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"Der Größte unter den lebenden Menschen"

04.12.2009 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Prof. Dr. Uwe Hoßfeld von der Universität Jena gibt Einführung in das Werk Ernst Haeckels heraus Jena (04.12.09) "Der deutsche Darwin" - diesen Beinamen wird Ernst Haeckel wohl nie loswerden. Doch obschon der Vergleich mit dem großen Kollegen absolut berechtigt ist, lässt sich Haeckels wissenschaftliche Leistung nicht so pointiert erklären, wie die des Engländers, bei dem Schlagwörter wie "Evolutionstheorie" und "Entstehung der Arten" ausreichen. Was genau hat beispielsweise Thomas Alva Edison dazu bewegt, Haeckel als den "größten unter den lebenden Menschen" zu bezeichnen?

Dies versucht ein neues Buch zu erklären. "absolute Ernst Haeckel" ist in einer Reihe erschienen, die - herausgegeben vom berühmten Kulturtheoretiker Klaus Theweleit - große Denker und ihr Werk komplex vorstellt. Das besondere ist dabei, dass die Wissenschaftler in sorgfältig ausgewählten Texten vorrangig selbst zu Wort kommen und ihr Schaffen damit selbst erklären. Ein biographischer Essay, verfasst vom Herausgeber des Bandes, Prof. Dr. Uwe Hoßfeld von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, unterteilt "absolute Ernst Haeckel" in drei Abschnitte.

Der erste Teil beschäftigt sich mit Haeckels Meinung über die revolutionären Ideen Darwins. "Haeckel hielt am 19. September 1863 - vier Jahre nach der Veröffentlichung der "Entstehung der Arten" - in Stettin einen Vortrag zu diesem Thema", so Prof. Hoßfeld. "Da im Publikum hauptsächlich Laien saßen, erklärte Haeckel einfach und verständlich seine Auffassung zu den Thesen des Engländers, wovon auch der heutige Leser profitiert", macht der Leiter der AG Biologiedidaktik an der Jenaer Universität deutlich. Einerseits bringt Haeckel damit deutlich seine Bewunderung und seinen Respekt für das Werk Darwins zum Ausdruck. Andererseits weist er darauf hin, dass noch viel Arbeit nötig ist, um Fehler zu beseitigen und die neue Lehre unangreifbar zu machen. Denn "viele Lücken und schwache Stellen des jungen Baums erleichtern den zahlreichen Gegnern den Angriff sehr." Was jedoch besonders für Aufsehen sorgte - erstmals fügt Haeckel auch den Menschen in diese Entwicklung mit ein und bezeichnet ihn als das "am höchsten organisierte Wirbeltier". "Selbst Darwin war bis dahin nicht so weit gegangen", so Herausgeber Hoßfeld.

Neben den Texten zur Biologie, die im zweiten Teil kurz und prägnant Haeckels Forschungen demonstrieren, nehmen vor allem die philosophischen Ansätze einen großen Teil des Buches ein. "Die stete Verknüpfung von Wissenschaft und Weltanschauung führt ... zu permanenten fachlichen und weltanschaulichen Kontroversen, die ihren Höhepunkt mit dem Erscheinen seines zu einem Kultbuch avancierten Werkes Die Welträthsel im Jahr 1899 erreichen." Schon einige Jahre vorher begeisterte ihn zunehmend die Idee des Monismus - die Vorstellung, dass alles, was ist, nach einem allumfassenden Grundprinzip funktioniert, ohne gleich eine oder mehrere Gottheiten ins Spiel zu bringen.

Außerdem widmet er sich zunehmend der "Natur als Künstlerin". Während seiner Arbeitszeit am Mikroskop entstanden im Laufe der Jahre unzählige Zeichnungen, die das gesamte Werk illustrieren. Seine Bewunderung gilt vor allem den vollendeten Symmetrien in der Natur. Mit seinen Bildern beeinflusste er nachhaltig viele Künstler des 20. Jahrhunderts.

Auch der von Uwe Hoßfeld herausgegebene Band vermittelt durch seine reichhaltige Bebilderung einen Eindruck vom Leben und Schaffen des berühmten Jenaer Professors. Die ansprechende und durchdachte Gestaltung unterstreicht den Sinn des Buches - Ernst Haeckel und seine Ideen kennen zu lernen.


Bibliographische Angaben:
Uwe Hoßfeld (Hg.): absolute Ernst Haeckel. orange-press, Freiburg 2009, 223 Seiten, Preis: 18 Euro, ISBN: 978-3-936086-40-9

Kontakt:
Prof. Dr. Uwe Hoßfeld
Arbeitsgruppe Biologiedidaktik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Steiger 3, Bienenhaus
07743 Jena
Tel.: 03641 949491
E-Mail: uwe.hossfeld[at]uni-jena.de
Weitere Informationen: http://www.uni-jena.de
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