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Flora von Frankfurt - oder ... Was Sie schon immer über die Pflanzen in unserer Stadt wissen wollten ...

04.12.2009 - (idw) Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

- Wo kommt die Ambrosie in Frankfurt vor und seit wann?
- Wo wächst das indische Springkraut in Frankfurt hauptsächlich?
- Gibt es den geschützten Diptam im Stadtgebiet?
- Antworten auf solche Fragen findet man nun im Internet! Frankfurt, 04. Dez. 2009 _ Unter "www.flora-frankfurt.de" ist ab sofort eine Internetseite verfügbar, die umfangreiche bebilderte Informationen zu Pflanzenarten in Frankfurt bietet. Sie wurde in einem gemeinsamen Projekt von der Stadt Frankfurt und Senckenberg erstellt. Ziel des Projekts ist eine für jedermann über das Internet zugängliche, bebilderten "Flora von Frankfurt", d.h. einer Darstellung der Blütenpflanzen im Stadtgebiet von Frankfurt am Main mit ihrer Verbreitung. Besonders berücksichtigt wird dabei die historische Dynamik der Entwicklung der Pflanzenwelt.

Dies soll erreicht werden, indem die verfügbaren aktuellen und historischen Daten zur Pflanzenverbreitung und -einwanderung in eine (bereits im Rahmen der von der Stadt Frankfurt finanzierten Vorarbeiten entwickelte) Datenbank eingegeben werden und über das Internet jederzeit in Form von Punkt- und Rasterkarten abgefragt werden können. Zusätzlich wird schließlich für jede der rund 1300 Arten der Frankfurter Flora ein allgemeinverständlich abgefasster "Steckbrief" abruf- bzw. ausdruckbar sein, der sowohl dem Fachmann als auch dem interessierten Bürger Wissenswertes über Vorkommen, Häufigkeit, Einwanderungsgeschichte und Gefährdungsgrad vermittelt. Von den rund 1300 derzeit in Frankfurt vorkommenden Arten sind bisher 343 erfasst, im Jahr 2010 werden weitere 350 hinzukommen. Bei den bisher erfassten Arten stehen die pflanzlichen Neubürger (Neophyten) im Vordergrund.

Mit der Online-Flora soll folgendes erreicht werden:
· die Kenntnisse über die pflanzliche Diversität und ihren Wandel in Frankfurt verbessern;
· Hintergrundwissen zu ökologischen und arten-/naturschutzrelevanten Fragestellungen liefern und dadurch
· Sensibilität gegenüber gefährdeten Biotopen und Pflanzenarten in Frankfurt erzeugen und die Bereitschaft zum verantwortungsvollen Umgang mit der Stadtnatur in Frankfurt stärken;
· durch die Möglichkeit, Beobachtungen über das Vorkommen einzelner Arten (über ein vorgegebenes Formular) online zu melden, die Bürger stärker an der Wahrnehmung und Erhaltung von Stadtnatur beteiligen.

Geplant im Rahmen des Projektes ist neben der Bearbeitung der in Frankfurt vorkommenden Arten auch die Erstellung einer Unterrichtseinheit mit Unterrichtsmaterialien. Diese soll Lehrern der Sekunsarstufe II als wichtigen Multiplikatoren die Möglichkeit bieten, über dieses aktuelle Gebiet der Biologie mit Beispielen vor Ort zu informieren. Das Umweltamt der Stadt Frankfurt/Main und Senckenberg Forschungsinstitut stellen die Langfristigkeit des Projektes sicher. Die Arbeitsgruppe Biotopkartierung in der Abteilung Botanik des Forschungsinstituts übernimmt die Pflege der Datenbank.

Von der Gesamtfläche Deutschlands sind mittlerweile 12,6 % durch Siedlungen und Verkehrswege verbaut und versiegelt, so dass Arten- und Biotopschutz nicht allein auf die naturnahen Gebiete außerhalb der Ballungszentren beschränkt bleiben können, sondern die Ballungsgebiete in zunehmendem Maße mit einbeziehen müssen. Dies bietet sich schon deshalb an, weil der besiedelte Raum durch eine besonders hohe Biodiversität ausgezeichnet ist. Der Ökosystemkomplex Stadt gilt pro Flächeneinheit als derjenige mit der höchsten Diversität der Erde. Dabei sind die Artenzahlen korreliert mit der Flächengröße, der Einwohnerzahl und dem Alter der Städte (höchste Artenzahlen erreichen ältere Millionenstädte - bis weit über 1.400 Arten!).
Die hohe Diversität liegt begründet in der großen Heterogenität der Standortverhältnisse und dem dichten mosaikartigen Nebeneinander von stark versiegelten Flächen und Freiflächen wie Grünanlagen, Gärten, Friedhöfen, Ruderal- und Brachflächen usw. - Darüber hinaus sind Städte als Knotenpunkte von Handel und Verkehr Ausgangspunkte für die Verbreitung von Arten, die aufgrund menschlicher Aktivität in das Gebiet gelangt sind.

