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Wege zur Macht

13.11.2009 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Politikwissenschaftler der Universität Jena legt Studie zur Ernennung von Ministern vor Jena (13.11.09) Der einstige Innenminister wird zum neuen Finanzminister, sein ehemaliger Kollege aus dem Wirtschaftsressort sieht sich künftig für die Verteidigung zuständig und eine Elektrotechnikerin kümmert sich weiterhin um Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Auch die neue Bundesregierung zeigt, dass Kabinettsbesetzungen stets für Überraschungen gut sind. "Nicht nur dem Laien stellt sich dabei die Frage, weshalb gerade diese Personen in zentrale politische Ämter gelangen", sagt Lars Vogel von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Politikwissenschaftler ist genau dieser Frage in seinem neu erschienenen Buch "Der Weg ins Kabinett - Ministerkarrieren in Deutschland" nachgegangen. Vogel, der im Sonderforschungsbereich 580 "Gesellschaftliche Entwicklungen nach dem Systemumbruch" arbeitet, stützt sich dabei auf einen umfangreichen Datensatz, der die Biographien der rund 400 deutschen Minister im Bund und in den Flächenstaaten seit 1990 umfasst.

"Zeige mir die Struktur des politischen Systems und ich sage dir, wer Minister wird", spitzt Vogel sein Studienergebnis zu. Er hat die Karrieren der Minister vor ihrer Ernennung untersucht und wiederkehrende Muster in diesen Karrieren durch die politische Ordnung in Deutschland erklärt. So seien Regierungen in Deutschland von der Unterstützung einer parlamentarischen Mehrheit abhängig. "Bis in die 1980er Jahre waren dadurch nahezu alle Minister zugleich Abgeordnete", macht Vogel deutlich. Allerdings gehörte in den vergangenen Jahren nur noch rund die Hälfte aller neu ernannten Minister einem Parlament an. Vogel führt dies darauf zurück, dass vor allem die Landesparlamente an politischer Bedeutung verloren haben. "Damit wurden die Regierungschefs unabhängiger von ihren Fraktionen und ernennen vermehrt Minister von außerhalb des Parlaments."

Nicht zuletzt durch diese größere Unabhängigkeit hat auch der Anteil an Seiteneinsteigern ohne jede politische Erfahrung zugenommen, auch wenn er bisher nur eine Minderheit von rund 14 Prozent aller Kabinettsmitglieder ausmacht. Die Mehrzahl der Minister durchläuft vor ihrer Ernennung noch immer eine langjährige Karriere in der Politik. "Dies ist nicht verwunderlich: Ein Aufstieg in der Politik erfordert zunächst einen dauerhaften Verbleib in der Politik, wodurch Berufspolitiker begünstigt werden", so Vogel. Der Kabinettsposten selbst bietet jedoch nur selten eine dauerhafte Beschäftigungsmöglichkeit: Zwei Drittel aller Minister werden nur ein einziges Mal ernannt und 38 Prozent amtieren nicht einmal für eine vollständige Legislaturperiode. Damit stellt das Ministeramt für die meisten Politiker lediglich eine kurze Episode in ihrem politischen Leben dar.

Es gibt jedoch eine kleine Gruppe, deren Amtszeit länger als acht Jahre andauerte. Die Mehrzahl dieser erfolgreichen Langzeitminister bleibt ihrem Ressort treu und erweist sich in diesem Sinne als Fachminister. Insgesamt kann Vogel jedoch zeigen, dass bei der erstmaligen Rekrutierung politische Qualifikationen eine wichtigere Rolle spielen als fachliche: "Ob jemand Fachwissen besitzt oder nicht, ist eben vor allem eine politische Frage." Allerdings: mit übereilten Urteilen über die Qualifikation der Minister hält sich die vorgelegte Studie zurück. Zwar werden nachvollziehbare Gründe für den Primat politischer Fähigkeiten dargestellt. Zugleich weist der Autor aber auch darauf hin, dass der Weg in das Ministeramt die Amtsführung zwar wesentlich mitbestimmt, aber keinesfalls vorherbestimmt.


Bibliographische Angaben:
Vogel, Lars (2009): Der Weg ins Kabinett. Karrieren von Ministern in Deutschland, Frankfurt a. M. u. a., Peter Lang Verlag, 178 Seiten, 29,80 Euro, ISBN 978-3-631-58846-8

Kontakt:
Lars Vogel
Sonderforschungsbereich 580
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Bachstraße 18k
07743 Jena
Tel.: 03641 945054
E-Mail: lars.vogel[at]uni-jena.de
Weitere Informationen: http://www.uni-jena.de
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