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Aus Liebe zur Lehre

02.12.2009 - (idw) Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Prof. Rolf Hinz ist 82 Jahre alt und müsste eigentlich nicht mehr arbeiten. Trotzdem kann er nicht von "seiner" UW/H lassen und unterrichtet noch immer Er hat die kieferorthopädische Abteilung der Universität Witten/Herdecke geprägt wie kein Zweiter, er ist Forscher, Unternehmer, Buchautor und -verleger sowie Hochschullehrer. Seine Haranni-Clinic und sein Fortbildungszentrum in Herne, die Haranni-Academie, bescheren ihm wissenschaftlichen Ruhm und finanzielle Sicherheit. Trotzdem kann Prof. Dr. Rolf Hinz nicht von der UW/H lassen - seit April 2009 ist er mit 82 Jahren wieder kommissarischer Leiter der kieferorthopädischen Abteilung. "Der Umgang mit den Patienten und auch die Lehre machen mir einfach sehr viel Spaß", erläutert er, warum es für ihn nicht in Frage kommt, seinen wohlverdienten Ruhestand zu genießen. "Ich habe gerne mit jungen Studierenden zu tun. Die sind sehr aufgeschlossen für praxisbezogene Lehre, was mir sehr gefällt." Der Altersunterschied zu den Unterrichteten falle dabei nicht ins Gewicht. Prof. Hinz: "Ich habe schon das Gefühl, die Studierenden noch zu erreichen. Mir war immer wichtig, dass die Wissensvermittlung locker und humorvoll geschieht, ohne dabei den praxisbezogenen Anspruch zu verlieren. Ich glaube, das kommt ganz gut an."

Der Praxisbezug stand bei Prof. Hinz immer im Mittelpunkt seines Schaffens. Auch er selbst ist ein Mann der Praxis. 1945 begann er in der ehemaligen DDR seine Ausbildung zum Zahntechniker. Nachdem er "staatlich anerkannter Dentist" wurde, studierte er an der Humboldt-Universität in Berlin Zahnheilkunde und legte 1953 sein Staatsexamen ab. Drei Jahre später promovierte er in Berlin, bevor er 1960 die DDR illegal verließ. "Es gab politischen Druck, der sich bis auf meine Kinder ausgewirkt hat", sagt Hinz. Und das nur, weil er sich nicht scheute, dass zu tun, was er auch von seinen Patienten verlangte: den Mund aufzumachen. "Dafür war ich bekannt", erinnert sich Hinz, der eine genehmigte Reise zu einem Fachkongress nach Hamburg nutzte, um der DDR den Rücken zu kehren.

Noch im selben Jahr eröffnete er die noch heute bestehende Praxisgemeinschaft Prof. Dr. Rolf Hinz & Partner, die im kommenden Jahr 50 Jahre alt wird. Zur Universität Witten/Herdecke stieß er 1984. Ein Jahr nach seiner Habilitation wurde er im Jahr 1988 auf den Lehrstuhl für Kieferorthopädie berufen. In der Folge stampfte er eine komplette Abteilung aus dem Boden und hält seit nunmehr 25 Jahren ununterbrochen Vorlesungen an der UW/H. "Damals hatten wir täglich neue Herausforderungen zu bewältigen", erinnert er sich. "Wir haben unter sehr schwierigen Rahmenbedingungen gute Lehre und Forschung betrieben. Am Anfang musste man sich eigene Projektoren mitbringen, später eigene Laptops und Beamer. Wir hatten nur einen leeren Raum mit einem kleinen Schrank und einem Waschbecken und keine finanziellen Mittel. Diese schwierige Situation haben die Studierenden aber mit Bravour gemeistert."

Nicht zuletzt dank der tatkräftigen Unterstützung von Rolf Hinz. "Prof. Hinz ist ein absolutes Organisationstalent, was für einen Wissenschaftler nicht selbstverständlich ist", lobt der UW/H-Geschäftsführer Günther Hanke. "Er kombiniert auf einzigartige Weise Übersicht, Gelassenheit und Engagement. Er macht alles - und was er macht, das macht er gut. Er hat viele außergewöhnliche Dinge angestoßen und umgesetzt, und er war immer erfolgreich. So etwas kann man nur bewundern."

Und auch in diesem Jahr ließ sich Prof. Hinz nicht lange bitten, als "seine" UW/H ihn bat, als kommissarischer Leiter der kieferorthopädischen Abteilung wieder einzuspringen. "Wenn man so etwas mit aufgebaut hat, dann hängt auch das Herz daran", begründet er diesen Schritt. "Wenn man das alles miterlebt hat, dann möchte man die Uni auch nicht hängen lassen, wenn Not am Mann ist."

Und schließlich hat er ja - trotz der vielen Erfolge, die er bisher feiern durfte - immer noch Ziele, an deren Umsetzung er stetig arbeitet. "Ich möchte die kieferorthopädische Prophylaxe und Frühbehandlung weiter vorantreiben", sagt er. "Die wird leider ein wenig vernachlässigt, so dass die Patienten nicht früh genug behandelt werden. Dieser Umstand ist für die Patienten nicht gut und kostet die Krankenkassen viel Geld." Außerdem hat er sich vorgenommen, "die Schlafmedizin mit der Zahnmedizin noch enger zusammen zu bringen." Prof. Hinz: "Zahnärzte sind in der Lage, durch Geräte, die im Mund getragen werden, zum Beispiel Schnarchen zu unterbinden. Die Schlafmedizin hat einen großen Stellenwert. Hier wäre es wichtig, dass sich die Zahnmedizin noch mehr einbringt. Und genau das möchten wir tun."


2008 erhielt Prof. Hinz die Goldene Ehrennadel der deutschen Zahnärzte für sein Lebenswerk.

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