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Universität Kassel: Start der Bauvorbereitungen für Campusausbau

19.10.2009 - (idw) Universität Kassel

Die Vorbereitungen für die Erweiterung des Campus am Holländischen Platz der Universität Kassel beginnen. Die Erweiterung durch den Campus Nord wird die neue Heimat vor allem für die Naturwissenschaften und Mathematik, die sich heute noch auf dem Siebziger-Jahre-Campus in Kassel Oberzwehren befinden Kassel. Die Vorbereitungen für die Erweiterung des Campus am Holländischen Platz der Universität Kassel beginnen jetzt: Ein Bauzaun zeigt ab Mitte November den Start des Ausbaus an. So soll zwischen Mombachstraße, Kurt-Wolters-Straße, Möncheberg- und Liebigstraße, Henschel- und Gottschalkstraße ein großer Universitäts-Campus entstehen. Die Erweiterung durch den Campus Nord wird die neue Heimat vor allem für die Naturwissenschaften und Mathematik, die sich heute noch auf dem Siebziger-Jahre-Campus in Kassel Oberzwehren befinden.

Mit dem Campus Nord werden sich die Arbeits- und Studienbedingungen an der Universität zwar nicht quantitativ erweitern, aber qualitativ erheblich verbessern. Der Startschuss fällt mit dem Neubau für den Fachbereich Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung (asl) auf dem Gottschalk-Gelände und mit einem Hörsaal- und Campuszentrum und der Mensa-Erweiterung an der Moritzstraße sowie dem Science Center, Studentenwohnheimen und einer Kindertagesstätte auf dem Campus Nord. In einer weiteren Bauphase sind dort die Neubauten für die Naturwissenschaften und ein Parkhaus vorgesehen.

Der Campus Nord wird auf dem so genannten Gottschalk-Gelände, einem ehemals industriell genutzten Areal entstehen. Im Jahr 2002 kaufte das Land Hessen das Gelände in der Gottschalkstraße mit Blick auf die Erweiterung der Universität, deren Hauptcampus sich auf dem benachbarten Gelände der ehemaligen Henschel-Werke Kassel am Holländischen Platz befindet. Zudem wurde 2009 das angrenzende Grundstück Mombachstraße 1 - das so genannte Kohle-Koch-Grundstück - vom Land erworben. Hier soll mit Beteiligung der Stadt Kassel das Science Center errichtet werden. Im Rahmen eines Hochschul-Entwicklungs- und Umbauprogramms sagte das Land Hessen eine Runderneuerung, Konzentration und Ausbau von Forschung und Lehre in Hessen (HEUREKA) sowie Unterstützung des Hessischen Sonderinvestitionsprogramms zu.

Der neue Campus Nord ist in eine am Standort orientierte, städtebauliche Gesamtplanung eingebettet. Hierzu wurde im Dezember 2009 ein städtebaulich-architektonischer Wettbewerb ausgelobt. Das mit dem ersten Preis ausgezeichnete Konzept des Berliner Teams raumzeit Architekten und K1 Landschaftsarchitektur sieht, ausgehend von der Diagonale auf dem südlichen Campus Holländischer Platz, eine Achse durch den Campus Nord vor, dessen Schlusspunkt ein ellipsenförmiger Neubau bilden soll. Den zweiten Preis vergab die Jury an die Arbeitsgemeinschaft des Architekturbüros Augustin und Frank (Berlin) mit dem Landschaftsarchitekturbüro Manfred Karsch (Berlin). Aus diesem Entwurf soll die Erweiterung der Zentralmensa mit einem Anbau zur Ahna hin realisiert werden.

Das Architekturbüro raumzeit und die K1 Landschaftsarchitekten wurden mit den Planungen zur Gesamtentwicklung der Campuserweiterung, mit der Realisierung des Campuscenters sowie für Neubau und Umbauten für den Fachbereich Architektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung (asl) beauftragt. Die Architekturbüros Augustin und Frank Architekten und Landschaft Planen + Bauen GmbH aus Berlin führen die Planungen für die Erweiterung der Zentralmensa aus.

