahrungsaustausch genutzt. Weitere Projekte und Tagungen auf diesem Gebiet sind geplant.

Die Tagung richtete sich in erster Linie an Lehrer, jedoch waren unter den Gästen auch Ärzte, Erzieher und Therapeuten. Die Eröffnung der Tagung erfolgte durch Prof. Dr. Stephan Degle, den neuen Professor für Ophthalmologische Optik und Optometrie an der FH Jena, der sich sehr über die rege Teilnahme freute - hatte der Studiengang doch anfänglich nur mit ca. 30 interessierten Lehrern gerechnet.
Die Rektorin der Fachhochschule Jena, Frau Prof. Dr. Gabriele Beibst, trug das Grußwort des Thüringischen Kultusministers, Bernward Müller, welcher den "ganzheitlichen Ansatz der Gesundheitsförderung" an Thüringer Schulen unterstützt. In ihrer anschließenden Rede stellte die Rektorin die Arbeit der Hochschule auf den Gebieten Bildung und Gesundheit in den verschiedenen Fachbereichen vor. Die Tagung wurde von der FH Jena ausgerichtet, da ein Schwerpunkt der Arbeit des Studienganges Augenoptik/Optometrie der Zusammenhang von visuellen Defiziten und Lese-Rechtschreib-Problemen ist. Lese-Recht-Schreibprobleme wie auch andere Entwicklungsdefizite können im Zusammenhang mit Sehproblemen, wie z.B. verschwommenes oder angestrengtes Sehen, auftreten. Bleiben die Defizite unerkannt, können Leistungseinschränkungen in der Schule die Folge sein.
Die Tagung ist Teil des Projektes "Schnecke", in Kooperation mit dem Hessischen und Thüringischen Kultusministerium, das dazu beitragen möchte, Hörschäden vorzubeugen, Seh- und Gleichgewichtsschwierigkeiten präventiv zu begegnen sowie vorschulischen, schulischen und außerschulischen Lärm zu senken. Das Projekt setzt sich für die Grundlagen der Gesundheit ein, um optimales Lernen und Lehren zu ermöglichen.

Das Vortragsprogramm der Tagung war vielseitig und behandelte verschiedene Themen zu den Schwerpunkten: "Hören, Sehen, Gleichgewicht". Als erstes stelle Prof. Dr. Eckhard Hoffmann aus Aalen Ergebnisse von Screening bei über 7000 hessischen Schulkindern vor. Er machte deutlich, dass die größten Defizite im Bereich des Gleichgewichts zu finden sind. Außerdem konnte er aufzeigen: je schlechter das Gleichgewicht ist, umso schlechter sind auch die schulischen Leistungen der Kinder.
Im Anschluss weckte Frau Dorothea Beigel vom Hessischen Kultusministerium nicht nur das Interesse der Lehrer, mehr Bewegung in den Alltag zu bringen. Anhand von praktischen Übungen, bei denen Sie ihr Publikum aufstehen und mitmachen ließ, zeigte sie auf, welche Funktion das Gleichgewicht und welche Folgen ein eingeschränktes Gleichgewicht hat.
Die beiden Referenten aus dem Studiengang Augenotpik/Optometrie versuchten den Teilnehmern dann die Aspekte des Sehens näher zu bringen. Prof. Dr. Stephan Degle stellte Defizite des Sehens und deren Auswirkungen auf den Schulalltag vor. Frau Michaela Friedrich machte den Zusammenhang zwischen visueller Wahrnehmung und Lernen deutlich. Aufgrund von eigenen optometrischen Untersuchungen bei Schulkindern mit Lese-Rechtschreib-Problemen konnte sie praxisnah erläutern, dass "wenn die Augen nicht richtig "greifen" können, auch das "Begreifen" schwer fällt.
Die Pause nach zweistündigem Fachprogramm und offenen Diskussionen wurde rege genutzt, um über die Probleme der Kinder in der Schule zu diskutieren.
Vertiefend und praktisch anwenden konnten die Teilnehmer ihr neues Wissen in den anschließenden Workshops. Insgesamt wurden sechs Workshops angeboten, in denen vor allem die Praxisrelevanz der Themen stand. Im Workshop 1 stellte Frau Dorothea Beigel unter dem Titel "Bildung kommt ins Gleichgewicht" - Ein Gleichgewichtsprogramm für den täglichen Unterricht vor.
Viel Bewegung konnten die Teilnehmer im Workshop 2 selbst erfahren. Zum Thema "Beweg dich, Schule! - Bewegung im täglichen Unterricht der Klassen 1 bis 4" stellte Frau Barbara Boedicker Übungen vor, wie der alltägliche Schulunterricht mit Bewegung angereichert werden kann. Genau dieses Thema bearbeiteten auch Frau Sabine Kitze und Sara Neunübel unter dem Aspekt "Lernen in Bewegung".
Workshop 3 bot mit Prof. Dr. Stephan Degle und Michaela Friedrich die Möglichkeit selbst zu erfahren, was schlechtes Sehen im Schulunterricht bedeutet und wie man Abhilfe mit einfachen Mitteln schaffen kann.
Prof. Dr. Eckhard Hoffmann zeigte in seinem Workshop "Ganz Ohr - von Hörprojekten im Unterricht bis zur Klassenraumakustik" auf, wie relevant das Hören in der Schule ist und welchen Belastungen unser Hörsystem im täglichen Schulalltag ausgesetzt ist.
Die Wichtigkeit der Sprache stellte Frau Constanze Wittich in ihrem Workshop zum Thema "Sprache in Bewegung bringen - die Sprachentwicklung im Hinblick auf die Sensorische Integration" dar. In welchem Zusammenhang Wahrnehmungs- und Bewegungsauffälligkeiten mit Sprachentwicklungsverzögerungen in Verbindung stehen, konnten die Teilnehmer aus der Praxisarbeit der Therapeutin erfahren. Die Sprachentwicklung ist letztlich das Endprodukt einer harmonischen Bewegungs- und Wahrnehmungsreifung.

