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Rückblick in die Zeit des Nationalsozialismus aus Sicht eines Holocaust-Überlebenden

14.11.2009 - (idw) Hochschule Harz, Hochschule für angewandte Wissenschaften (FH)

Nicht nur das kalte Wetter ließ die Zuhörer frösteln. Am Dienstag, dem 10. November 2009, kamen erneut zahlreiche Interessierte aller Altersgruppen in das AudiMax der Hochschule Harz. Rektor Prof. Dr. Armin Willingmann begrüßte sie mit einem Hinweis darauf, dass der 9. November gleichsam ein Schicksalstag der deutschen Geschichte sei und in der berechtigten Freude über den Mauerfall vor 20 Jahren die Pogromnacht des Jahres 1938 nicht vergessen werden dürfe. Sie sei der für jedermann erkennbare Ausdruck nationalsozialistischen Rassenwahns gewesen, der seine Fortsetzung in der Vernichtung von mehr als 6 Millionen Juden gefunden habe: "Daher sind wir sehr froh, bereits zum dritten Mal mit Prof. Felix Kolmer einen Zeitzeugen und Überlebenden des Holocaust an der Hochschule Harz begrüßen zu können, der uns berichten und mit uns diskutieren will".

"Was ich euch heute erzählen will, ist keine schöne Geschichte, aber man darf die Augen nicht vor etwas verschließen, nur weil es unangenehm ist", begann der Referent seinen Vortrag. Der 1922 in Prag geborene Felix Kolmer wurde 1941 ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Die nächsten Jahre verbrachte er als Häftling und Zwangsarbeiter. "Man wollte uns zeigen, dass wir keine Menschen sind, sondern Tiere", erinnerte er sich, "bei jeglicher Kommunikation ließen die Wächter die Peitsche sprechen". Im Jahr 1944 wurde Felix Kolmer von Theresienstadt in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Allein dort ließen 1,5 Mio. Menschen ihr Leben. Berührend erzählte er, wie er jedes Gespür für Zeit verlor, da man nur auf die nächste Stunde, den nächsten Tag hoffen konnte. Täglich fanden Selektionen statt, täglich sah Kolmer Schlangen von todgeweihten Menschen zu den Gaskammern gehen, nahm den schweren Geruch von verbrannten Körpern war und versuchte mit nagendem Hunger und dem Tod vor Augen zu überleben.

Prof. Felix Kolmer zeigte sich als eindrucksvoller Mensch, der trotz dieser Qualen nicht zerbrach. Nach der Befreiung wurde er ein international angesehener Professor für Physik/Akustik und engagiert sich heute noch im Tschechisch-Deutschen-Rat. Als tschechischer Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees hat er zudem auch heute noch Kontakt zu Überlebenden. "Wenn jemand dieses Leid erlitten hat und dennoch heute so offen damit umgeht, immer wieder insbesondere vor Jugendlichen in Deutschland Vorträge hält, ist das ein besonders schönes Zeichen für die Völkerverständigung, nicht nur zwischen Deutschen und Tschechen", beendete Rektor Willingmann diesen bewegenden Rückblick und die anschließende Diskussion mit Felix Kolmer.

Die nächste GenerationenHochschule findet am Dienstag, dem 1. Dezember 2009, von 17 bis 19 Uhr im Wernigeröder AudiMax statt. Dr. Uwe Lagatz wird über das Thema "Von Brockenpilgrimmen und Sommerfrischlern. Die Anfänge des Tourismus im Harz." referieren. Aber bereits am kommenden Dienstag, dem 17. November 2009, gibt Prof. Dr. Niels O. Angermüller einen aktuellen Zwischenstand über "Die internationale Finanzkrise: Wer hat versagt - wer haftet - wie geht es weiter?". Für eine Teilnahme ist die Registrierung zu jeder Vorlesung unter http://www.generationenhochschule.de nötig.
Weitere Informationen: http://www.generationenhochschule.de
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