Das Gottschalk-Gelände
Die Gottschalk-Fabrik war eines der größten Textilunternehmen in Kassel. Ein Teil der vorhandenen denkmalgeschützten Bausubstanz wird in den neuen Campus integriert. Bereits 1989 wurden vier Firmengebäude unter Denkmalschutz gestellt: Die beiden Torhäuser, in denen sich einst die Verwaltung der Fabrik befand, die gegenüberliegende Halle, die als Zwirnerei und Näherei benutzt worden war, sowie zwei Gebäude im nordwestlichen Teil des Geländes, in denen die Trocknung und die Färberei stattfand. In diesen Klinkerbauten sind Elemente der Industriearchitektur Anfang des 20. Jahrhunderts zu finden. Eines der Verwaltungsgebäude nutzt bereits UniKasselTransfer für den Wissenstransfer der Hochschule. Die denkmalgeschützten Gebäude bleiben auch im Zuge der Umnutzung des Geländes durch die Universität erhalten. Die ehemaligen Firmengebäude, die nicht unter Denkmalschutz stehen, werden in zwei Abschnitten abgerissen.

Die Umbauprojekte im Einzelnen
Die Neubauten für das Institut für Musikwissenschaften sowie für die Erziehungs-, Sprach- und Literaturwissenschaften an der Kurt-Wolters-Straße befinden sich in der letzten Bauphase; die Einweihung ist für Frühjahr 2010 geplant.
Mensa: Aufgrund der hohen Studierendenzahlen werden die in der Zentralmensa vorhandenen 1033 Sitzplätze um 600 weitere Plätze ergänzt, sodass pro Tag an 4650 Studierende Essen ausgegeben werden können. Kosten: rund 9,7 Mio. Euro, Baubeginn: circa September 2010.
Torhäuser: Die Torhäuser A und B in der Gottschalkstraße 28 sollen als Institutsgebäude für den Fachbereich asl sowie für die Unterbringung von Fachgebieten, Studienarbeitsräumen und eines Ateliers genutzt werden. Kosten: etwa 6,9 Mio. Euro, Baustart: ungefähr Juli und September 2010.
Institutsgebäude asl: Die Produktionshalle ist als Institutsgebäude für den Fachbereich asl vorgesehen und bringt zukünftig Studienarbeitsräume und eine Werkstatt unter. Kosten: etwa 7 Mio. Euro, Baustart: voraussichtlich Januar 2010.
Neues Campus Center und Hörsaalgebäude: Südlich der Moritzstraße wird aufgrund der Verlagerung des Hochschulstandortes Heinrich-Plett-Straße an den Holländischen Platz das Campus Center errichtet. Neben großen Hörsälen werden hier auch die Dienstleistungseinrichtungen für die Studierenden zusammengefasst, etwa Studienservice, Studentenwerk und andere. Kosten: ca. 25,5 Mio. Euro, Baustart: voraussichtlich Februar 2010.
Science Park Center: Das Science Park Center, das als Innovations- und Technologietransferzentrum genutzt werden soll, wird Wissenschaft und Wirtschaft Infrastrukturen, Dienstleistungen inkl. Managementtools für erfolgsorientierte Technologieentwicklungen sowie den Qualifizierungs- und Bildungsbereich anbieten. Die Stadt Kassel fördert den Science Park; auch das Wirtschaftsministerium hat seine finanzielle Unterstützung zugesagt. Der Science Park soll Anfang 2012 seinen Betrieb aufnehmen.
UniKasselTransfer: Die Einrichtung UniKasselTransfer, die bis jetzt im Torhaus A angesiedelt ist, wird in die denkmalgeschützten Gottschalk-Kopfbauten I und II umziehen. Kosten: circa 4,6 Mio. Euro, Baustart: voraussichtlich 2011.
Bibliotheksgebäude: Im Bibliotheksgebäude am Holländischen Platz wird nach Auszug des Fachbereichs Sprach- und Literaturwissenschaften in den Neubau an der Kurt-Wolters-Straße, die Bereichsbibliothek des Standortes Heinrich-Plett Straße untergebracht. Neben zwingenden Brandschutzmaßnahmen führt die Nutzungsänderung zu einer konzeptionellen Strukturierung des Gebäudebestandes und einer Umgestaltung des Haupteinganges. Kosten: etwa 16 Mio. Euro, Baustart: ungefähr Januar 2011.
Studentenwohnungen: Das Studentenwerk Kassel plant den Bau von 150 Studentenwohnungen und einer Kindertagesstätte auf dem Campus Holländischer Platz. Sie sollen zeitgleich im Zuge der HEUREKA-Maßnahmen auf dem Campus errichtet und zum Wintersemester 2012/2013 bewohnt werden.

