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FiW an der RWTH koordiniert Großvorhaben zum Klimawandel

22.12.2009 - (idw) Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Forschungsinstitut für Wasser- und Abfallwirtschaft erarbeitet im Auftrag des BMBF Strategien zur Anpassung an den Klimawandel Trockene Sommer mit wiederkehrendem Starkregen und Hitzewellen; Flüsse und Bäche, die über die Ufer treten, erhöhtes Hochwasserrisiko in den Städten; Trinkwasserknappheit und sich verschlechternde Rohwasserqualitäten: Dies sind Szenarien, die deutsche Wissenschaftler als Folge des Klimawandels für Nordrhein-Westfalen prognostizieren. Die Mehrheit der Klimaforscher ist sich einig, dass der klimatische Wandel bereits heute nicht mehr aufzuhalten ist, die Konsequenzen in unseren Breitengraden sich aber durch aktives und frühzeitiges Handeln noch wesentlich beeinflussen lassen. Aber wie geht der Mensch zukünftig mit diesen Herausforderungen um?

"DynAKlim" heißt ein ehrgeiziges Projekt, das für "Dynamische Anpassung regionaler Planungs- und Entwicklungsprozesse an die Auswirkungen des Klimawandels in der Emscher-Lippe-Region" steht. Beteiligt sind das Forschungsinstitut für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH Aachen (FiW) sowie das Institut für Siedlungswasserwirtschaft und Siedlungsabfallwirtschaft (ISA) der Aachener Hochschule, die das Projekt initiiert haben. Im Frühjahr 2007 hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das mit bis zu 80 Millionen Euro geförderte KLIMZUG-Programm ("Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten") ausgeschrieben. Nach mehr als zweijähriger Antragsvorbereitung konnte das vom Institut für Wasser und Abfallwirtschaft geführte Konsortium am 1. Juli die Arbeit aufnehmen. Das auf fünf Jahre angelegte Netzwerk- und Forschungsprojekt DynAKlim ist eines von insgesamt sieben bundesweit geförderten Projekten und das einzige in NRW. Dies zeige die allgemein anerkannte und hohe Kompetenz der RWTH, freut sich Dipl.-Ing. Jens Hasse, Mitarbeiter am FiW und verantwortlicher Koordinator des Gesamtprojekts.

Dem FiW ist es gelungen, bisher mehr als 20 Partner für das interdisziplinär angelegte Projekt ins Boot zu holen und ein Netzwerk aus Wissenschaft, regionaler Politik und Verwaltung, Unternehmen, Bürgern und Verbänden aufzubauen. Dazu gehören beispielsweise Städte und Gemeinden, der Regionalverband Ruhr, Vertreter der Wirtschaft, die Landesarbeitsgemeinschaft, Agenda 21, das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) und viele andere. Die in der Region zuständigen Wasserwirtschaftlichen Verbände Emschergenossenschaft und Lippeverband sorgen für die Praxisnähe des Projekts und die praktische Umsetzung der Aktivitäten und Ergebnisse. "Mit dem Projekt DynAKlim bietet sich die großartige Chance, frühzeitig Vorbereitungen zu treffen sowie alle regionalen Akteure und Interessenträger gemeinsam am notwendigen Anpassungsprozess zu beteiligen", so Dr.-Ing. Friedrich-Wilhelm Bolle, Geschäftsführer des FiW. Es gelte, die Chancen zu nutzen, die sich für die Region bieten. Konkret beschäftigt sich das DynAKlim-Projekt mit den klimabedingten Veränderungen im Wasserkreislauf, die weittragende Konsequenzen mit sich bringen. "Die Nutzung der Gewässer muss verändert werden, wenn der Grundwasserstand beispielsweise im Sommer unter eine Grenze sinkt, die die Trinkwasserversorgung zulässt, oder wenn ein Fluss so wenig Wasser führt, dass die Kühlung eines Kraftwerks nicht mehr möglich ist", sagt Dipl.-Ing. Jens Hasse.

