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Zuhören und Erzählen als Teil der Medizin

03.12.2009 - (idw) Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Kinderbuchautorin Jutta Richter und Wittener Medizinstudierende ergründen, wie der Umgang mit Krankheit, Schmerz und Sterben in Worte zu fassen ist In einem ersten Seminar am 9. Dezember 2009 nähern sich die Kinder- und Jugendbuchautorin Jutta Richter und Studierende der Medizin an der Universität Witten/Herdecke den Themen Krankheit, Schmerz und Sterben. Jutta Richter, eine vielfach ausgezeichnete Autorin, hat die Schirmherrschaft für diesen neuen Ansatz am Institut für Familienmedizin übernommen. "In ihrem Roman 'Hechtsommer' beschreibt Jutta Richter, wie das Mädchen Anna das Sterben der Mutter ihrer beiden besten Freunde erlebt. Sie findet die Worte, die das eigentlich unaussprechliche Entsetzen der Kinder vermitteln können. Davon können angehende Ärzte eine Menge lernen", erklärt Dr. Stefan Wilm, Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, den neuen Ansatz im Wittener Medizinstudium. Er möchte aber nicht nur Forschung vermitteln, sondern auch Lesevergnügen, daher gibt es eine

Öffentliche Lesung: Jutta Richter liest aus "Hechtsommer"
am Donnerstag, den 9. Dezember, 15 - 16 Uhr im Audimax der
Universität Witten/Herdecke, Alfred-Herrhausen-Str. 50

Danach beginnt das Seminar, in dem gemeinsam mit der Autorin Wege der Wahrnehmung und des Ausdrückens belastender Gefühlswelten erforscht werden sollen. "Der Versuch, eigene Erfahrungen in Worte zu fassen, niederzuschreiben, kann für die Erfahrungswelt von Patienten und ihren Familien sensibilisieren und helfen, zwischen der eigenen Perspektive und der der Patienten und deren Angehörigen zu wechseln - zentrale Bausteine des Ansatzes der Narrativen Medizin, die sich als wichtige Ergänzung zur evidenzbasierten Medizin versteht", erläutert Wilm die Herangehensweise.

Sein Fach Familienmedizin hat den Patienten als Ganzes im Blick, somatische, psychische, systemische und soziokulturelle Aspekte gehören explizit dazu. Dabei stehen die Patienten, ihr Lebensumfeld sowie dessen Auswirkung auf ihre Gesundheit im Zentrum. Die Familienmedizin hat sich mit der Gesellschaft gewandelt: Sie behandelt nicht mehr allein die klassische Kern- oder Großfamilie, sondern das ganze Bezugssystem und Lebensumfeld der Patienten, zu dem auch neue Formen von Lebensgemeinschaften gehören können. Familienmedizin begegnet beim Hausbesuch Paaren, Eltern mit ihren Kindern, Geschwistern, Jugendlichen und ihren Freunden, pflegenden Angehörigen und den Pflegebedürftigen, Mehrgenerationenhaushalten und Seniorenwohngemeinschaften in der Sprechstunde und beim Hausbesuch. Die zunehmende Alterung der Bevölkerung sowie die Zunahme von Multimorbidität und Pflegebedürftigkeit erfordern die Koordination und das Wissen um familiäre Lebensbedingungen. Der Hausarzt steht daher mit Fachkollegen ebenso im Austausch wie mit Sozialarbeitern und Therapeuten. "Gerade bei dieser interdisziplinären Kooperation und Koordination der beteiligten Berufsgruppen ist noch viel zu verbessern", sieht Wilm voraus. Ziel des Instituts für Allgemeinmedizin und Familienmedizin der UWH ist es, Forschung und Reflexion zur Familienmedizin in Deutschland weiterzuentwickeln und damit die Familienmedizin zu stärken.

Zu Jutta Richter
1955 in Burgsteinfurt/Westfalen geboren, wuchs Jutta Richter im Ruhrgebiet und Sauerland auf. Nach einem einjährigen Aufenthalt in Detroit/USA veröffentlichte sie noch als Schülerin ihr erstes Buch. Jutta Richter studierte katholische Theologie, Germanistik und Publizistik in Münster. Seit 1978 lebt sie als freiberufliche Autorin auf Schloss Westerwinkel im Münsterland. Weitere Informationen unter ihrer Homepage http://www.juttarichter.de/.

Für ihr literarisches Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Preise:
- 2001 Deutscher Jugendliteraturpreis für "Der Tag, als ich lernte die Spinnen zu zähmen",
- 2001 Internationaler UNESCO-Preis Nominierungsliste für "Der Hund mit dem gelben Herzen"
- 2004 LesePeter September für "Hechtsommer",
- 2004 LUCHS des Monats August für" Hechtsommer"

- 2005 Katholischer Kinder- und Jugendbuchpreis für "Hechtsommer"
- 2006 Die besten sieben Bücher für junge Leser im November für "Die Katze oder Wie ich die Ewigkeit verloren habe"
- 2007 Premio Andersen (italienischer Kinderbuchpreis) für Die "Katze oder Wie ich die Ewigkeit verloren habe"
- 2008 Mildred L. Batchelder Honor Book (Kinderliteraturpreis USA) für "Die Katze oder Wie ich die Ewigkeit verloren habe".

Weitere Informationen bei Dr. Stefan Wilm, 02302/926-741, stefan.wilm@uni-wh.de

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