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Altes Denken in neuen Bahnen

14.10.2009 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

1. Band des "Frege Centre" der Universität Jena "Zur Geschichte der Mathematik in Jena" erschienen Jena (14.10.09) Seit einigen Jahren etabliert sich die Friedrich-Schiller-Universität Jena als Vorreiter einer neuen Wissenschaftsrichtung - der Strukturwissenschaft. Sie beschäftigt sich mit allen Wissenschaften zugrunde liegenden Strukturen und verbindet damit sehr verschiedene Disziplinen. Zu verdanken ist die Führungsrolle in erster Linie Professor Bernd-Olaf Küppers von der Universität Jena, der 2008 mit dem Buch "Nur Wissen kann Wissen beherrschen" wohl das grundlegende Werk auf diesem Gebiet veröffentlichte. Im gleichen Jahr gründete er mit Jenaer Wissenschaftlern das "Frege Centre for Structural Sciences" - das weltweit erste und einzige Forschungszentrum, das sich mit der Strukturwissenschaft beschäftigt.

Nun legt das "Frege Centre" den ersten Band seiner Schriftenreihe vor und widmet sich damit gleich zwei Themen, die eng miteinander verbunden sind: "Zur Geschichte der Mathematik in Jena" äußern sich die vier Autoren in ihren Aufsätzen und dringen dabei gleichzeitig zu den "Wurzeln strukturwissenschaftlichen Denkens" vor. Michael Fothe und Bernd Zimmermann - die Herausgeber des Büchleins - verweisen schon im Vorwort auf die ursprünglich sehr umfassenden Bedeutungen des aus dem Griechischen stammenden Wortes Mathematik, unter dem damals sowohl Unterricht oder Lernen als auch Wissen oder Erkenntnis verstanden wurde. So liefert das moderne Verständnis von Mathematik einen Grundpfeiler für die Strukturwissenschaften, die so einen gemeinsamen modernen Rahmen von Geistes- und Naturwissenschaften auch durch eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche Bedeutung von Mathematik ermöglichen.

In Sachen Mathematik hat Jena schon lange einiges zu bieten, wie das neue Buch zeigt. Karin Reich von der Universität Hamburg befasst sich im ersten Aufsatz mit dem Astronomen, Theologen und Mathematiker Michael Stifel, der 1559 als erster Professor für Mathematik an die Universität Jena kam und bis zu seinem Tod 1567 dort wirkte. Berühmtheit erlangte er durch seine Publikation "Arithmetica integra", mit der er der Wissenschaft viele neue Impulse gab. Außerdem beschäftigte sich Stifel mit der Wortrechnung, bei der er Buchstaben oder Wörter durch Zahlen ersetzte - ein Vorgang, der bei der Kodierung oder in umgekehrter Weise in der Algebra elementare Anwendung findet.

Selbstverständlich begegnet der Leser auch Gottlob Frege. Gottfried Gabriel von der Friedrich-Schiller-Universität widmet sich Schnittpunkten zwischen Mathematik und Philosophie: "Frege war von Haus aus Mathematiker, wurde aber durch sein Interesse an Grundlagenfragen der Mathematik zum Philosophen." Da also die Wissenschaft der Zahlen an ihre Grenzen geriet, nutzte Frege logische Gesetzmäßigkeiten, die er in der Philosophie fand, um seine Fragen beantworten zu können, und entwickelte die moderne Junktoren- und Quantorenlogik.

Olaf Neumann fasst im dritten Aufsatz "Ein Jahrhundert Mathematik an der Universität Jena (1780-1879): Von der Kombinatorik zur Funktionentheorie" zusammen, in dem sich auch die Romantiker, wie etwa Novalis, für das Spiel mit den Zahlen begeisterten.

Stefan Artmann stellt das Werk des Philosophen Georg Klaus vor, der in den 1940er und 1950er Jahren an der Universität lernte und lehrte und hier seine in der DDR wirkungsmächtige Auseinandersetzung mit den Bereichen Kybernetik und Semiotik begann.


Die vier Beispiele unterstreichen eindrucksvoll den Anspruch, den das "Frege Centre for Structural Sciences" an sich stellt - die Verbindungen verschiedener Disziplinen aufzudecken und ihre vielfältigen Verbindungen untereinander zu finden.

Bibliographische Angaben:
Michael Fothe und Bernd Zimmermann (Hrsg.): Zur Geschichte der Mathematik in Jena. Wurzeln strukturwissenschaftlichen Denkens, IKS Garamond Verlag, Jena 2009, 80 Seiten, Preis: 11,90 Euro, ISBN 978-3-938203-91-0
Weitere Informationen: http://www.uni-jena.de
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