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Lehren und Lernen im Zeitalter der Reformation

29.10.2009 - (idw) Universität Erfurt

Zu einer öffentlichen Tagung "Lehren und Lernen im Zeitalter der Reformation" laden die Universitäten Jena und Erfurt vom 30. Oktober bis 1. November 2009 nach Gotha auf Schloss Friedenstein ein. Zum Auftakt laden die Organisatoren am morgigen Freitag um 10.00 Uhr zu einem Pressegespräch in das Konferenzzimmer der Forschungsbibliothek ein. Gesprächspartner werden die Jenaer Professorin Dr. Gerlinde Huber-Rebenich sowie die Leiterin der Forschungsbibliothek Dr. Kathrin Paasch sein. Mit dem Begriff der 'Reformation' verbindet man gemeinhin eine primär religiöse Erneuerung, eine Befreiung von der Hegemonie des Papstes und der Deutungshoheit der Vertreter Roms über die Heilige Schrift. Diese Befreiung ging indes Hand in Hand mit einer Reform des Bildungswesens, das nun darauf abzielte, über die Kenntnis der drei 'heiligen Sprachen' - Hebräisch, Griechisch und Latein - das Gotteswort im Originaltext zu lesen - unverstellt von den herrschenden Lehrmeinungen der katholischen Kirche. So steht denn zwar für Luther und seine Nachfolger der rechte Glaube an oberster Stelle, aber auch dem Wissen kommt eine wichtige Funktion zu. Der Wittenberger Reformator Philipp Melanchthon galt den Zeitgenossen nicht etwa nur deshalb als 'Lehrer Deutschlands' (praeceptor Germaniae), weil er die Theologie vertrat, sondern weil er als Voraussetzung zu ihrem Verständnis die humanistischen Studien förderte. Getreu dem Motto 'ad fontes' (zu den Quellen) propagierten er und seine Gesinnungsgenossen in der Nachfolge der italienischen Renaissancehumanisten die Originallektüre antiker Autoren. An ihrem Vorbild - und nicht länger durch das Pauken aus mittelalterlichen Lehrbüchern - sollte die Jugend ihre Ausdrucksfähigkeit schulen, aus ihnen sollte sie ethische Richtwerte für das Leben in der menschlichen Gemeinschaft ableiten. Zur Umsetzung dieses neuen Bildungsideals wurden auch in der Wissensvermittlung neue Wege beschritten. "Manche didaktischen Methoden, die in jener Zeit entwickelt wurden, haben noch heute Geltung, andere wären auch heute wieder bedenkenswert", so Gerlinde Huber-Rebenich, Professorin für Mittel- und Neulatein der Universität Jena.

Welche Inhalte hielt man für wissenswert, warum gerade diese, und wie wurden sie vermittelt? Auf diese Fragen versuchen elf Referenten aus verschiedenen Disziplinen - von der Pädagogik über die Geschichte, die Philologie, die Musikwissenschaft bis hin zur Theologie - Antworten zu finden. Dabei rückt das Lernen hinter Klostermauern ebenso in den Blick wie die Impulse, die von informellen Gelehrtenzirkeln ausgingen. Ein solcher ist, passend zum Tagungsthema, in der Ausstellung der Forschungsbibliothek "Conradus Mutianus Rufus und der Humanismus in Erfurt" dokumentiert, die am 1. November zu Ende geht. Vorgestellt werden bei der Tagung auch Formen der Wissensvermittlung und -aneignung, die in Lehrplänen von Schulen und Universitäten festgeschrieben wurden, von denen viele - darunter auch Jena - ein Produkt der Reformation sind. "Uns kommt es darauf an, den Blick für die Vielfalt der Zugänge zu schärfen. Den Königsweg zur Bildung gibt es nicht", ist Huber-Rebenich überzeugt und plädiert für undogmatische Offenheit gegenüber unterschiedlichen Ansätzen. Die distanzierte Betrachtung historischer Zeugnisse wie humanistischer Schulbücher, Vorlesungsdrucke und sog. 'loci communes'-Sammlungen soll dabei helfen.

Dass für eine solche Fragestellung die Forschungsbibliothek ein geeigneter Ort ist, dessen ist sich Huber-Rebenich sicher: "Hier ruht noch viel bislang wenig beachtetes Material - selbst zu hochkarätigen Vertretern der Reformation wie etwa Georg Spalatin." Von laufenden Erschließungsprojekten erwartet die Jenaer Philologin weitergehende Impulse für die Forschung, die die Tagung verstärken soll.

Aber nicht nur die akademische Forschung profitiert von dem Veranstaltungsangebot: 15 Zwölftklässler der Gothaer Arnoldi-Schule werden zusammen mit Prof. Huber-Rebenich eine vorbereitende Unterrichtseinheit absolvieren und anschließend an einzelnen Programmpunkten der Tagung teilnehmen, um sich so einen Einblick in die historische Dimension ihres Schulalltags zu verschaffen.

Die Tagung findet in Kooperation der Friedrich-Schiller-Universität Erfurt mit der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha und in Abstimmung mit dem dortigen Forschungszentrum unter Leitung von Prof. Huber-Rebenich vom 30. Oktober bis 1. November auf Schloss Friedenstein, Gotha statt. Gefördert wird die Veranstaltung von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und dem Freundeskreis der Forschungsbibliothek Gotha.


Das Programm der Tagung ist im Internet zu finden unter:
http://www.uni-jena.de/unijenamedia/DruckProgramm.pdf

Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldungen mit Nennung der Personenzahl werden an u. g. Adresse erbeten.

Kontakt:
Prof. Dr. Gerlinde Huber-Rebenich
Institut für Altertumswissenschaften der Universität Jena
Fürstengraben 1
07743 Jena
Tel.: 03641 / 944800
E-Mail: gerlinde.huber-rebenich@uni-jena.de

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