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"Zweiter Gentechnologiebericht" der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

03.11.2009 - (idw) Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

"Wissenschaftliche und technologische Entwicklungen, hitzig geführte öffentliche Debatten um Chancen und Risiken sowie die wechselnde Brisanz einzelner Themen prägen nach wie vor die kontroversen Auseinandersetzungen um die verschiedenen Anwendungen der Gentechnologie in Deutschland", so Bernd Müller-Röber, Sprecher der interdisziplinären Arbeitsgruppe Gentechnologiebericht. Aus genau diesen Gründen veröffentlicht die Arbeitsgruppe ihren "Zweiten Gentechnologiebericht. Analyse einer Hochtechnologie". Mit diesem Bericht liefert die Arbeitsgruppe, vier Jahre nach dem Erscheinen des ersten Gentechnologieberichts, wieder ihr umfassendes Monitoring zu den aktuellen Entwicklungen der Gentechnologie. In bewährt interdisziplinärer Weise wird der aktuelle Stand von Wissenschaft und Technik in den verschiedenen Gebieten der Gentechnologie analysiert; daneben werden Fragen nach den rechtlichen Dimensionen ebenso erörtert wie Belange der Sicherheitsabschätzung oder der Wahrnehmung und Akzeptanz neuer technologischer, medizinischer oder agrarischer Anwendungen:

Die Forschung an pluripotenten humanen Stammzellen, insbesondere an so genannten induzierten pluripotenten Stammzellen entwickelt sich nach Meinung der Autoren zunehmend zu einer Schlüsseltechnologie der Biomedizin. In diesem hoch kompetitiven und international vernetzten Feld werden "große Potenziale für die Krankheitsursachen- und Wirkstoffforschung sowie für die Pharmakologie und Toxikologie" gesehen.

Der molekulargenetischen Diagnostik kommt in der Humanmedizin mittlerweile eine zentrale Bedeutung zu. Die Weiterentwicklung der Chip-Technologien und die sinkenden Kosten der DNA-Sequenzierung haben "weitreichende Konsequenzen für die Genomforschung und für die molekulare Diagnostik". Daher wird man nicht umhin kommen, über "einen fairen Interessensausgleich innerhalb der Solidargemeinschaft" zu diskutieren.

Die Entwicklung der Vektor- und Gentransfertechnologien ist zentrales Thema innerhalb der gentherapeutischen Forschung. Neue Technologien für gezielte Genreparaturen zeigen eine verbesserte Effizienz und "könnten in näherer Zukunft klinische Reife erlangen, zumal auch das Nebenwirkungsrisiko viel geringer werden könnte". Vor einer klinischen Umsetzung ist eine breitere Etablierung von Good-Manifactoring-Practice-Technologien unabdingbar.

Das Forschungsgebiet der grünen Gentechnologie entwickelt sich international unverändert dynamisch. In Deutschland hingegen bleiben aufgrund einer fehlenden konsistenten Politik mögliche Innovationspotenziale ungenutzt. Auch dominiert in Europa die öffentliche Skepsis, während die Anbauflächen mit gentechnisch veränderten Pflanzen weltweit anwachsen. Daher müssen ökologische, agrarökonomische und gesundheitliche Fragen weiterhin sorgfältig und fallspezifisch erörtert werden.

Besondere Beachtung verdient das übergreifende Kapitel zu den "Argumentativen Dimensionen in der ethischen Bewertung der Gentechnologie". Es wird eindrucksvoll gezeigt, wie sich eine Ordnung in die Fülle widersprüchlicher Positionen und Argu¬mente der ethischen Debatten um die Gentechnologie bringen lässt. "So wird schnell klar, wie unterschiedliche ethische Sichtweisen die sonst so undurchsichtigen Debatten prägen", ergänzt Kristian Köchy, Philosoph an der Universität Kassel und Mitglied der Arbeitsgruppe.

Zusätzlich bekommt der Leser aufwendig recherchiertes und beeindruckendes Datenmaterial zur Seite gestellt, das einen systematischen Zugang zur unübersichtlichen Faktenfülle bietet. Anhand dieser Zahlen lassen sich die Entwicklungen auf den Teilgebieten der Gentechnologie plausibel nachvollziehen.

Bernd Müller-Röber, Mathias Boysen, Boris Fehse, Ferdinand Hucho, Kristian Köchy, Jens Reich, Hans-Jörg Rheinberger, Hans-Hilger Ropers, Karl Sperling, Anna M. Wobus
Zweiter Gentechnologiebericht. Analyse einer Hochtechnologie
Forschungsberichte der interdisziplinären Arbeitsgruppen, Band 23, hrsg. von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Dornburg 2009, Forum W - Wissenschaftlicher Verlag, 464 Seiten, geb. 69,90
ISBN 978-3-940647-04-7

Eine Kurzfassung des Berichts finden Sie unter http://www.bbaw.de/bbaw/Aktuell/


Weitere Informationen und Downloads unter www.gentechnologiebericht.de

Ansprechpartner für inhaltliche Nachfragen
Dr. Mathias Boysen, IAG Gentechnologiebericht
Tel. 030 20370 625, Fax. 030 20370 444, E-Mail: boysen@bbaw.de

Pressekontakt
Gisela Lerch
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Referat Information und Kommunikation
Jägerstraße 22/23
10117 Berlin
Tel. 030 20370 657
Fax. 030 20370 366
E-Mail:lerch@bbaw.de
Weitere Informationen: http://www.bbaw.de
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