Weitere Planungen
Die Abriss- und Altlastensanierungsmaßnahme für den Campus Holländischer Platz befindet sich in der Ausschreibungsphase. Kosten: circa 4,6 Mio. Euro, Baustart: voraussichtlich November 2009.
Die Erschließung des Gesamtcampus inklusive Außenanlagen ist ebenfalls Teil des Umbauplans. Kosten: etwa 16,7 Mio. Euro.
An der Mombachstraße ist ein mehrgeschossiges Parkhaus geplant, das 285 Stellplätze bieten soll.
Die zentralen Werkstätten sollen an den Campus Holländischer Platz verlagert werden, da hauptsächlich Dienstleistungen für die ansässigen Fachbereiche erbracht werden.
Für den Neubau Naturwissenschaften, der im südöstlichen Bereich des Gottschalkgeländes errichtet werden soll, wird ein Realisierungswettbewerb im Jahr 2011 ausgelobt.
Auf Grund der Erweiterung des Campus Holländischer Platz als Hauptstandort besteht der Bedarf eines neuen Gebäudes für das IT-Service-Zentrum, dessen Konzept sich in Planung befindet.
Technikgebäude I und II: Das Gebäude Technik I/II wurde im Jahr 1983 errichtet und weist mittlerweile Sanierungsbedarf auf. Durch die Umstrukturierung der Fachgebiete sowie die Optimierung der Werkstattbereiche wird eine Verbesserung der Nutzungs- und Belegungssituation angestrebt. Besonderes Augenmerk gilt der Versuchshalle, deren Flächen aufgrund eingestellter Container-Einbauten derzeit nicht genutzt werden können.

Maßnahmen außerhalb des Campus Holländischer Platz
Schülerforschungszentrum: Die Realisierung eines Schülerforschungszentrums mit Chemie- und Biologieclub, nach dem Beispiel des schon vorhandenen Physikclubs, sollen verwirklicht werden. Zur Realisierung dieses Schülerforschungszentrums haben sich das Land Hessen, die Universität Kassel, die Stadt Kassel und die Albert-Schweitzer-Schule zu einem Kooperationsprojekt zusammengeschlossen. Kosten: etwa 3,22 Millionen Euro, Baustart: ungefähr Juni 2010.
Institut für Sportwissenschaften: Am Standort Damaschkestraße nutzt das Institut der Sportwissenschaften derzeit die Großsporthalle gemeinsam mit der Stadt Kassel. Mit der Aufgabe des Standorts Heinrich-Plett-Straße und zur Zusammenführung des Instituts an einen Standort, werden weitere Teile des Instituts an diesen Standort verlagert, sodass ein Erweiterungsbau mit einer Nutzfläche von ca. 800 m² am Standort Damaschkestraße notwendig wird. Ein Kraftraum mit einer Nutzfläche von ca. 200 m² wird errichtet. Kosten: ungefähr 3 Mio. Euro, Baustart: voraussichtlich März 2010.
Murhardsche Bibliothek: Seit 1976 ist die Murhardsche Bibliothek in die Bibliothek der Universität Kassel eingegliedert. Das Gebäude wurde zuletzt 1978 restauriert und ist stark sanierungsbedürftig. Ziel der geplanten Baumaßnahme ist die Anpassung an eine zeitgemäße Sicherheits- und Bautechnik. Durch die Erstellung eines Anbaus soll den geänderten Nutzungsanforderungen und der Sicherheit für die Werterhaltung und Präsentation der kulturellen Schätze der Bibliothek Rechnung getragen werden. Kosten: ca. 11 Mio. Euro, Baustart: voraussichtlich Mai 2011.
Kunsthochschule: Die Kunsthochschule verfügt über einen eigenen Standort in der Menzelstraße. Für den Standort liegt ein mit dem HMWK abgestimmtes Umnutzungskonzept vor. Die Baubedarfsanmeldung wird zurzeit vorbereitet und demnächst vorgelegt.

Einen Plan über das Bauvorhaben können Sie in der Abteilung Kommunikation und Internationales der Universität Kassel anfordern (Daniela Menzel, Tel. 0561/804 2558). Mit der Nennung der Firma embia GmbH Kassel ist die Verwendung dieser Pläne frei.

