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Brücken in die Zukunft

29.10.2009 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Wirtschaftshistoriker der Universität Jena publizieren Studie zur wirtschaftlichen Entwicklung Thüringens von 1989 bis 2009 Jena (29.10.09) "In die alten Bundesländer zu gehen war für mich kein Thema, weil ich mir gesagt habe, jetzt musst du hier in Thüringen anpacken. Denn hier ging ja die Post ab, hier war Aufbruchstimmung...": So wie Andreas Krey, heute Geschäftsführer der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen, dachten und handelten vor zwanzig Jahren viele.

Die Wiedervereinigung erforderte eine fundamentale wirtschaftliche Umgestaltung und Neuordnung in allen Bereichen. Die Startbedingungen waren allerdings denkbar schlecht: die Produktivität gering, die meisten Unternehmen nicht wettbewerbsfähig, die Infrastruktur am Boden. Auch Thüringen stand nun vor der großen Herausforderung, sich im nationalen und internationalen Wettbewerb zu behaupten. Unter großem Zeitdruck musste das Land seine Attraktivität für Investoren und Unternehmensansiedlungen erhöhen. "Blühende Landschaften" waren versprochen - der Weg dorthin war dornenreich.

Wie dieser wirtschaftliche Transformationsprozess in den vergangenen beiden Jahrzehnten bewältigt wurde, beschreiben Wirtschaftshistoriker der Friedrich-Schiller-Universität Jena um Prof. Dr. Rolf Walter in einer neuen Studie. Die Publikation, die am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte erarbeitet wurde, basiert auf der Auswertung schriftlicher Quellen und einer Befragung wichtiger Akteure. Thematisiert werden insbesondere der Systemwandel und Aufbau wettbewerbsfähiger Strukturen im Kontext wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen. Dazu gehören eine Analyse der Arbeit der Treuhand und des Um- und Ausbaus der Verwaltungs- und Infrastruktur im Zuge der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion ebenso, wie Aspekte der Förder-, Arbeitsmarkt- und Ausbildungspolitik.

Alleinstellungsmerkmal der Studie ist es, dass sie die auf der Basis objektiver Fakten gewonnenen Erkenntnisse mit einer Zeitzeugenbefragung kombiniert. Dazu wurden 39 Zeitzeugen interviewt, die die wirtschaftliche Entwicklung im Freistaat in verantwortlicher Funktion mitgestaltet haben. Dabei kamen nicht nur Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister zu Wort, sondern auch Vertreter der politischen Opposition, Unternehmer und Repräsentanten verschiedener wirtschaftlicher Interessenverbände, wobei die Liste der Befragten keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

"Was wir in Deutschland seit 1990 geleistet haben, darauf können wir wirklich stolz sein. Natürlich ist nichts so gut, dass es nicht noch besser sein könnte." So die Einschätzung der Greizer Landrätin Martina Schweinsburg, die als Zeitzeugin in der Untersuchung zu Wort kommt. Ziel der Befragung war es, die ganz persönlichen Erinnerungen, Erfahrungen, Erwartungen, Motive und auch Visionen der Akteure zu dokumentieren. Über die Ziele waren sich die Akteure häufig einig, politisch heftig gestritten wurde zuweilen über den richtigen Weg, die richtigen Weichenstellungen.

In der Publikation begleiten zahlreiche Zitate die beschriebenen Sachverhalte, indem sie Dargestelltes unterstützen oder auch in Frage stellen. Auf Bewertung der beschriebenen Prozesse haben die Autoren bewusst verzichtet, hier sind die Leser aufgefordert, sich selbst ein Urteil zu bilden.

Das Buch "Brücken in die Zukunft" thematisiert den Wirtschaftssystemtransfer in den "Gründerjahren" des Freistaats und macht den Weg Thüringens in die Soziale Marktwirtschaft transparent und nachvollziehbar. Es belegt die große Aufbauleistung vieler engagierter Menschen, die mutig und verantwortungsbewusst ihr wirtschaftliches Umfeld gestalteten.

Rolf Walter, Betina Meißner, Jürgen Schreiber: Brücken in die Zukunft. Die wirtschaftliche Entwicklung Thüringens 1989-2009, Landeszentrale für politische Bildung Thüringen 2009, 231 Seiten, ISBN 978-3-937967-53-0

Kontakt:
Prof. Dr. Rolf Walter / Jürgen Schreiber
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiß-Str. 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 943320 oder 943325
E-Mail: r.walter[at]wiwi.uni-jena.de und juergen.schreiber@uni-jena.de
Weitere Informationen: http://www.uni-jena.de
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