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DFG-Forschungsprojekt zum dokumentarischen Film an der HFF Potsdam

02.11.2009 - (idw) Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg

An der "Geschichte des deutschen dokumentarischen Films 1945-2005" wird auch an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" geschrieben. Gerade begann die erste Phase des von der Deutschen Forschungsgemein-schaft (DFG) geförderten Projekts, das von Dr. Kay Hoffmann vom Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart, Prof. Dr. Ursula von Keitz von der Universität Bonn und Dr. Kerstin Stutterheim, Professorin für AV-Mediendramaturgie und -Ästhetik an der HFF gemeinsam geleitet wird. Das Projekt versteht sich als Weiterführung der Untersuchung zum dokumentarischen Film in Deutschland für die Periode von 1895-1945, die bereits abgeschlossen ist und 2005 als dreibändige Ausgabe bei Reclam erschienen ist.

Erstmals soll jetzt eine umfassende Gesamtdarstellung des deutschen Dokumentarfilmschaffens nach 1945 entstehen, die die Entwicklung in beiden deutschen Staaten in den Blick nimmt und in Beziehung zueinander setzt. Bislang unerforschte Archivbestände warten darauf, gesichtet und aufgearbeitet zu werden und auch die Dokumentarfilmerinnen und -filmer sollen in Interviews selbst zu Wort kommen. Erst auf der Grundlage dieses Materials und ergänzt durch zahlreiche Filmanalysen wird eine umfassende Geschichte der Produktions- und Distributionsformen dokumentarischer Filme unter Berücksichtigung ihrer medialen und kulturellen Praktiken erarbeitet.

An den drei Projektstandorten wird zu unterschiedlichen Schwerpunkten geforscht. So beschäftigt sich die von Dr. Hoffmann geleitete Stuttgarter Gruppe mit den institutionellen, technischen und ökonomischen Faktoren der Dokumentarfilmproduktion. Das Bonner Team unter Prof. Dr. Keitz untersucht dokumentarische Praktiken und Arbeitsweisen wie den Autorenfilm, Amateurfilme oder das Format-Fernsehen.

An der HFF in Babelsberg sollen zentrale Themen des dokumentarischen Filmschaffens und ihrer ästhetischen Umsetzung in Korrespondenz zu den Ereignissen der Zeitgeschichte analysiert werden. "So werden Fragen der Repräsentation von Arbeitenden und der Arbeitswelt, von der gesellschaftlichen Stellung der Frau, aber auch von MigrantInnen sowie der Reflektion gesellschaftlicher Verhältnisse zentral sein.", erzählt Prof. Dr. Stutterheim. "Daneben wird die Auseinandersetzung mit aktuell-politischen Ereignissen wie dem Vietnam-Krieg oder der politischen Wende in den späten 80er Jahren besonders in Bezug auf Korrespondenzen oder Unterschiede des Filmschaffens mit der jeweiligen Verortung der Filmemacher untersucht." Erstmals werden auch Themenbereiche in die Untersuchung mit einbezogen, die bisher weniger im Fokus des wissenschaftlichen Interesses standen - etwa Wissenschaftsfilme, Naturfilme oder Filme über Kunst und Künstler.

Kerstin Stutterheim schrieb ihre Doktorarbeit über "Okkulte Weltvorstellungen in dokumentarischen Filmen des Dritten Reiches" und publiziert regelmäßig zum Dokumentarfilm. Ihre Aufsätze finden sich in Monografien und Lehrbüchern, etwa in der "Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland 1895-1945" oder in "DDR - Erinnern, vergessen". Über die Theorie hinaus beschäftigt sie sich auch ganz praktisch mit dem Dokumentarfilm. Unter ihrer Regie entstanden zahlreicher Dokumentarfilme für Kino und Fernsehen, darunter "Die Wäscherei" (1993), ein Film über die Umbrüche in Ostdeutschland nach der Wende. Zusammen mit Niels Bolbrinker entstanden "Die Thuranos" (2003), das Porträt einer Artistenfamilie und "Bauhaus. Modell und Mythos" (1998/2009). Mit "Fliegen & Engel" (2009) setzen beide ihre erfolgreiche Zusammenarbeit fort. Der Film über die Kunst der 'totalen' Installation von Ilya und Emilia Kabakov wurde kürzlich während der Kunstfilmbiennale in Köln uraufgeführt.


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