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Änderung der Lehrverpflichtung geplant

18.06.2003 - (idw) Landesrektorenkonferenz Baden-Württemberg

Erhöhung des Lehrdeputats der Professoren gefährdet Forschungslandschaft in Baden-Württemberg

Der Vorstand der baden-württembergischen Rektorenkonferenz, die Rektoren Dieter Fritsch (Stuttgart) und Wolfgang Jäger (Freiburg), kritisierte die Pläne des Landes zur Erhöhung der Lehrverpflichtung der Professoren.

"Forschung ist keine Freizeitbeschäftigung, sondern Dienstaufgabe der Hochschullehrer", betonte Dieter Fritsch. Wahrgenommen werde aber immer nur die im Vergleich zu den Fachhochschulen und Berufsakademien geringere Lehrverpflichtung von bisher acht Wochenstunden der Universitätsprofessoren. Dies habe aber einen konkreten Grund, und zwar die Einwerbung von Forschungsmitteln. Den Universitäten gelinge es dadurch, ihren Etat wesentlich zu erhöhen, zum Teil sogar zu verdoppeln. "Diese Mittel werden hauptsächlich zur Schaffung von Arbeitsplätzen für junge Wissenschaftler eingesetzt", sagte Dieter Fritsch. Davon profitierte hauptsächlich die Wirtschaft, die nicht nur Forschungsaufträge an die Universitäten gebe, sondern dort auch hervorragend ausgebildetes Personal rekrutieren könne.

"Die Landesregierung ist auf dem besten Weg, unsere hervorragende Forschungslandschaft zu gefährden", so der Freiburger Rektor Wolfgang Jäger. Das einzige Ergebnis der Erhöhung werde sein, dass man die Zahl der Studienplätze drastisch erhöhen müsse und dadurch die im internationalen Vergleich schlechten Betreuungsrelationen noch weiter senke. Die baden-württembergischen Universitäten seien bisher trotz ihrer schlechten bundesrechtlichen Rahmenbedingungen international noch hervorragend positioniert. Mit Maßnahmen wie der geplanten Erhöhung der Lehrverpflichtung erreiche man nur, dass die hiesigen Universitäten sich nicht den amerikanischen Spitzenuniversitäten, sondern den Fachhochschulen annäherten. Dies müsse sich das Land gut überlegen.

Dieter Fritsch erklärte, dass Professoren bereits bisher regelmäßig etwa 60 Wochenstunden arbeiteten und aufgrund ihrer Forschungstätigkeiten eben nicht mit Lehrern oder Professoren an lehrbezogenen Hochschularten vergleichbar seien. Der Standpunkt des Landes, dass Fachhochschulprofessoren mehr lehrten und die Universitätsprofessoren deshalb nachziehen müssten, sei von einer tiefgreifenden Unkenntnis des Wissenschaftssystems geprägt. Dies verwundere die Universitäten umso mehr, als dass das Land bisher die Wissenschaft nachhaltig gefördert habe. "Diese Wendung um 180 Grad können wir nicht nachvollziehen", so der LRK-Vorstand.
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