Geschichte der Firma Gottschalk
Moritz Gottschalk und Johannes Coenning gründeten 1881 die Segeltuch- und Schwerweberei Gottschalk. Beide hatten ihr Handwerk bei Sigmund Aschrott gelernt, er war der Begründer der industriellen Textilherstellung in Kassel. Gottschalk und Coenning betrieben zunächst ein Verlagsunternehmen, das an verschiedenen Standorten in und außerhalb von Kassel Aufträge erledigte. 1884 fassten sie die Produktion an einem Standort zusammen: Sie kauften das Gelände der Casseler Eisengießerei, die sich im damaligen Zweiten Seilerweg, der späteren Schlachthofstraße, befand.
Nach einem Umbau der Gießerei wurden dort ab 1885 Garne produziert und Stoffe gewebt, Gottschalk & Co. lieferte unter anderem Segeltuch und Zelte. 1938 enteigneten die Nationalsozialisten das jüdische Unternehmen. Es wurde mit den Textilwerken Baumann & Lederer zusammengefasst, die Mehrheit an dem neuen Unternehmen hielt die Kasseler Industriellenfamilie Henschel. Moritz Gottschalk starb 1943 in Berlin. Er galt als ein Unternehmer, der sich früh um die sozialen Belange seiner Belegschaft kümmerte, so gewährte er als Erster in Kassel seinen Mitarbeitern bezahlten Urlaub. Seit 1965 ist die Straße, in der sich seine Fabrik befand, nach ihm benannt.
Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile des Werkes zerstört. Gottschalks Enkelin Leni
Frenzel, die nach Kriegsende aus dem Exil zurückkehrte und das Unternehmen zurück bekam, baute die Fabrik ab Sommer 1945 neu auf. Schon ein Jahr später lief die Produktion wieder an. An insgesamt drei Standorten waren im Jahr 1970 rund 600 Mitarbeiter beschäftigt, die außer Segeltuch auch kunststoffbeschichtete Gewebe sowie Markisenstoffe, Zelte, Planen und Gartenschirme herstellten. Als Leni Frenzel 1987 starb, übernahm ihr Mann die Führung. 1990 kaufte die Fuldaer Mehler AG die Mehrheit. 1996 gingen zwei Bereiche an das schwedische Unternehmen Borgsten AB. Ende der 90er Jahre lief die Produktion nach und nach aus. 2002 kaufte das Land Hessen das Gelände in der Gottschalkstraße mit Blick auf die Erweiterung der benachbarten Universität.
Bereits 1989 wurden vier Firmengebäude unter Denkmalschutz gestellt: die beiden Torhäuser, in denen sich einst die Verwaltung der Fabrik befand, die gegenüberliegende Halle, die als Zwirnerei und Näherei benutzt worden war, sowie zwei Gebäude im nordwestlichen Teil des Geländes, in denen die Trocknung und die Färberei stattfand. An diesen Klinkerbauten sind Elemente der Industriearchitektur Anfang des 20. Jahrhunderts zu finden.
Die geschützten Gebäude bleiben auch im Zuge der Umnutzung des Geländes durch die Universität erhalten. Eins der Verwaltungsgebäude wird bereits durch die Hochschule genutzt. Die ehemaligen Firmengebäude, die nicht unter Denkmalschutz stehen, werden in zwei Abschnitten abgerissen.

Pläne zum Bauvorhaben sind abrufbar unter den nachfolgenden Links. Die Pläne wurden von der Firma embia GmbH Kassel erstellt. Die Verwendung in den Medien ist frei unter Angabe des Copyrights embia GmbH Kassel/Uni Kassel.

http://www.uni-kassel.de/presse/pm/anlagen/AltundNeuHopla.pdf
BU: So wird sich der Campus der Universität Kassel zwischen Kurt-Wolters-, Henschel-, Gottschalk-, Mombach-, Möncheberg- und Liebigstraße entwickeln.

http://www.uni-kassel.de/presse/pm/anlagen/Plakat_Uni3D.pdf
BU: Die Bauentwicklung am Campus Holländischer Platz wird in zwei Bauabschnitten erfolgen (dunkellila: ab 2010, helllila ab circa 2012). Die hellrosa markierten Flächen werden saniert und zum Teil umgenutzt.

http://www.uni-kassel.de/presse/pm/anlagen/Standortplan.pdf

BU: Übersicht über Universitätsstandorte in Kassel.

http://www.uni-kassel.de/presse/pm/anlagen/Plakat_Uni_Lageplan_SchriftSchraffur....
BU: Plan des Bauvorhabens mit beschrifteten Gebäuden.

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Info
Annette Ulbricht M.A.
tel (0561) 804 2474
fax (0561) 804 7216
e-mail ulbricht@uni-kassel.de
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