Neueingebürgerte Pflanzen (Neophyten) haben infolge der Mobilitätszunahme und Globalisierung in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen und treten z.T. bestandsbildend auf, z.B. der Schmetterlingsstrauch (Buddleja davidii), der Götterbaum (Ailanthus altissima), das Schmalblättrige Greiskraut (Senecio inaequidens), das Indische Springkraut (Impatiens grandiflora), der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum).

Dicht besiedelte Ballungsräume sind also Standorte hoher Biodiversität, unterliegen jedoch gleichzeitig außerordentlich starkem menschlichen Einfluss. Dies bedingt eine besonders hohe Arten- und Lebensraumdynamik, die nicht nur aus naturschutzfachlichen, sondern auch aus Gründen der Erhaltung eines attraktiven Lebensumfeldes für die dort ansässigen Menschen wissenschaftlich untersucht und begleitet werden muss. - Die Aktualität dieses Themas hat bereits in einigen Städten zu verstärkten Forschungsaktivitäten geführt. In Frankfurt am Main wurden bisher umfangreiche Daten erhoben. Die Informationen über das Vorkommen der einzelnen Arten sind aber nicht direkt zugänglich bzw. im Falle von Informationen aus älteren Archiven auch noch nicht überprüft und digitalisiert. Dies ist um so bedauerlicher, als das Interesse an Informationen zur Artenvielfalt und -verbreitung im städtischen Lebensraum bei einer breiten Öffentlichkeit immer größer wird.

Das von der Stadt Frankfurt und dem Senckenberg Forschungsinstitut getragene Projekt wird zum einen die wichtigen Daten zur Vielfalt, Verbreitung und zur Gefährdung von Arten in Frankfurt am Main für Wissenschaftler und Laien leicht zugänglich machen und so auch interessierte Bürger über pflanzliche Vielfalt, deren Schutz aber auch deren Dynamik informieren.

Mit der Internetverfügbarkeit der Daten (in verständlicher Form) und der Möglichkeit, eigene Funde zu melden, wird eine Einbindung der Bürgerinnen und Bürger gewährleistet und so das Interesse am und die Kompetenz für das Thema "Natur in der Stadt" geschaffen und gestärkt. - Für die Fertigstellung des Projekts werden noch Sponsoren gesucht!

Grundaufbau der "Online-Flora von Frankfurt"
Kern des Projektes ist die Auswertung und Digitalisierung vorhandener Archive zur Pflanzenverbreitung in Frankfurt. Bereits digitalisiert vorliegende Daten wurden in einer Datenbank zusammengeführt. Aus dieser Datenbank werden bei einer Internet-Abfrage die Verbreitungsdaten für eine Art ausgelesen und auf einer Stadtkarte dargestellt.

Ziele des Projektes
1. Überblick über die Gefäßpflanzenflora im Stadtgebiet Frankfurt am Main, ergänzt durch Fundort- und Statusangaben

2. Kartographische Darstellung der Verbreitung der in Frankfurt vorkommenden Pflanzen

3. Zusammenstellung naturschutzrelevanter Daten seltener und lokal gefährdeter Arten auf der Grundlage von aktuellen Kartierungsdaten sowie historischen Daten und Belegen (kommentierte Liste unter Angabe der Entwicklungstendenzen, der Gefährdungsfaktoren, -ursachen und Gefährdungsgrade) (Lokale Rote Liste)

4. Darstellung der Florenentwicklung in Bezug zur Siedlungsgeschichte Frankfurts (Auswertung historischer Floren und Herbarrecherchen, kartographische Darstellung)

5. Darstellung der Neophyten und ihrer Verbreitung mittels Verknüpfung historischer und aktueller Daten und Belege

6. Internetverfügbarkeit der Karten und Informationen für jedermann sowie Erstellung von Unterrichtsmaterialien für Lehrer

7. Beteiligung der Bürger an dem Projekt durch die Möglichkeit der Online-Meldung von Pflanzenfunden

8. Stärkere öffentliche Wahrnehmung von Stadtnatur und verbesserte Akzeptanz von Arten- und Naturschutz in der Stadt.

Ansprechpartner bei Rückfragen:


Prof. Dr. Georg Zizka
Leiter der Abteilung Botanik und Molekulare Evolutionsforschung
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Senckenberganlage 25
D-60325 Frankfurt am Main
Tel: 069/7542-1166
E-Mail: georg.zizka@senckenberg.de

Klaus Hoppe
Umweltamt der Stadt Frankfurt am Main
Galvanistraße 28
60486 Frankfurt am Main
Telefon 069/212 39145
Telefax 069/212-39106
E-Mail: klaus.hoppe@stadt-frankfurt.de
Weitere Informationen: http://www.flora-frankfurt.de
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