Doch nicht nur die Emscher-Lippe-Region soll von dem umfangreichen Projekt profitieren: Als im Sommer 2002 ein Tiefdruckgebiet Nordrhein-Westfalen erreichte, und starken Regen, Hagel und Sturmböen mit sich brachte, kam es in Aachen zu zahlreichen lokalen Überflutungen, bei denen Feuerwehr und Polizei im Einsatz waren. Innerhalb von 40 Minuten konnten 28 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gemessen werden. Die Feuerwehr verzeichnete Wasserschäden in 42 Wohnungen und zwölf Gewerbebetrieben, allein 30 Keller mussten leer gepumpt werden. Zahlreiche Bäume wurden infolge von Sturmböen und Blitzeinschlägen entwurzelt und versperrten Straßen, zwei Autobahnen wurden für mehrere Stunden gesperrt. Auch in den darauffolgenden Jahren kam es in Aachen - laut einem Forschungsbericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung aus dem Jahr 2008 - mehrfach zu lokalen Überflutungen in der Stadt infolge von Starkregenereignissen. Dabei wurde stellenweise die Kanalisation überlastet, Kanaldeckel wurden durch austretendes Wasser hochgehoben, Rückstaus führten zu Überschwemmungen und Wassereinbrüchen in Kellern und Tiefgaragen.

"Unser Ziel ist es daher, das Wissen, das wir für die Emscher-Lippe-Region gewinnen, auch für Aachen und andere Regionen nutzbar zu machen", erklärt Dipl.-Ing. Susanne Tettinger, Mitarbeiterin im FiW und Koordinatorin eines Teilbereichs bei DynAKlim. So können in den kommenden Jahren auch die Städteregion Aachen und das Grenzgebiet von dem gewonnen Wissen profitieren. Zwar ist das DynAKlim-Projekt zunächst regionalspezifisch auf den Handlungsbedarf der Emscher-Lippe-Region ausgerichtet, doch sind Konzepte, Herangehensweisen und konkrete Anpassungslösungen methodisch übertragbar. In zahlreichen Teilprojekten von DynAKlim beschäftigen sich Wissenschaftler, Aufgabenträger, Verwaltungsmitarbeiter und Unternehmer mit Forschungsarbeiten zu urbanen Sturzfluten, konkurrierender Nutzung von Wasserressourcen, der Abwasser- und Regenwasserbewirtschaftung sowie der Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen. "Außerdem werden die Vernetzung der regionalen Akteure und ein verbessertes Wissensmanagement helfen, neue Konzepte der nachhaltigen und flexiblen Bewirtschaftung des Wasserhaushalts, regionale Anpassungsstrategien und neuartige, anpassungsfähige Technologielösungen auf den Weg zu bringen. Dadurch kann den Auswirkungen des Klimawandels beispielsweise auf Wasserversorgung, Siedlungsentwässerung, Gewässergüte und Stadtklima zukünftig vorrausschauend und mit höherer Flexibilität begegnet werden", erklärt Univ.-Prof. Dr.-Ing. Johannes Pinnekamp, Leiter des Instituts für Siedlungswasserwirtschaft und Siedlungsabfallwirtschaft sowie geschäftsführendes Vorstandsmitglied des FiW. Dabei profitieren die beteiligten Projektpartner auch von den bisherigen, an der RWTH Aachen erarbeiteten Forschungsergebnissen.


Anfang Dezember fand in Oberhausen die Auftaktveranstaltung des DynAKlim-Projektes statt. Mehr als 250 Beteiligte und Interessierte nahmen an der großen Tagung teil. "Wir sind gemeinsam mit unseren zahlreichen Projektpartnern aus NRW auf einem guten Weg, den veränderten Klimabedingungen der Zukunft zu begegnen", ist sich Gesamtprojektkoordinator Jens Hasse vom FiW sicher.

Weitere Informationen sind unter www.dynaklim.de zu finden.

i.A. Gabriele Renner
Weitere Informationen: http://www.dynaklim.de
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