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Die Gründe für die Studierendenproteste - Ergebnisse des aktuellen Bildungsbarometers

18.11.2009 - (idw) Universität Koblenz-Landau

In dieser Woche erreichen die Studierendenproteste an den deutschen Hochschulen einen neuen Höhepunkt. Im Vorfeld hat Bundeswissenschaftsministerin Prof. Dr. Annette Schavan signalisiert, dass Korrekturen notwendig seien. Das Bildungsbarometer, ein Projekt der Schülerhilfe (Gelsenkirchen) und des Zentrums für empirische pädagogische Forschung (zepf) der Universität Koblenz-Landau, hat dieser Thematik im September 2009 eine eigene Untersuchung gewidmet. Nunmehr liegen die Ergebnisse vor. Demnach sind 51% der Befragten der Meinung, dass eine Rückführung des Bologna-Prozesses nicht als Problemlösung ansteht, 43% der Befragten würden gerne Zustände wie "vor Bologna" an den deutschen Universitäten wieder herstellen.

Woran entzündet sich die Kritik? Es scheint, dass die Zustimmung zu den Umsetzungszielen des Bologna-Prozesses insgesamt nicht allzu positiv ausfällt, deutlich jedoch ist auch der Unterschied in den Einschätzungen zwischen den gut und den weniger gut Informierten: Die Gutinformierten sehen die Ziele der Bologna-Reform noch wesentlich kritischer als die weniger gut Informierten: Die Verbesserung der Betreuung der Studierenden durch den Lehrkörper werde nicht besser, die Abbrecherquoten würden nicht reduziert, das Leitbild der Studierendenzentriertheit werde nicht erreicht und weder werde die Mobilität der Studierenden verbessert, noch schafften sie ihr Studienziel innerhalb der Regelstudienzeit. Selbst die internationale Anerkennung der Studienleistungen wird hinterfragt, ebenso die Verwirklichung der Idee des Europäischen Hochschulraumes.

Werden die gleichen Personen danach befragt, was sich durch den Bologna-Prozess verändert, stehen ernüchternde Antworten im Raum: Die Studierbarkeit wird geringer eingeschätzt, Workloads werden höher und die Belastung der Studierenden und der Lehrenden durch Bürokratisierung wird größer.

Was müsste vorrangig angegangen werden, damit die Umsetzung in bessere Bahnen gelenkt wird? Wo liegen die Prioritäten? Mit 27% aller Nennungen steht der Wunsch nach einer höheren Flexibilität beim Übergang von Bachelor zum Master im Vordergrund, gefolgt von der Notwendigkeit der Klärung des Bachelors für den Berufseinstieg (24%), und der höheren Flexibilität der Dauer des Bachelorstudiums (19%).

Die Hochschulen hätten sich verdient gemacht in einer getreuen Umsetzung des Bologna-Prozesses. Allerdings hätten sie in einer Vielzahl von Fällen vergessen, dass die Methode "alten Wein in neue Schläuche zu pressen" eine Mogelpackung darstelle, meint Professor Dr. Reinhold S. Jäger, Geschäftsführender Leiter des zepf. Er gibt aber auch zu bedenken, dass die Hochschulen zugleich gezwungen seien in einer Übergangszeit alte und neue Prüfungsordnungen zugleich zu bedienen. Das alles seien Bedingungen, die an den beteiligten Menschen vorbei gehen würden. "Ich würde mir wünschen, dass nicht nur oberflächliche Korrekturen durchgeführt werden, sondern dass eine echte Reform realisiert wird, die in allen Fächern zu einer gesteigerten Professionalisierung führt. Dazu haben die Hochschulen ihren Beitrag zu leisten. Und sie werden dieses Ziel erreichen, wenn das notwendige Geld seitens der Länder bereitgestellt wird, damit die derzeitige Krise in der Betreuung der Studierenden überwunden werden kann", so Jäger. "Wenn in dieser Situation die Hochschulen eine begründetes Qualitätsmanagement realisieren, dann wissen sie vor Ort, wo der Schuh drückt und was an Ressourcen notwendig ist, um zu stabilen Verhältnissen für Studierende und Lehrende gleichermaßen zu kommen!"

Das Bildungsbarometer zum Thema "Bildungsproteste" wurde von einer spezifisch repräsentativen Stichprobe von 2.513 Personen aus der gesamten Bundesrepublik beantwortet. Der zu dieser Befragung gehörende Newsletter mit den zentralen Ergebnissen ist im Internet abrufbar:
http://www.vep-landau.de/Bildungsbarometer/Newsletter_2009_3.pdf

Die vollständige Auswertung des Bildungsbarometers steht im Dezember auf der Website
http://www.vep-landau.de/Bildungsbarometer.htm

als download zur Verfügung.

Kontakt:
Prof. Dr. Reinhold S. Jäger
Zentrum für empirische pädagogische Forschung
Universität Koblenz-Landau, Campus Landau
Bürgerstraße 23, D-76829 Landau
Telefon: +49-(0)6341-906-175
Telefax: +49-(0)6341-906-166
E-Mail: jaeger@zepf.uni-landau.de
Weitere Informationen: http://www.zepf.uni-landau.de http://www.bildungsbarometer.de
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