Die erste interdisziplinäre Fachtagung für Thüringen war die erste schwerpunktmäßige Tagung im Bereich "Bildung braucht Gesundheit". Sie wird sich hoffentlich fest in Thüringen etablieren. Als kleine, aber feine Veranstaltung präsentierte sie in diesem Jahr fachliche Themen zum aktuellen Geschehen in Schulen zum Thema "Hören, Sehen und Gleichgewicht". Damit ist diese Tagung ein fachlicher Vorreiter und unterstützt aktiv die aktuellen Entwicklungen, in Thüringen mehr für die Gesundheit und Vorsorge bei Kindern zu tun.

Mit der Tagung konnte ein wichtiger Baustein für neue Kooperationen und interdisziplinäre Zusammenarbeit in Thüringen gelegt werden. Der große Zuspruch bestärkt den Studiengang Augenoptik/Optometrie darin, an diesem Projekt weiterzuarbeiten. Hierfür ist jedoch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von allen Berufsgruppen erforderlich, wofür die Tagung sicherlich einen sehr guten Grundbaustein gelegt hat.
Unter dem Motto:
"Das große Bild gibt sich nicht als Bild zu erkennen: es ist.
Oder genauer: Du befindest Dich darin."
(Antoine de Saint-Exupéry)
hoffen Prof. Dr. Stephan Degle und Michaela Friedrich auf viele Ideen von den verschiedenen Berufsgruppen, um das Thema Gesundheit für eine bessere Bildung gemeinsam in der Praxis umzusetzen.

Die Tagung konnte nur durch das große Engagement der Mitarbeiter und der Studierenden des Studienganges Augenoptik/Optometrie realisiert und durchgeführt werden. Zum Erfolg der Tagung trugen vor allem viele studentische Helfer aus dem Studiengang bei, die einen reibungsfreien Ablauf der Tagung ermöglichten.


Die schönsten Momente der Tagung in Bildern finden Sie unter: http://picasaweb.google.com/fh.jena.ao/BildungBrauchtGesundheit?feat=directlink

Michaela Friedrich und Stephan Degle
michaela.friedrich@fh-jena.de
stephan.degle@fh-jena.de
Weitere Informationen: http://www.fh-jena.de
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